Streit über Gewerbegebiet im Bündnis für Karlsfeld: Robert Isztl gibt Vorsitz ab

Karlsfeld - Robert Isztl ist als Vorsitzender des Bündnis’ für Karlsfeld zurückgetreten. Er will das kategorische Nein der Wählergruppe zum Gewerbegebiet an der Schleißheimer Straße nicht mittragen. Der interne „Kampf zwischen Realisten und Idealisten“, wie Isztl es formuliert, ist damit offenbar entschieden.

Nach dem deutlichen Abstimmungsergebnis habe er ein paar Tage mit sich gerungen, sagte Robert Isztl. Dann stand sein Entschluss fest: Er gibt seinen Vorstandsposten beim Bündnis für Karlsfeld ab. Isztl war einer von zwei gleichberechtigten Vorsitzenden. Bis auf weiteres führt Marco Brandstetter das Bündnis demnach allein.

Auslöser für Isztls Entschluss war das klare Votum der Bündnis-Mitglieder am vergangenen Freitag: Mit 18:3 Stimmen beschloss die Mitgliederversammlung, ein mögliches Bürgerbegehren gegen das von der Gemeinde geplante Gewerbegebiet an der Schleißheimer Straße zu unterstützen (wir berichteten). Neben Isztl stimmten Gemeinderätin Birgit Piroué und Bärbel Lehmann, Beisitzerin im Vorstand, dagegen.

Isztl, Lehmann und Piroué vertreten die Auffassung, dass das vom gesamten Gemeinderat begrüßte Landschaftsschutzgebiet als Kompromiss im Streit ums Gewerbegebiet zu verstehen sei. Piroué: „Dieses Angebot zur Ausweisung eines großflächigen Landschaftsschutzgebietes im Gegenzug zur Verwirklichung des Gewerbegebietes sollte man nicht zurückweisen. Es dient letztlich auch dazu, das Gewerbegebiet in seinen Ausmaßen dauerhaft zu begrenzen.“

Doch die große Mehrheit der Bündnis-Mitglieder ist anderer Meinung. „Diesen Weg kann ich aber nicht mittragen“, sagte Isztl gestern, „als Vorsitzender kann ich nicht Interessen vertreten, die ich nicht teile.“

Isztl hatte ein großes Ziel, als er vor etwa zwei Jahren den Vorsitz mit übernahm: „Ich wollte den Dialog mit den anderen Parteien und das Bündnis aus seiner Nein-Sager-Ecke holen.“ Das klare Votum von 18:3 habe ihm jedoch deutlich gemacht, dass er keinen ausreichenden Rückhalt in der Gruppe mehr habe.

Im Bündnis gebe es schon lange einen „Kampf zwischen Idealisten und Realisten“, so Isztl. „Und die Idealisten sind klar in der Mehrheit, die rücken von ihrem Standpunkt keinen Millimeter ab.“

Gemeinderätin Birgit Piroué erklärte gestern in einer Pressemitteilung, dass sie im Grunde gegen das neue Gewerbegebiet an der Schleißheimerstraße sei, „da es meines Erachtens Karlsfeld nicht den gewünschten Geldsegen bringt“. Ein Landschaftsschutzgebiet zwischen Karlsfeld und Dachau sei jedoch die große Chance, große Teile des Grünzug zu schützen. „Ich stehe für Realpolitik und bin der Meinung, dass man die Chance für diesen Konsens nutzen soll.“

Gestern abend hat sich der Gemeinderat noch einmal mit dem gewünschten Landschaftsschutzgebiet befasst. Die Bauverwaltung hat einen möglichen Umgriff vorgestellt. Zudem lag den Gemeinderäten eine Empfehlung des Bund Naturschutz vor, welche Flächen das Landschaftsschutzgebiet umfassen sollte (Bericht folgt).

Ob ein Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen wird oder nicht, ist allerdings nicht Entscheidung des Gemeinderats, sondern des Landkreises. Birgit Piruoé ist zuversichtlich: „Natürlich hängt dies vom Votum der Kreisräte ab, in die ich meine Hoffnung setze.“ (tol)

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