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Nahm kein Blatt vor den Mund: Starkbierredner Franz Neumüller aus Arnzell im Langenpettenbacher Sportheim.

Starkbierfest Langenpettenbach

Beim Derblecken kommt ihm keiner aus

Er wird von Jahr zu Jahr besser: Franz Neumüller ist es bravourös gelungen, Landtagsabgeordnete, Landrat, Bürgermeister, fast alle Gemeinderäte, Faschingskomitee und die „Bembegga“ Honoratioren mit seiner Starkbierrede im brechend vollen Sportheim-Saal kräftig zu derblecken.

Langenpettenbach – Die gesamte Lokalprominenz war gekommen, und alle hofften, in Neumüllers 55-minütiger Rede Erwähnung zu finden. Franz Neumüller aus Arnzell, der stets darauf bedacht ist, die bayerische Mundart nicht zu vernachlässigen und den Dachauer-Hinterland-Dialekt hochleben zu lassen, startete diesmal mit einer Aufgabe aus dem Wahlfach „Boarisch für Anfänger und Profis“.

Er verteilte Zettel an namhafte Starkbiergäste, die innerhalb von zwei Minuten einen altbairischen Text, bei dem es um die „Loas“ ging, ins Hochdeutsche übersetzen durften. Entsprechend den Übersetzungskünsten der Teilnehmer übernahm Neumüller die Bewertung, und da sah es bei Landrat Stefan Löwl, dem CSU-Landtagsabgeordneten Bernhard Seidenath und dem SVL-Vorstand Friedhelm Munstermann gar nicht gut aus: Dieses Trio hatte die Prüfung zwar mit Ach und Krach bestanden, wurde von Neumüller aber lediglich in die Kategorie „Mitbürger“ eingestuft. Hansi Leber, der Indersdorfer Humorist und Theaterschreiber, hat seine Aufgabe dagegen mit „sehr gut“ bestanden und wurde deshalb schon als Vorzeige-Bayer eingestuft. Mit Auszeichnung wurden schließlich die Übersetzungskünste von MdL und Bauernpräsidenten Anton Kreitmair, Bürgermeister Franz Obesser, Braumeister Erwin Höfle und der Glonner Unternehmerin Hedi Kettl gewürdigt.

Schonungslos derbleckte Neumüller die große und kleine Politik. So war von mittelmäßigen Polittalenten, Maskerapromis und Landtagspraktikanten die Rede. Der SVL wurde als Möchtegernsportverein dargestellt und auch die Bembegga Blaskapelle, die nur von Weibern dirigiert wird, bekam ihr Fett ab. „Und selbst beim Bläserfest woaß net amoi da Pfarrer Schießler gwiß, ob a Jungbläser a was Anständiges is.“

Dass MdL Martin Güll und Bezirkstagspräsident Josef Mederer durch Abwesenheit glänzten, fiel dem Starkbierredner schnell auf. Er wusste auch genau, warum Ministerpräsident Seehofer mit dem alten Stoiber zu Putin nach Moskau flog, ohne vom boarischen König Franz-Josef gesteuert zu sein. Landrat Löwl und Bürgermeister Obesser hatte er in Amerika beobachtet, wo Löwl den Amis ein paar Flüchtlinge anpreisen wollte, aber keinerlei Beachtung fand. SVL-Vizepräsident Gerhard Keller wird als Söder gehandelt, der auf die Wahlkampfzeit wartet. Bei MdL Kreitmair hat Neumüller auf die kräftige Leibesfülle angespielt. Kreitmair, das politische Schwergewicht, sei mit zehn Nothelfern in den Landtag gefahren, habe aber die Vorgabe von nicht mehr als 1000 Kilo leider nicht einhalten können. Ganz anders sei die Situation bei Bernhard Seidenath, der mit seiner athletischen Adonisfigur beim Indersdorfer Straßenlauf vom Siegerpokal träumte. Die Indersdorfer seien Seidenath zu Liebe respektvoll langsam hinterhergelaufen, weil Seidenath für den Sieg die große Umgehungsstraße versprochen hat. „Jetzt überlegt die Gmoa, wos schaff ma uns no o, solang da Seidenath no laffa ko.“

Indersdorfs CSU-Chef Charlie Böller sei auf Exerzitien nach Rom gefahren. Er habe erreicht, dass Papst Franziskus bald „Bembo“ besuchen wird, weil der Heilige Vater bekanntlich da hin fährt, wo das Elend am größten ist.

Auch die Bembegga Jäger standen im Visier. Selbst bei Bürgermeister Obesser würden die Wildsäue schon dreimal die Woche in Senkenschlag beim Schlafzimmerfenster reinschauen, „weil unsere Jaga nix treffa“. Treffend daher das gesungene Gstanzl: „Bei am Jaga wirds Zeit, dass er zum Augenarzt geht, wenn auf da ovisierten Wuidsau John Deere drom steht.“ Da setzte Neumüller noch den Trinkspruch drauf „Es trinkt der Mensch – es säuft das Pferd, beim Jäger ist es umgekehrt.“

Klargestellt wurde auch, dass es sich bei einer Firma Mühlbauer nicht unbedingt um ein Indersdorfer Bestattungsunternehmen handeln muss, sondern der derzeit in „Bembo“ tätige Mühlbauer fürs Verlegen der Glasfaserleitungen zuständig ist. Immer wieder kam im Verlauf der Starkbierrede der Bürgermeister ins Spiel, der den neuen Kreisverkehr mit Kunstwerken liebt und es als Autofahrer sogar fertigbringt, einem Geisterfahrer von hinten aufzufahren.

Ein Kreisverkehr dürfe auch bei der Marktplatz-Neugestaltung nicht fehlen, wo auch die Bembegga kräftig mitmischen wollen, denn der gesamte Marktplatz soll nach den Informationen Neumüllers ein Freizeitparadies mit künstlichem Grün werden. Vors Rathaus soll sogar ein Schwimmbad kommen und im Kreisl sei der Kunstrasenplatz für den TSV Indersdorf geplant, während der Bembegga Madlverein sich schon Gedanken über eine Oben-ohne-Bar macht. So soll laut Neumüller der Markt zu neuem Leben erwachen.

Beim Starkbierfest durfte auch das Thema „Glyphosat im Bier“ nicht fehlen, was den Starkbierredner zu der Feststellung veranlasste: „Wenn um zehne no olle leben, wird der süffige Peccator in ganz Bayern zum Verkauf freigebn.“ Natürlich wurde auch das Indersdorfer Faschingskomitee, das am Faschingssonntag zu Fuß gehen musste, kräftig durch den Kakao gezogen. Der Komiteebus hatte seinen Geist aufgegeben und nicht mal das Fremdstarten mit den Hörgerät-Batterien des Kettl Sepp klappte.

Den Film „Star Wars, Episode: Das Erwachen der Macht“, das zur Reihe „Krieg der Sterne“ gehört und in 1000 Jahren in der Himmelsferne spielt, nutzte Neumüller, um in die Zukunft der Marktgemeinde zu blicken. Er ist überzeugt, dass es zu einem Aufbäumen in der Galaxie kommt, und die SPD so stark werden will wie noch nie. „Aber auf der dunklen Seite der Macht, oiso der CSU, herrscht immer noch der Imperator Obesser.“ Das werde auch Helmut Ebert von den Freien Wählern hinnehmen, der als leidgeprüfter Sechziger-Fan vieles ausgehalten hat. Paul Böller von den Grünen wird als „Darth Vader vo da Gmoa“ gesehen. Doch Imperator Franz werde nie ganz alleine dastehen, „da Chewbacca Hans Lachner duat zur Warnung einen Schroa, dass alle moana ja habts mi gern, der wird do net scho wieder grantig wern."

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