Der Streit ums Anrufsammeltaxi

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Dachau - Dicke Luft unter Dachauer Taxifahrern. Das Anrufsammeltaxi wurde umorganisiert um Probleme zu lösen. Doch jetzt fühlen sich einige Taxler übergangen.

Die Stimmung unter den Dachauer Taxifahrern ist gereizt. Denn seit Mitte Dezember übernimmt statt der Taxivereinigung Dachau das Taxi Team Dachau GbR die Fahrten des Anrufsammeltaxis (AST).

Die Idee dahinter ist simpel: Wer bei einer Zentrale anruft, bekommt er ein Taxi vermittelt, das ihn von einer AST-Haltestelle aus zu seinem Wunschziel fährt.

Früher hatten die Stadtwerke Dachau einen Vertrag mit der Taxivereinigung Dachau, zu der sich 29 Dachauer Taxler zusammengeschlossen haben. Mitarbeiter der Stadtwerke wickelten die AST-Anfragen ab und leiteten die Aufträge an die Taxis weiter. 24 Stunden täglich sollten Taxifahrten vermittelt werden.

Das gelang nicht immer. Besonders nachts war die Situation schwierig, weil das Angebot selten genutzt wurde. „Die Fahrer wollen sich dann auch nicht für fünf Euro die Nacht um die Ohren schlagen“, sagt Alexandros Brachos, der Vorsitzende der Taxivereinigung. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember fährt deshalb ab 0.40 Uhr kein AST mehr.

Einige Taxifahrer sollen jedoch generell versucht haben, sich vor den AST-Fahrten zu drücken. Das sorgte für Konflikte. Anfang 2014 trat der damalige Vorsitzende der Taxivereinigung Helmut Fricke-Radvanyi zurück. „Beschlüsse der Mitgliederversammlung wurden nicht befolgt. Der Beschluss, dass alle Mitglieder AST-Aufträge machen, wurde nicht umgesetzt“, erklärt er. Den Vorstandsposten übernahm Alexandros Brachos.

Fricke-Radvanyi erarbeitete derweil ein eigenes Konzept für das AST in Dachau. Er gründete das Taxi Team Dachau GbR, das mittlerweile aus drei Gesellschaftern und drei Mitgliedern besteht. Kurz vor dem Fahrplanwechsel im Dezember hat das Taxi Team von den Stadtwerken den Zuschlag erhalten, künftig die AST-Fahrten organisieren zu dürfen. Jetzt gibt es einen Schichtplan. Pro Schicht ist ein Fahrer dafür verantwortlich, dass das AST zuverlässig bedient wird. „Ich bin der Meinung, dass wir mit sechs Leuten, die alle wirklich AST fahren wollen, gut zurecht kommen“, sagt Fricke-Radvanyi.

Sein Kollege Brachos bezweifelt das: „Das AST hat mit 35 Autos nicht zu 100 Prozent geklappt. Dass es dann mit sechs Autos funktioniert, glaube ich nicht.“ Er betont, dass in der Vergangenheit nicht alles schlecht gewesen sei: „Im Großen und Ganzen ist es schon gegangen.“ Brachos fühlt sich von Fricke-Radvanyi hintergangen: „Man hat die Taxivereinigung erst ins Boot geholt, als alles schon geplant war“, sagt er. Dem widerspricht Fricke-Radvanyi: „Es war alles offen und klar. Ich habe regelmäßig den Mitgliedern der Taxivereinigung Bericht erstattet.“

Im November hat die Taxivereinigung Dachau den Stadtwerken ein eigenes Konzept für das AST vorgelegt, das aber nicht angenommen wurde. „Ich habe 21 Fahrer gefunden, die hundertprozentig hinter dem AST stehen“, sagt Brachos. Seine Idee war es gewesen, dass die AST-Anfragen auf die Telefone einiger Fahrer umgeleitet werden, die dann die Aufträge vermitteln.

Beim Konzept des Taxi Teams dagegen ist das Münchner Unternehmen Isarfunk die Vermittlungszentrale. Die Stadtwerke begrüßen das: Für den Bereitschaftsdienst ihrer Mitarbeiter war es in stressigen Situationen schwierig, neben den anderen Aufgaben noch Taxis zu vermitteln: „Da ist es auch mal passiert, dass von unserer Seite niemand erreichbar war“, sagt der technische Werksleiter Gerald Nübel. „Uns war es wichtig, in Zukunft eine vernünftige Zentrale zu haben, die die Anrufe besser bedienen kann.“

Die Taxivereinigung Dachau kritisiert dagegen die Kooperation mit Isarfunk: „Ich persönlich bin der Meinung, dass Isarfunk versucht, hier etwas aufzubauen. Ob es gelingt, weiß ich nicht“, befürchtet Alexandros Brachos. Isarfunk selbst widerspricht dem: „Unsere Mitarbeiter nehmen nur die Anrufe an, die Aufräge werden vollautomatisch an die Taxis weiter geleitet“, sagt Christian Hess, Geschäftsführer der Isarfunk-Taxizentrale. Auch Fricke-Radvanyi kann die Ängste nicht verstehen: „Isarfunk ist hauptsächlich am Mittleren Ring aktiv. Dass ihre Taxifahrer mehr Aufträge in Dachau fahren, ist ein Schmarrn.“

Das neue Konzept jedenfalls muss sich jetzt erst einmal bewähren: Der Vertrag mit dem Taxi Team Dachau GbR ist auf ein Jahr beschränkt.

Claudia Schuri

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