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Voller Hingabe und Emotion ist die Darbietung von Klemens Lendl (l.) und David Müller.

Die Strottern im Gramsci

Wiener voller Wahnsinn – und Liebe

Dachau- Wie ist er denn so, der Wiener an sich? Er verfällt dem Wahnsinn ein bisserl schneller. Diese These jedenfalls haben die Strottern im Café Gramsi vertreten – und die Zuhörer begeistert.

Wer sich auf einen Wienerischen Abend voller Schmäh im Café Gramsci eingestellt hatte, hat am Mittwoch eine Überraschung erlebt: Es wurde noch viel internationaler als nur deutsch-österreichisch. Klemens Lendl und David Müller, die Wiener Musiker, dürften quasi von sich selbst überrascht gewesen sein: Sie moderierten fast den ganzen Abend auf Englisch. Recht spontan – nachdem auch Christina Martin und ihr Mann Dale Murray vorbeischauten.

„Die Strottern“ sind alte Bekannte in Dachau. Klemens Lendl, Gesang und Violine, und David Müller, Gesang und Gitarre, haben ihre Anhänger – und die drängten sich im Café Gramsci. Christina Martin wusste allerdings nicht, was sie erwartet. Die kanadische Sängerin und ihr Mann, die bereits zweimal in der Ruckteschell-Villa als Stipendiaten lebten, sind derzeit zu Besuch in Dachau.

Typische Wiener, wie sind die eigentlich? Die Lieder der Strottern erklären’s: Ins Wirtshaus geht der Wiener sozusagen zum Denken. In der Liebe verwandelt er sich „vom Lump zum Herrn in einer Nacht“ – und wird er von seinem Maderl verlassen, genauso schnell retour. Er fährt aus der Haut, wenn der „Respekt der Kinder defekt“ ist: „Des san’ die Nerven, die das süße Leben verschärfen. Und brauchst was von ihnen, dann san’s blank.“ An dieser Stelle wurde den Zuschauern bewusst, dass der Wiener vielleicht dem Wahnsinn ein bisserl schneller verfällt: Klemens Lendl malträtierte seine Geige, David Müller trommelte auf seine Gitarre ein. In kunstvollem Duettgesang erklärten sie: „Ois ist vadraht“, bis sie wieder auf der Bühne torkelten, die Instrumente quälten und feststellten: „Olles is oasch!“

Christina Martin mag viele der Texte nicht verstanden haben, doch die gewitzte Moderation brachte sie immer wieder herzlich zum Lachen. „Sie sind gut und sehr lustig“, meinte sie nach dem Abend. Einen kleinen Trost spendete Lendl: „Not only you are not understanding what we are saying “ (Nicht nur Sie verstehen nicht, was wir sagen) – ihnen selbst geht’s bisweilen auch so.

Und am Schluss gab es noch eine Überraschung: ein echtes Liebeslied „I hob Di goa so gern“, das einzige aus all den vermeintlichen alten Wiener Liebesliedern, bei dem am Ende keiner stirbt, vor Kummer dem Alkohol verfällt, den anderen verlässt. Und vielleicht war’s vor lauter Rührung, jedenfalls ließ sich Klemens Lendl im Gramsci zu einer weiteren Liebeserklärung hinreißen: „Es ist immer schön bei euch.“

Nikola Obermeier

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