Die Reiterei gehörte bis ins hohe Lebensalter zu den Lieblingsbeschäftigungen von Sigfried Freiherr von Schaezler.
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Die Reiterei gehörte bis ins hohe Lebensalter zu den Lieblingsbeschäftigungen von Sigfried Freiherr von Schaezler. 

Baron Sigfried Freiherr von Schaezler wurde vor 140 Jahren geboren

Ehrenbürger mit großem Mitgefühl

Sulzemoos – Gleich neben der Autobahn München-Stuttgart am Kilometerstein 18,7 sieht man in der Mulde die Ortschaft Sulzemoos. Der Ort hat eine Vergangenheit, und die Einwohner sind sehr stolz auf das unter Denkmalschutz stehende Schloss.

VON CHRISTIAN STANGL

Ein kleiner Wassergraben und wuchtige Bäume beschützen das prächtige Bauwerk. Das Schloss befindet sich auf uraltem Siedlungsboden – Hügelgräber aus der Bronzezeit und römische Münzen wurden hier gefunden. In dieser herrlichen Anlage wohnte Baron Sigfried Freiherr von Schaezler, der vor 63 Jahren starb und am heutigen Freitag vor 140 Jahren geboren wurde.

Der in Sulzemoos so beliebte Baron erblickte 1881 das Licht der Welt. Nach seinen Kinder- und Jugendjahren trat er im Jahre 1900 bei den damals berühmten Kaiser-Ulanen in Bamberg ein. Im gleichen Jahre wurde er Mitglied des seinerzeit renommierten Münchner Rennvereins. Mit vielen Pokalen und Preisen ausgezeichnet, bestritt er noch im Alter von 53 Jahren ein 6000-Meter-Querfeldeinrennen.

Die Liebe zur Reiterei zog sich wie ein roter Faden durch sein ganzes Leben. Der Baron, der beide Weltkriege mitmachte und als Oberst diente, verbrachte bis ins hohe Alter noch täglich bis zu drei Stunden im Sattel. „Unser Baron“, so nannten ihn die Sulzemooser Bürger, war bekannt durch sein aufrichtiges Mitgefühl für alle Nöte in der Gemeinde und durch seine freigiebige Hand.

Als Zeichen der Verbundenheit zu Sigfried Freiherr von Schaezler (rechts mit Hut) pflanzten Sulzemooser Schüler eine Eiche zum Abschluss der Schlossallee.

Besondere Fürsorge ließ er der Schuljugend zuteil werden. So hatte Freiherr von Schaezler neben seinen gewonnenen Pokalen auch noch andere Trophäen gesammelt, unsichtbare zwar, aber sicherlich nicht weniger wertvolle, denn sie liegen heute noch unvergesslich bewahrt in dankbaren Herzen.

Zu seinem 70. Geburtstag wurde der Jubilar vom Gemeinderat Sulzemoos mit seinem damaligen Bürgermeister Simon Baumgartner zum Ehrenbürger von Sulzemoos ernannt. Der Schlossherr, der auch in Belangen der Gemeinde immer ein offenes Ohr hatte, wurde mit großem Enthusiasmus der ganzen Bevölkerung gefeiert. Als Zeichen der Verbundenheit wurde zum Abschluss der Schlossallee eine junge Eiche gepflanzt, die heute zu einem stattlichen Baum herangewachsen ist.

Fünf Jahre später, zum 75. Geburtstag feierte man erneut ein großes Fest. Ein Spielmannszug in altbayerischen, prächtigen Uniformen unter Leitung des bekannten Tambourmajors Kohler trat zu Ehren des Jubilars auf.

Nach schwerer Krankheit verstarb der Baron am 20. Februar 1958 in Sulzemoos. Zuerst in die Familiengruft nach Augsburg übergeführt, kehrte er dann wieder in seine Heimat in das für ihn auf dem dortigen Sulzemooser Friedhof errichtete Grabmal zurück, das ganz in der Nähe seines Schlosses liegt. Mit ihm verloren die Sulzemooser Bürger einen aufrechten, ehrlichen Menschen, der ein Stück Heimatgeschichte mitgestaltete.

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