Sparkasse Dachau

Verwaltungsräte als Großverdiener?

Dachau - Die Verwaltungsräte der Sparkasse Dachau erhalten die höchsten Vergütungen aller Ratskollegen im Großraum München: im Durchschnitt 1780 Euro pro Mitglied. Doch welche Aufgaben haben die Mitglieder eigentlich? Und wie viel Zeit müssen sie dafür aufwenden? Und wer sitzt eigentlich im Verwaltungsrat – und warum?

Die Sparkasse Dachau zahlt im Großraum München die höchsten Vergütungen für ihre Verwaltungsräte: 235000 Euro bei einer Bilanzsumme von 2,8 Milliarden Euro. Elf Verwaltungsräte sitzen in dem Gremium, im Durchschnitt kommt also jeder auf 1780 Euro im Monat. Die handelnden Personen sind bekannt: Landrat, Oberbürgermeister, Bürgermeister, Kreisräte, also hauptsächlich Lokalpolitiker, aber auch zwei Politikpensionäre: Altlandrat Hansjörg Christmann und Ex-Oberbürgermeister Peter Bürgel. 

Die Grünen im Landtag wollten wissen, welche Sparkassen den vom Sparkassenverband vorgegebenen Rahmen für die Verwaltungsratsvergütungen ausschöpfen. Die Zahlen gehen nun aus den Berichten des Sparkassenverbandes Bayern und aus der Antwort des Innenministeriums hervor. An der Spitze im Münchner Umland befindet sich die Sparkasse Dachau. 

An der Spitze liegt Dachau auch, was den Erfolg angeht. „Wir haben die erfolgreichste Sparkasse in Bayern“, sagt Landrat Stefan Löwl (CSU), Vorsitzender des Verwaltungsrates. Dazu trage der Verwaltungsrat durchaus seinen Teil bei – als Berater des Vorstands. Die Sitzungen finden einmal im Monat statt – „es gibt keine Sparkasse, die öfter tagt“, so Löwl. 

Der Verwaltungsrat einer Sparkasse hat eine Doppelfunktion, wie Arthur Fischer, Abteilung Vorstandssekretariat der Sparkasse Dachau, mitteilte. „Neben der Kernaufgabe der Überwachung und Kontrolle des Vorstands ist er auch gleichzeitig Verwaltungsorgan.“ Zu seinen Aufgaben gehöre beispielsweise die Vorgabe von Richtlinien für die Geschäftsleitung, die Genehmigung der Geschäfts- und Risikostrategie, die Feststellung des Jahresabschlusses und die Zustimmung zu Beteiligungsentscheidungen. 

Die Bankaufsicht schreibt vor, dass sich die Mitglieder des Verwaltungsrates vor den Sitzungen intensiv vorzubereiten haben. Was macht jemand, der bisher mit Bilanzen und Prüfberichten wenig zu tun gehabt hat? „Ich musste Schulungen absolvieren“, sagt OB Florian Hartmann (SPD), der vor seiner Wahl zu Dachaus Stadtoberhaupt Projektingenieur für Energie- und Umwelttechnik war. „Am Anfang öfters, jetzt einmal pro Jahr.“ Die Unterlagen, mit denen man sich auf die Sitzungen des Verwaltungsrats vorbereiten muss, kann man laut Hartmann in einem sicheren Datenraum einsehen. „Man muss sich richtig einlesen und abschätzen, ob das alles richtig ist“, erklärt Hartmann. Wieviel Zeit die Vor- und Nachbereitung in Anspruch nimmt, lasse sich laut Hartmann schwer sagen – „ich bereite mich oft am Wochenende vor“. Dass das Bürgermeisteramt dadurch zu kurz kommt, diese Gefahr sieht Hartmann nicht. „Ich mache ja sowieso viel in der Freizeit.“ Außerdem sei es auch die Aufgabe des Bürgermeistes, dass er sich um die Sparkasse kümmert: „Wir sind ja Träger der Sparkasse.“ Dass ein Geldinstitut so eng mit der Kommune verbunden sei, gebe es nirgends auf der Welt – „die Sparkassen versorgen die Wirtschaft mit Krediten – und sorgen so dafür, dass es dem Landkreis gut geht.“

 Anton Kerle, Bürgermeister von Altomünster, kommt aus der Branche. Er hat 35 Jahre Berufserfahrung in der Bank und war zuletzt Leiter der Volksbank Raiffeisenbank in Altomünster. „Ich habe den Vorteil, dass ich die Unterlagen schnell erfassen und bewerten kann“, so Kerle. „Jetzt haben wir zum Beispiel einen Prüfungsbericht mit 80 bis 90 Seiten – um den auszuwerten, können Sie sich tagelang beschäftigen.“ Natürlich sei das Amt des Verwaltungsrats eine zusätzliche Aufgabe und müsse mit zusätzlicher Zeit aufgewendet werden. Es kommt also vor, „dass man zu bester Bürozeit mal als Verwaltungsrat unterwegs ist, aber auch in bester Freizeit als Bürgermeister“. 

Landrat Stefan Löwl muss als Vorsitzender des Verwaltungsrats deutlich mehr Zeit als ein gewöhnliches Mitglied investieren, sagt er: „Etwa drei bis fünf Arbeitstage die Woche, gefühlt 10 bis 15 Prozent meiner Arbeitszeit“. Und was die lukrativen Vergütungen angeht, erklärt Löwl: Für kommunale Wahlbeamte gebe es eine Einkommensgrenze für Nebentätigkeiten. „Gelder, die darüber hinausgehen, gehen an den Sparkassenzweckverband.“ 

Diese Regel gilt nicht für Politikpensionäre. Hansjörg Christmann und Peter Bürgel gehören dem Aufsichtsgremium der Sparkasse weiter an, obwohl sie kein kommunales Wahlamt mehr ausüben. Christmann war in seiner Zeit als Landrat (1977-2014) geborenes Mitglied und Vorsitzender des Verwaltungsrats der Sparkassen. „Ich war 37 Jahre lang dem Sparkassenwesen verbunden, 15 Jahre lang als oberster Sparkassen-Repräsentant und als erster ehrenamtlicher Präsident des Sparkassenverbandes Bayern“, sagt Christmann, der daneben stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Dachauer Grundverkehrsgesellschaft mbh ist, an der die Sparkasse ebenfalls beteiligt ist. „Ich habe die ganzen Entwicklungen der Sparkasse erleben dürfen und wurde gebeten, dass ich mein Wissen, das ja nicht unerheblich ist, zur Verfügung stelle.“ 

Der größte Teil der Sitze wird von politischer Seite besetzt (siehe Kasten). Drei Persönlichkeiten im Verwaltungsrat werden üblicherweise aus dem Bereich der freien Wirtschaft vorgeschlagen – und aus dem „fachkundigen Bereich“, so Christmann. Über diese Schiene wurde er entsandt, außerdem Steuerberater Manfred Berndt sowie der ehemalige Dachauer Oberbürgermeister Peter Bürgel. Die Vergütungen für Verwaltungsräte hält Christmann für angemessen: wegen der vergleichsweise häufigen Sitzungen, der intensiven Vorbereitung und „weil die Aufgabe der Verwaltungsräte auch eine erhebliche Verantwortung und ein Risiko ist“, so der Alt-Landrat. „Wenn sie falsche Kredite genehmigen würden, stehen sie in der Verantwortung.“

 Stefan Löwl hält es für einen Vorteil, dass die Politikpensionäre im Gremium sitzen: „Es ist wichtig, Kontinuität zu wahren.“ Gerade in einer Zeit, wenn ein neuer Landrat und ein neuer OB gewählt werden, sei es gut, „dass man dann noch frühere Mitglieder mitnimmt, weil das Wissen nicht schlecht ist“. Die Sparkasse lebe von Kontinuität.

Nikola Obermeier

Bernhard Hirsch

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