Impfung eines älteren Mannes
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Der Erste in der zweiten Runde: Der Dachauer Horst Oschmann am Sonntag im Impfzentrum. 

Corona im Landkreis Dachau

Startschuss für die zweite Impfrunde

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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In Dachau sind am Sonntag die ersten mit der zweiten Dosis des Corona-Impfstoffs geimpft worden. Probleme gibt es weiterhin, aber auch gute Nachrichten.

Dachau – Horst Oschmann kam am Sonntag gut gelaunt ins Dachauer Impfzentrum. Der 91-Jährige war der erste Dachauer Landkreisbürger, der vor drei Wochen die Coronaschutzimpfung bekommen hatte (wir berichteten). Gestern sollte er, gemeinsam mit 20 anderen Berechtigten, zur zweiten Impfrunde antreten. „Mir geht es sehr gut“, betonte er, „keine Probleme“ habe er nach dem ersten Pieks gehabt. Angesichts der Tatsache, dass er als junger Mann noch miterlebte, wie „alle möglichen Infektionskrankheiten“, und dabei vor allem die Kinderlähmung, Tausende Familien ins Unglück stürzten, sei für ihn immer klar gewesen: „Natürlich lasse ich mich impfen!“

Gertraud und Dieter Hentzschel, 82 und 81 Jahre alt, versicherten ebenfalls, nie gezögert zu haben. Okay, sie seien ein bisschen müde gewesen nach der ersten Impfung am 27. Dezember, aber was sei das schon im Vergleich zum Dauer-Lockdown? „Wir wollen einfach irgendwann wieder raus und Normalität leben“, so das Dachauer Ehepaar.

Auch die Jüngeren sollen sich registrieren!

Eine Registrierung für die Coronaschutzimpfung ist online unter www.impfzentren.bayern möglich. Dort bekommt man eine Bestätigung und später eine E-Mail mit Terminvorschlägen. Vergeben werden Termine nach Priorität. Das heißt, wenn sich ein 25-Jähriger heute registriert, ein 65-Jähriger aber erst in einer Woche, wird Letzterer dennoch vor dem Jüngeren zum Zug kommen. Bürger ohne Internetzugang können sich weiterhin per Telefon unter 116 117 anmelden. Wer Hilfestellung bei der Registrierung braucht und dafür keine jüngeren, online-affinen Verwandten hat, kann sich auch an seinen Hausarzt oder Apotheker wenden. Der Apotheker Maximilian Lernbecher wirbt für eine baldige Registrierung, denn: „Am schlimmsten wäre, wenn wir den Impfstoff im Sommer irgendwann haben und niemand will sich dann mehr impfen lassen.“  zip

Doch auch jüngere Landkreisbürger kamen zum (zweiten Impf-)Zug: die Pflegekraft Susanne Reichl, 55, etwa, oder der leitende Oberarzt der Dachauer Klinik, Alexander von Freyburg, 43. Als Menschen, die in ihrem beruflichen Umfeld mit Covid-Patienten zu tun haben, seien sie beide von Anfang an von der Impfung überzeugt gewesen. Freyburg vergleicht die Nebenwirkung der Corona-Impfung mit der einer Grippeimpfung und hofft, dass sich in den nächsten Monaten möglichst viele Menschen für die Impfung entscheiden: „Sobald wir die Herdenimmunität haben, ist uns allen geholfen!“ Zugleich geht er davon aus, dass sich die Zahl der Impfverweigerer in den kommenden Monaten verringern wird, denn: „Viele waren bislang einfach nicht gut informiert. Meine Erfahrung ist: Wenn man aufklärt, wird die Zahl der Unentschlossenen schnell kleiner.“

Von vornherein gesagt: „Wir machen das!“: Gertraud und Dieter Hentzschel.

Doch bei aller Freude über die geglückte Impfrunde – insgesamt kamen im BRK-Impfzentrum am Rotkreuzplatz 24 Landkreisbürger zum Zug – gibt es aber doch eine große Zahl an Menschen, die zuletzt „unglücklich“ waren, wie Landrat Stefan Löwl zugeben musste. Dass es bei der Terminvergabe vielleicht nicht rund gelaufen sei, dass man viele Senioren mit stundenlangen Telefonwarteschleifen oder komplizierten Online-Anmeldungen eventuell überfordert habe, wollte Löwl aber nicht einräumen. Die Situation sei doch für alle neu, „wir lernen auch dazu“, verteidigte er sich. Und überhaupt, was sei denn die Alternative gewesen? „Dass wir bis Anfang Februar gar keine Termine vergeben?“ Das sei nicht der Ansatz, den er wolle, denn „jetzt sind immerhin schon 1500 Menschen geimpft und glücklich“!

Nebenwirkungen? Keine! Dr. Alexander von Freyburg nach seiner Corona-Impfung.

BRK-Kreischef Paul Polyfka bat ebenfalls um Geduld. In den vergangenen drei Tagen seien über 6000 Anrufe im BRK-Impfzentrum eingegangen, „wir schaffen unmöglich, das abzuarbeiten“. Angesichts der Tatsache, dass die wenigen bislang vorhandenen Impftermine aber jeweils schon binnen Minuten vergeben gewesen seien, kann er die Verzweiflung mancher Senioren fast schon verstehen: „Die standen zum Teil bei uns vor der Tür und haben gefragt, ob wir ihnen helfen können, weil sie keine eigene E-Mail-Adresse für die Online-Registrierung haben und am Telefon nicht durchkamen.“

Während Landtagsabgeordneter Bernhard Seidenath die Impfung als „größte Wohltat, die wir je hatten“, bezeichnete, hapert es weiter mit der Impfstoffversorgung. Nächste Woche können daher keine neuen Termine vergeben werden. Ab Mitte Februar aber, so Landrat Löwl, soll es dann wirklich richtig losgehen – mit 1000 Impfungen pro Woche.

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