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Trommelbauer aus Sulzemoos: Christian Hedwitschak bringt den Rahmen der Trommel an. Rund 6000 davon hat er zeitlebens bereits gefertigt. 

Zum Tag des Handwerks

Weltstars wollen seine Trommeln

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Christian Hedwitschak beliefert Weltstars mit seinen irischen Trommel, zum Beispiel den britischen Popsänger Ed Sheeran und die Kelly Family. Ein Besuch in der Trommelwerkstatt.

Zu seinen Kunden gehören Weltstars wie Angelo Kelly von der Kelly Family und der britische Popstar Ed Sheeran: Christian Hedwitschak hält sein Smartphone in den Händen und sucht auf einem Videoportal das Lied „Galway Girl“ von Ed Sheeran. Insgesamt 116 Millionen Internet-User haben das Video schon angeklickt. Mittendrin bei Minute 2:13: die Bodhràn von Christian Hedwitschak, eine irische Rahmentrommel, die er in seiner Sulzemooser Werkstatt hergestellt hat. „Das ist schon geil“, sagt er und lacht.

Der Trommelbauer trägt eine halblange Schreinerhose und ein schwarzes T-Shirt, in seiner Halbglatze versteckt sich ein wenig Sägemehl. Vor 15 Jahren hat Christian Hedwitschak, 40, die Bodhràn, sprich Bowron, zu seiner Leidenschaft und zu seinem Beruf gemacht – damals haben ihn seine Freunde belächelt, heute bekommt er Aufträge aus der ganzen Welt. Aber woher kommt seine Leidenschaft für die irische Nationaltrommel?

Vor rund 18 Jahren ist er mit zwei Spezln nach Irland gereist und kam mit einer kleinen Bodhràn-Touristentrommel zurück. „Der Klang war aber nicht das Gelbe vom Ei“, sagt Hedwitschak und lacht. Um seinen Oberlippenbart bilden sich Grübchen. 

Damals stieß er auch auf die Band „Fiddler’s Green“, die irischen Folk mit Bodhràns spielt. Kurz darauf gründete er mit Freunden eine eigene deutsch-irische Band „Jumpin’ the Fence“, wo er auf der Bodhràn trommelte. Seine Faszination für das irische Instrument war geweckt und sie ist geblieben: „Die Bodhràn ist ein ganzes Schlagzeug in Kompaktformat.“

Seine Augen sind fast geschlossen. Mit der linken Hand hält Christian Hedwitschak eine Bodhrán. Mit der rechten schlägt er mit einem Holzschlägel, dem sogenannten Tipper, auf das Ziegenfell der Trommel. Er spielt mit seinen großen weichen Händen einen langsamen Rhythmus, der einen zur Ruhe kommen lässt. Einen kleinen Gewissenskonflikt gibt es aber in diesem ruhigen Moment. Seit sechs Jahren ist Hedwitschak Vegetarier, „aber Ziegenfell ist immer noch besser als Plastikfell“ – und genau das schätzen seine Kunden aus der ganzen Welt: Amerikaner oder Australier mit irischen Wurzeln, Japaner und vor allem Musiker aus Schottland, England und Wales wollen seine Trommeln. Sein Mut zur Selbstständigkeit hat sich gelohnt.

Der Schritt dorthin ergab sich per Zufall: Hedwitschak war Schreinermeister, die Firma, in der er arbeitete, ging pleite. Deshalb richtete er sich seine Trommelwerkstatt zunächst bei seinen Eltern in Dachau ein, vor zehn Jahren zog er mit seiner Frau nach Sulzemoos. Das Möbelschreinern fehlt ihm nicht, vor allem die Arbeit als Schreinermeister passte nicht zu ihm: „Als Meister sitzt man nur noch im Büro, ich will lieber mit Holz arbeiten“, sagt er.

Viele Schreineraufgaben sind ihm auch als Trommelbauer geblieben: Hedwitschak muss das Holz der Trommel schleifen, den Rahmen verleimen oder Löcher für die Stimmschrauben hineinbohren.

Sein Tag beginnt um vier Uhr morgens: E-Mails checken, Büroarbeiten erledigen, um acht Uhr bringt er seine Tochter in den Kindergarten. Vor Aufträgen kann er sich kaum retten: Rund 6000 Bodhràns hat er in seinem Leben bereits gefertigt. Sie kosten zwischen 250 und 700 Euro. „Vor 15 Jahren wollte ich einfach nur davon leben können“, sagt er – und das war schon außergewöhnlich: Ein irisches Traditionsinstrument made im Dachauer Hinterland.

Die Materialien dafür sind aus der Region: Rotbuchenholz, manchmal auch Fichte oder Nussbaum für den Rahmen der Trommel und Ziegenfell aus Österreich. Wie lange er für eine Trommel braucht, hängt davon ab, wie groß sie ist. Er stellt Bodhràns mit einem Durchmesser zwischen 33 und 45 Zentimeter her. 

Außerdem haben einige seiner Kunden Sonderwünsche: Ein Neurologe will zum Beispiel einen Trommelrahmen, der wie ein Synapsennetz im Gehirn aussieht. Das schafft Hedwitschak mit einer besonderen Beiztechnik.

In wenigen Tagen fährt er auf die irische Insel – ein bis dreimal im Jahr ist er dort. „Das Land ist schon eine zweite Heimat für mich geworden.“ Er hat sich dort mit seiner Frau verlobt, die Hochzeitsreise ging nach Irland, und seine Tochter hat dort Laufen gelernt. Und Freunde hat er dort auch, sogar einen weltbekannten: Mit Angelo Kelly und seinen Geschwistern war er in München schon mal beim Abendessen.

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