Stadt legt Veto ein

Dachau - Vor wenigen Wochen hat das Landratsamt Dachau angekündigt, eine weitere Asylunterkunft in Dachau-Ost, allerdings auf Hebertshauser Flur, zu errichten. Das war wohl etwas voreilig.

Denn die Stadt Dachau hat ein Veto eingelegt: In nichtöffentlicher Sitzung beschloss der Hauptausschuss der Stadt Dachau, eine Erschließung über Dachauer Flur abzulehnen.

Die Gemeinde Hebertshausen hatte dem Landratsamt den Standort vorgeschlagen. „Der Eigentümer des Grundstücks hat es selbst angeboten“, erklärt Hebertshausens Bürgermeister Richard Reischl. „Und wir als Gemeinderat haben schnell diese Entscheidung getroffen.“ Obwohl in Hebertshausen schon mehr Asylbewerber leben, als nach Quote eigentlich müssten, so Reischl.

Das Grundstück liegt nahe des Gewerbegebiets Dachau-Ost nahe Kräutergarten - unmittelbar dahinter verläuft die Grenze zu Hebertshausen. Die Erschließung der Asylbewerberunterkunft hätte über Dachauer Flur führen müssen, „ungefähr 30 Meter“, sagt Reischl. Eine Erschließung über Hebertshauser Grund sei nicht möglich, da das Grundstück zu weit entfernt liege von der nächstmöglichen Anbindung. „Deswegen hätten wir zwingend die Stadt gebraucht.“

Die Stadträte lehnten die Erschließung allerdings ab, wie OB Florian Hartmann (SPD) bestätigte. Zum einen gebe es einen Grund, über den er öffentlich nicht sprechen dürfe, so der OB. „Außerdem haben wir dort eine Erschließungsproblematik, das Grundstück ist von der Straße her nicht erschlossen, es gibt keinen Kanalanschluss.“ Und die Stadt habe Bedenken wegen der Obdachlosenunterkunft am Kräutergarten in unmittelbarer Nähe.

Da das Grundstück zwar auf Hebertshauser Grund liegt, aber direkt an Dachau angrenzt, hatte die Stadt weitere Bedenken: Wer ist für die Betreuung der Flüchtlinge zuständig, welcher Helferkreis kümmert sich, wer stellt Schul- und Kitaplätze zur Verfügung? Und auf welche Quote werden die Asylbewerber draufgeschlagen? Das habe die Stadt das Landratsamt gefragt, sagte der OB.

„Aber natürlich hätte sich unser Helferkreis gekümmert“, sagt Reischl. Worüber er sich „ein bisschen geärgert hat, ist, dass die Stadt Dachau mit diesen Fragen nicht auf uns zugekommen ist“. Nun findet es der Hebertshauser Bürgermeister einfach schade, dass aus der Unterkunft nichts wird, „denn wir hätten wieder 100 Leute aus einer Traglufthalle rausbekommen und in einem Container untergebracht“. Dennoch meint er, dass er „einige Gründe der Stadt nachvollziehen kann“, sagt Reischl. Zum Beispiel die gleichmäßigere Verteilung.

Doch vielleicht findet sich bald eine noch bessere Lösung: Das Landratsamt ist an mehreren Standorten dran, auch in Dachau-Ost, wie Wolfgang Reichelt, Pressesprecher des Landratsamtes mitteilte. Dieser mögliche in Dachau-Ost soll in massiverer Bauweise entstehen. Ins Detail gehen will Reichelt noch nicht - es stehen noch Beschlüsse aus.

(no)

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