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Wünscht sich mehr Sachlichkeit im Gemeinderat: Markus Hertlein.

Bürgermeister Dr. Markus Hertlein spricht über die Streitereien im Gemeinderat Hilgertshausen-Tandern:

„Keine persönlichen Angriffe mehr!“

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In Hilgertshausen-Tandern kam es in den vergangenen zwei Jahren immer wieder zu Streit und hitzigen Diskussionen im Gemeinderat. Gerade bei den Themen Jugendarbeit und neues Schulhaus hieß es vereinfacht: Hilgertshausen gegen Tandern und umgekehrt. Auch persönliche Angriffe blieben nicht aus – bis deshalb jetzt sogar die Jugendreferentin zurücktrat. Im Interview ordnet Bürgermeister Markus Hertlein diese Streitereien nun ein und erklärt, auf was es jetzt ankommt.

Herr Herlein, erschreckt es Sie, dass Ihre Gemeinde so gespalten und vor allem das Verhältnis der Gemeinderäte so belastet ist?

Nicht erfreut haben mich in der Tat die jüngsten Ereignisse im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit. Von den Vorkommnissen an sich, der Behandlung im Gemeinderat, bis zur resultierenden Berichterstattung und dem Rücktritt unserer Jugendreferentin war dies ganz und gar nicht das, was ich mir zu diesem Thema erwünscht hatte. Am meisten bedauere ich die zu befürchtenden, längerfristigen Folgen für die Jugendarbeit und das Zusammenwirken der Jugendlichen und die personelle Lücke durch den Rücktritt unserer Jugendreferentin. Dennoch würde ich zum Verhältnis der Gemeinderäte nicht generell sagen, dass dieses gespalten ist. Dies soll aber nicht heißen, dass es nicht unterschiedliche persönliche Befindlichkeiten unter den Gemeinderäten gibt. Beim Eiswassergrillen am Wochenende haben jedenfalls alle verfügbaren Gemeinderäte an einem Strang gezogen, um die Challenge zu erfüllen und ihr Sitzungsgeld für den Sozialfonds der Gemeinde gespendet.

Wie beurteilen Sie das Verhalten Ihrer Gemeinderatskollegen?

In Ordnung finde ich einen sachlichen Dialog und gerne auch eine kontroverse Diskussion im Gemeinderat, stellt dies doch den Wesenszug einer funktionierenden Demokratie dar. Nicht in Ordnung finde ich persönliche Angriffe auf Gemeinderäte und Funktionsträger. In Zukunft werde ich noch mehr darauf achten, dass inhaltliche Diskussionen ohne persönliche Angriffe stattfinden, mit dem Ziel, die Sachthemen voranzubringen.

Wieso heißt es plötzlich wieder Hilgertshausen gegen Tandern und umgekehrt, anstatt gemeinsam einen Weg zu gehen?

Diese Aussage will ich so nicht stehen lassen. Zugegebenermaßen mag es nach außen hin bei einzelnen Themen den Anschein erwecken, dass dies der Fall ist. Auch die Berichterstattungen in der jüngsten Zeit, die ich nicht immer sehr förderlich fand, könnten dies vermuten lassen. Dabei gilt es aber zu bedenken, dass es sich dabei um einzelne Themen mit mitunter Einzelnen/wenigen Beteiligten gehandelt hat. Generell sehe ich dies meiner Meinung nach aber nicht so. Ich führe sehr viele Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern beider Hauptorte und darüber hinaus. Meiner Einschätzung nach ist die deutliche Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger der klaren Überzeugung, dass die beiden Gemeindeteile eine Einheit bilden und das gemeinsame Voranschreiten gegenüber der Verfolgung der Einzelinteressen den deutlichen Mehrwert bietet.

-Was können Sie als Bürgermeister tun, um die Gemüter zu beruhigen und die Stimmung zu verbessern?

Möglichkeiten sehe ich in dem verstärkten Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern in allen Ortsteilen. Ganz wichtig sind mir auch verbindende Aktionen in gemeindlichen, vereinlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten.

Ist es nicht falsches Anspruchsdenken von einigen, zu fordern, dass es alles, was es in dem einen Ort gibt, auch in dem anderen geben muss?

Das wird zweifelsohne so auch nicht immer gehen und sinnvoll sein. Ich denke, dass dies auch von vielen im Gemeinderat so gesehen wird. Bei manchen Themen wird es wahrscheinlich weiter so sein, dass mitunter unterschiedliche Fraktionen für die eigene Idee kämpfen und über Themen und Argumente zu diskutieren ist. Mit dem Ergebnis, dass durch den Austausch der Sachargumente die Entscheidung eindeutiger wird, oder – und auch das ist nicht der Untergang, sondern das Wesen der Demokratie-, dass es auch mal knappe Mehrheitsentscheidungen geben kann.

Was wurde seit der Gebietsreform verpasst? In anderen Gemeinden funktioniert die Zusammenlegung doch auch. Oder woher kommt es, dass sich die Orte als Konkurrenten sehen?

Ich kann nicht sagen, ob und wenn ja, was seit der Gebietsreform verpasst wurde. Mit Blick auf meine Heimatgemeinde im Nördlinger Ries mit einem Hauptort und mehreren kleineren Ortsteilen würde ich das so beurteilen, dass örtliche Verbundenheit in den Ortsteilen zusammen mit der klaren Bekenntnis der Zugehörigkeit zu einer Gemeinde als nächst größere Einheit nichts untypisches sind und sich auch nicht gegenseitig ausschließen, sondern parallel existieren können. Von daher ist es mir ein besonderes Anliegen, darauf zu achten, dass ich und wir die beiden Hauptorte möglichst fair behandeln. Dies bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass jeder alles haben muss. Wie in einer Familie mit mehreren Kindern können und müssen nicht alle jeweils das Gleiche haben, die Eltern sollten aber darauf achten, dass die Kinder möglichst gerecht behandelt werden.

Was muss sich jetzt ändern?

Wenn wir es schaffen, unsere politischen Entscheidungen persönlich fair und sachlich zu diskutieren und zu treffen, diese dann gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern erklären und vertreten, dann haben wir schon ein wichtiges Ziel erreicht.

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