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Die neue Kläranlage in Sulzemoos sorgt für Ärger.

Informationsabend für Bürger

Kläranlage Sulzemoos: Bürgermeister stinksauer

Sulzemoos - Viele Sulzemooser Bürger quälen seit Monaten folgende Fragen: Hätten wir unsere neue Kläranlage nicht viel billiger haben können? Ging beim Verfahren alles mit rechten Dingen zu? Bei einem Informationsabend wollten sie Antworten. Die bekamen sie dann auch. Unter anderem von ihrem erzürnten Bürgermeister.

In der Gemeindeverwaltung von Sulzemoos waren im Sommer 2015 alle am Kläranlagenneubau beteiligten Personen rundum zufrieden. Kein Wunder, die Gemeinde hatte den Auftrag für die neue Kläranlage mit 6000 Einwohnergleichwerten an die Firma KFB mit Niederlassung in Indersdorf vergeben - und ihrer Ansicht nach dabei gut ge- und verhandelt. 3,85 Millionen Euro brutto sollte alles kosten. Die Gemeinde hatte dazu ein Kommunalunternehmen gegründet, das die Angebote einholte. Die so genannten Lose (Bau-, Elektro-, Spenglerarbeiten etc.) gingen an Firmen aus der Region. Wenn mal was kaputt gehe, seien diese Firmen schnell zur Hand, hieß es aus der Verwaltung.

Doch dann grätschte plötzlich die Südwasser GmbH dazwischen. In der Gemeinderatssitzung vom März 2016 lag den verblüfften Räten plötzlich ein so genanntes Sonderangebot der Erlanger E.ON-Tochter auf dem Tisch. Für nur 2,36 Millionen Euro pauschal könne sie der Gemeinde eine vergleichbare Kläranlage hinstellen, behauptete Südwasser.

Die GmbH hatte sich zuvor schon um einen Zuschlag bemüht, doch die verlangten 7 Millionen Euro waren dem Kommunalunternehmen damals zu viel gewesen. Die Südwasser GmbH ließ aber nicht locker und griff zu ihrem Kniff mit dem Sonderangebot. Ein solches Angebot weicht inhaltlich von der vom Auftraggeber in dessen Leistungsbeschreibung vorgesehenen Leistungsausführung ab, ist aber nachträglich zulässig. Als diese Nachricht bei den Bürgern ankam, setzte das große Grummeln ein: Hätten wir unsere neue Kläranlage nicht viel billiger haben können? Ging beim Verfahren alles mit rechten Dingen zu? Zum Wortführer der Grummelnden schwang sich Michael von Zwehl auf. Unter der Ägide des Sulzemooser Schlossbesitzers gründete sich die Bürgerinitiative „IG Kläranlage Sulzemoos“. Und die wiederum bat am Dienstagabend vor allem Bürgermeister Gerhard Hainzinger um Aufklärung.

Die gut 60 Bürger erlebten im Gut Sulzemoos einen gut vorbereiteten Gemeindechef, der einem Vulkan glich: Er brach aus. Das Vorgehen von Südwasser sei „teilweise unverschämt“ gewesen, meinte Hainzinger in Richtung des Sprechers der GmbH, Arne Nath. Und: „Ich überlege, ob ich Anzeige erstatte, für das, was Sie verbreitet haben.“

Das Sonderangebot, so Hainzinger weiter, erfülle die Vorgaben nicht und sei nicht genehmigungsfähig, wie er vom Wasserwirtschaftsamt München erfahren habe. Zudem müsste das Kommunalunternehmen erneut in die Ausschreibung, was einen immensen Zeitverlust nach sich zöge. Der Gemeinderat Sulzemoos war im März bereits dieser Argumentation gefolgt und hatte das Südwasser-Angebot mit 15:0 Stimmen vom Tisch gefegt. Der Spatenstich für die neue Kläranlage war im Mai 2016 erfolgt.

Wie meinte einer der Zuhörer während des Infotreffens: „Wir reden hier über einen toten Hund. Die Kläranlage wird gebaut. Wir können nichts mehr ändern.“ Diese Aussage fand die Zustimmung der meisten Bürger. Sogar ein Mops zu Füßen seines Frauchens bellte zwischendurch. Ob aus Sympathie mit den Bürgern oder weil ihn der Applaus erschreckt hatte, war nicht festzustellen.

Thomas Zimmerly

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