Süße Rache bleibt nicht folgenlos

Dachau - Zwei junge Damen fühlen sich von 31-Jährigen schlecht behandelt und zerkratzen seinen Mercedes. Ein Fall fürs Gericht.

Robert M. (alle Namen geändert) staunte nicht schlecht, als er eines Morgens im Februar vor der Haustür seinen Mercedes CLK rundherum zerkratzt vorfand. Die neue Lackierung kostet den selbstständig tätigen Dachauer 3800 Euro. Verantwortlich für die Tat waren zwei Freundinnen des 31-Jährigen, wie sich jetzt vor dem Amtsgericht Dachau herausstellte.

In nicht ganz nüchternem Zustand hatte sich Robert M. gegenüber der Angeklagten Marina K. (27) äußerst herablassend über deren Freundin, die ebenfalls angeklagte Sonja B. (21), ausgelassen. Marina K. erzählte ihrer Freundin davon, und als sich Robert M. schließlich auch noch mit Marina K. zerstritten hatte, sannen die beiden jungen Damen auf Rache.

Sie fuhren zur Wohnung des in Ungnade gefallenen Bekannten und die Jüngere der beiden nahm sich dessen Gefährt vor. Der Mercedesfahrer verdächtigte aufgrund des vorangegangenen Streits sofort Marina K., und als er sie zur Rede stellte, räumte sie die Tat auch sofort ein. Der 31-Jährige bot sogar an, auf eine Anzeige zu verzichten, wenn der Schaden beglichen würde. Weil Sonja B. den Betrag aber nicht aufbringen konnte, landete der Fall bei Amtsrichter Daniel Dorner.

Marina K. war größtenteils geständig, beteuerte aber, dass sie lediglich dabeigestanden habe und die Tat auf keinen Fall ihre Idee gewesen sei. Ihr Verteidiger plädierte auf Freispruch. Dem folgte Dorner nicht: Er verurteile die 27-jährige Friseurin wegen Beihilfe zu einer Geldstrafe von 2250 Euro.

Für Sonja B. kommt es wesentlich dicker. Sie wollte sich zuerst nicht äußern, legte gegen Ende der Verhandlung aber doch ein Geständnis ab. Das half aber nur wenig, denn die 21-Jährige ist bereits mehrfach vorbestraft. Das letzte Urteil wurde erst zwei Wochen vor der jetzt verhandelten Tat verhängt. Die gelernte Zahnarzthelferin hatte damals Zahngold im Wert von knapp 1700 Euro aus ihrer Praxis mitgehen lassen und in München an einen Händler verkauft. Die Folge des Verfahrens war eine hohe Geldstrafe, die Raten stottert sie noch immer ab.

Deshalb blieb Amtsrichter Dorner keine Wahl. Er verurteilte Sonja B. wegen Sachbeschädigung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zusätzlich muss die 21-Jährige 2000 Euro in kleinen Raten abzahlen, „damit man Monat für Monat auf dem Kontoauszug erinnert wird, für was man eigentlich bezahlt“, so der Richter. Zum Schluss appellierte er noch einmal an die Verurteilte: „Ihnen sollte bewusst sein, dass jetzt nicht mehr fünf vor zwölf, sondern eine Minute vor zwölf ist.“ Beim nächsten Fehltritt wandert die junge Dame hinter Gitter. (dg)

Auch interessant

Kommentare