Unter Beobachtung: Edmund Stoiber trägt ich ins Goldene Buch ein; Bernhard Seidenath, Peter Felbermeier, Hansjörg Christmann, Bezirkstagspräsident Josef Mederer und 2. Bürgermeisterin Claudia Kops schauen genau hin. Foto: haaf

Stoiber auf Europatrip

Haimhausen - Ein europäisch argumentierender Ex-Ministerpräsident machte Haimhausen die Aufwartung. Dr. Edmund Stoiber, seit sieben Jahren in Brüssel, hat nichts von seiner Leidenschaft verloren.

Der Ortsverband Haimhausen hatte mit dem 71-jährigen Ehrenvorsitzenden der CSU den bisher prominentesten Festredner zum Neujahrsempfang im Auditorium der Bavarian International School. In einer flammenden Rede sprach der ehemalige bayerische Ministerpräsident über die politische und wirtschaftliche Situation Deutschlands innerhalb Europas und die Stabilisierung des Euro.

Der Grandseigneur der CSU präsentierte sich selbstbewusst und viel lockerer als zu seiner Zeit als Ministerpräsident. Seine mitunter deftigen Sprüche untermauerten seine Leidenschaft für die politische Entwicklung Deutschlands und Bayerns. Stoiber verteidigte die Europapolitik der Kanzlerin. Die Opposition agitiere gegen die Stabilisierung des Euro, obwohl im Bundestagswahlkampf Beschlüsse gemeinsam gefasst worden seien. Jetzt wären sie plötzlich allein Sache der Kanzlerin.

Edmund Stoiber räumte frühere große Meinungsverschiedenheiten mit Angela Merkel ein, ist jedoch bezüglich der Erhaltung des Euro einer Meinung mit der Kanzlerin: „Das Scheitern des Euro würde zum wirtschaftlichen und politischen Crash Europas führen“.

Unser Wohlstand basiere auf einem ausgeglichenen Haushalt. Griechenland, Italien, Spanien und Portugal könnten ihre Kaufkraft jedoch nur mit seiner stabilen Währung erhalten. Der ehemalige Ministerpräsident ging mit den vier europäischen Staaten hart ins Gericht: „ Mit gefälschten Buchhaltungen wurden wir jahrelang von diesen Ländern beschissen.“ Das soziale System wäre in Südeuropa aufgrund fehlender Steuerzahlungen allein auf Pump finanziert worden.

Dass sich Frankreich gegen die Politik Merkels sperre, stößt bei Stoiber auf absolutes Unverständnis: „In Frankreich und den südeuropäischen Ländern ist das Rentenalter noch immer bei 62 Jahren, während der deutsche Bundesbürger erst mit 67 in Ruhestand gehen darf. Diese Länder investierten in der Vergangenheit kaum in wirtschaftliche Entwicklungen.“ Die Staatshäupter lebten in Saus und Braus, ohne Verantwortung für den ihnen anvertrauten Staat und dessen Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt.

Diese Verantwortung sei auch in Deutschland eine Bürde für die Politiker, da sie meist mit unpopulären Entscheidungen einhergehe. Die Wahlperioden seien relativ kurz im Vergleich zur Nachhaltigkeit von Entscheidungen. Da der Bürger zunächst auf sein eigenes Wohlergehen schaue, stehen die Gegenwartsinteressen einem Unverständnis für politische Entscheidungen zugunsten der Zukunft gegenüber.

Am Ende seiner leidenschaftlichen Rede mahnte Stoiber zu mehr Optimismus, vor allem in Bayern: „In einer kürzlichen Umfrage gaben 98 Prozent der Befragten an, sehr gerne in Bayern zu leben. Wir haben uns von einem Kreditnehmer zu einem Kreditgeberland entwickelt und der durchschnittliche Lebensstandart ist nirgends in Europa so hoch wie in Bayern.“

Der Applaus wollte nach der eineinhalbstündigen freien Rede kaum enden. Sehr zur Freude der Gäste nahm sich Edmund Stoiber nochmals die gleiche Zeit für persönliche Gespräche und Diskussionen - und einen Eintrag ins Goldene Buch der Gemeinde Haimhausen. (sh)

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