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Studentin kämpft gegen Pflege-Missstand: Sie will 168 Millionen Euro für Azubis sammeln

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Von: Dirk Walter

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Pflegekräfte werden händeringend gesucht. © Tom Weller/dpa

Nur Bares ist Wahres: Ann-Kathrin Will aus Erdweg (Kreis Dachau) ist angehende Ärztin und über den Pflegenotstand besorgt. Mit einem Team sammelt sie Geld, um Azubis mit Stipendien zu unterstützen.

Dachau – Wir erinnern uns. Als die Corona-Pandemie im ersten Jahr so richtig alarmierte, waren die Pflegekräfte die Helden der Welt. Bilder zeigten Bürger im Lockdown, die von ihren Balkonen aus applaudierten. Jetzt wird sich etwas ändern beim Pflegenotstand, dachte auch Ann-Kathrin Will. Die 24-Jährige studiert Medizin in Regensburg. Sie will Hausärztin werden, am liebsten auf dem Land, ist jetzt im 7. Semester und hat im Rahmen ihrer Ausbildung am Uni-Klinikum erfahren, dass der Klinikalltag ohne Pflegekräfte nicht funktioniert.

Sie werden dringend gesucht, die Arbeitsbelastung ist hoch, die Bezahlung weniger. Daran hat sich trotz Corona wenig geändert. Es war, so sagt die Medizin-Studentin, „ein „leeres Klatschen“. Nach wie vor vertraue die Gesellschaft darauf, dass die Pflegekräfte es schon „irgendwie abpuffern“ werden.

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Ann-Kathrin Will aus Erdweg.
Ann-Kathrin Will aus Erdweg. © privat

Studentin kämpft gegen Pflege-Missstand: Sie will 168 Millionen Euro für Azubis sammeln

Mit ihrem ehemaligen Schulfreund Sebastian Böhm hat sie www.clappingforfuture.de gegründet – eine Art Crowdfunding-Plattform für Pflege-Azubis. Der Pflegenachwuchs muss heutzutage die dreijährige generalisierte Pflegeausbildung durchlaufen, um Pflegefachfrau/-mann zu werden. Ein Azubi verdient heute knapp 1200 Euro brutto im ersten Jahr, das Gehalt steigert sich auf 1353 Euro im dritten Jahr. Das ist für Auszubildende relativ viel, doch für ein selbstständiges Leben ohne Unterstützung durch die Eltern natürlich zu wenig. Mit den Stipendien wollen sie „Anreize schaffen“, damit sich mehr junge Leute für die Pflegeausbildung entscheiden, sagt Ann-Kathrin Will. So die Idee. Ihrer Bekannter Sebastian Böhm schritt auch gleich zur Tat, er studiert Jura und meldete eine „Clapping for future gemeinnützige UG“ an. Damit ist sichergestellt, dass die Spenden abzugsfähig sind. Wer über die Homepage spendet, erhält via E-Mail eine Spendenquittung.

Jetzt fehlen nur noch Unterstützer, denn bisher hat die taufrische Initiative erst 456 Euro gesammelt. Bleibt es bei der geringen Summe, wollen sie das Geld an „Ärzte ohne Grenzen“ spenden. „Aber wir haben es durchkalkuliert“, sagt Will. Um jeden der geschätzt 140.000 Azubis bundesweit mit 100 Euro je Monat zu unterstützen, wären 168 Millionen Euro notwendig. Klingt einerseits viel. Andererseits wären es nur 2,10 Euro, wenn wirklich jeder in Deutschland spendet. „Das ist doch nur ein halber Cappuccino“, sagt sie.

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