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Donnernden Applaus ernteten die Darsteller des Singspiels auch in diesem Jahr.

Starkbierfest der Pipinsrieder Musikanten

Eine Rockmesse der speziellen Art

Viele Monate Arbeit und unzählige Proben investieren die Pipinsrieder Musikanten alljährlich in ihr Bockbierfest. Mit großem Erfolg. Am Samstagabend war der Kapplersaal in Altomünster wieder ratzfatz ausverkauft. Höhepunkt war natürlich auch heuer das Derblecken der Kommunalpolitiker. Doch im nächsten Jahr ist erst mal Pause.

Von Sabine Schäfer

Altomünster – „Das ist besser als der Nockherberg“, war auch diesmal ein ums andere Mal zu hören. Denn was die Pipinsrieder Musikanten boten, war Spitzenklasse. Die altersmäßig bunt gemischte Truppe begeistert nämlich nicht nur regelmäßig mit ihrem Repertoire an bayerisch-böhmischer Blasmusik, sondern vor allem mit ihrem Singspiel, bei dem sich Dirigent Simon Schlatterer sowie die beiden Vorsitzenden Markus Knoll und Klaus Steinhardt als Autoren regelmäßig viele Gedanken machen. „Wir haben hingefiebert auf den Abend“, so Simon Schlatterer.

2018 legen die Musikanten allerdings eine Pause ein. Da feiern sie ihr 40-jähriges Jubiläum und das erfordert sehr viel Vorbereitung, erklärte Vorsitzender Markus Knoll dem Publikum, das sich auch die Bierspezialitäten und die Brotzeiten schmecken ließ.

Rund 70 Minuten dauerte diesmal das Singspiel, das als eine Art Rockmesse mit acht Schauspielern und einer vierköpfigen Band aufgezogen wurde. Natürlich spielt das Stück in der Pfarrkirche (Bühnenbild: Jakob Tischner) und wird eingeleitet von Simon Schlatterer als rockender Mesner mit Hell’s Bells von AC/DC. Überragend an diesem Abend Klaus Steinhardt als ziemlich authentischer Pater Michael, der die Gemeinde einlädt, „Erfahrungen, Sorgen und gerne auch Gerüchte“ mitzuteilen.

Erfahrungen scheint es reichlich zu geben. Ein Gottesdienst-Besucher (Hermann Stegmair) berichtet vom Stromlos-Festival, bei dem es mit der Organisation gehapert habe. Den Ortsteilen sei es schließlich zu verdanken gewesen, dass das Fest doch noch ein Erfolg wurde.

Große Sorgen aber macht einer Besucherin (Susanne Lenz) der Mangel an Bauplätzen. „Vielleicht duat sie ja jetzt was am Sandgrubenfeld“, hofft sie nach der Auflösung des Klosters. Doch einer der beiden Ministranten (Martin Ott) streut ein, dass erste Bauplätze bereits an Honoratioren der Gemeinde vergeben worden seien. „Ja guter Gott, gibt es gar Vetternwirtschaft in unserem beschaulichen Altomünster?“ empört sich Pater Michael.

So wendet sich die Besucherin zur Melodie „Gloana Bauer“ direkt an Bürgermeister Anton Kerle, der mit seiner Frau und vielen Gemeinderäten im höchst amüsierten Publikum sitzt. „I bin bloß a kloana Handwerker, Anton“, singt die junge Frau, die sich vor allem über fehlende Bauplätze in Pipinsried beklagt. „Wenn de nix Neues ausweisen, miasn mia hoid ausreisen.“

Ziel ist unter anderem Hilgertshausen-Tandern. „Do is no Pionierarbeit zu leisten. De Nachbargemeinde is no ned so gesättigt wie Altomünster, stellt Ministrant zwei (Markus Knoll) fest.

Derweil macht dem Mesner ein Traum zu schaffen, ein Albtraum für den Bürgermeister (Thomas Kölbl): der Rückbau der Bahn. Denn die werde immer weniger genutzt. Grund ist unter anderem das allzu moderate Wachstum der Gemeinde – trotz bester Infrastruktur, wie der Mesner sinniert. Die Ministranten können sich aber denken, warum dies so ist: „Keine ausgewiesenen Baugebiete in Altomünster, keine Bauplätze in den Ortsteilen, stagnierende Gewerbesteuereinnahmen usw.“ Ein, wie der Pfarrer meint, „interessantes Modell zur Erhöhung der Fahrgastzahlen“ präsentierte der Mesner ebenfalls. „Wenn jetzad mehr und mehr Autos geknackt oder gstoin werdn, dann misassn de Leit doch wieder Zug fahren.“ Doch im Grunde müsse die Gemeindeführung „unbedingt die Ortsentwicklung von Altomünster und in den Gemeindeteilen mehr in den Fokus nehmen“. Dies spiegelt sich auch in den Fürbitten wieder, in die die Besucher des Starkbierfestes eingebunden werden.

Für Altomünster bittet der Gemeindechef, „dass ich endlich aus dem Schatten von unserm Verwaltungsleiter Richter treten kann und das Steuer in der Gemeinde voll in meiner Hand liegt“. Und natürlich werden auch Fürbitten gesprochen für die Gemeindeteile. So zum Beispiel für Wollomoos: „Schenke ihnen die fehlenden 90 Quadratmeter für den Ausbau der Staatsstraße 2047.“ Oder für die Stumpfenbacher: „Befreie sie vom Schwerlastverkehr und von Schlaglöchern.“ Das Publikum johlte bei der Fürbitte für die Pipinsrieder: „Schenke der Pipinsrieder Feuerwehr einen neuen engagierten und motivierten Kommandanten und bewahre sie vor der Einverleibung in die Altomünsterer Wehr“.

Mit von der Partie ist auch Gabi Gail als Wallfahrerin fast zum Ende des Stücks. Die Ideen schienen den Autoren beim Schreiben gar nicht auszugehen. Und dafür und für die insgesamt tolle Leistung gab es donnernden Applaus.

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