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Auf Höhe des Hotels „Zur Post“ soll die Ampel errichtet werden.

Eine Ampel für Einsbach

Birgit und Roland Hutterer kämpften jahrelang für eine Ampel an gefährlicher Straße - jetzt sind sie kurz vor dem Ziel

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Vor sechs Jahren ist die Tochter von Birgit und Roland Hutterer beinahe von einem Lieferwagen erfasst worden. Seitdem kämpfen die beiden Einsbacher für eine Ampel in ihrem Ort. Nun gibt es einen Grund, warum sie vorsichtig optimistisch sein können.

Einsbach – Dass es so lange dauern würde, eine Ampel aufzustellen, hätten sich Birgit und Roland Hutterer aus Einsbach nie träumen lassen. Es war im November 2013, als ihre damals neunjährige Tochter Nathalie auf dem Heimweg von der Schule fast von einem Lieferwagen erfasst wurde. Das Mädchen wollte an der Bushaltestelle die Staatsstraße 2054 überqueren, als der Lieferwagen aus der Kurve heraus auf sie zukam. Reifen quietschten, der Fahrer konnte im letzten Moment ausweichen. Nathalie hatte Glück.

Birgit und Roland Hutterer wurden aktiv und forderten eine Querungshilfe über die Durchgangsstraße. Heute ist Nathalie 14 Jahre alt – und eine Ampel gibt es noch immer nicht. „Dass es so lange dauern könnte, hätten wir nie gedacht“, sagt Roland Hutterer. Nun aber wurde das Thema zum fünften Mal im Petitionsausschuss des Landtags behandelt. Das Ergebnis: Die Ampel soll 2020 aufgestellt werden. Nach Vermessungsarbeiten sollen die Planungen erstellt und im Herbst die Maßnahme ausgeschrieben werden. Im Frühjahr 2020 könnte die Druckknopfampel auf Höhe des Hotels „Zur Post“ gebaut werden.

Dass so lange nichts passiert ist, liegt daran, dass die Behörden zunächst sowohl einen Zebrastreifen als auch eine Ampel ablehnten. „Das Landratsamt, die Polizei und das Hochbauamt waren alle dagegen“, berichtet Birgit Hutterer. Doch sie und ihr Mann gaben nicht auf: Sie sammelten 143 Unterschriften und starteten eine Petition, die sie 2014 im Landtag eingaben. „Die Straße ist sehr kurvig und unübersichtlich“, erklärt Birgit Hutterer. „Und wenn Stau auf der Autobahn ist, sind wir Umfahrungsort. Dann kommt man fast gar nicht über die Straße.“

Die Behörden sahen aber „eine normale Gefahrenlage“ an der Staatsstraße, weil das Verkehrsaufkommen zu gering sei und weniger als die geforderten 50 Fußgänger täglich die Straße überquerten. Die Hutterers verwiesen darauf, dass nicht nur Kinder über die Straße müssten. „Auch viele ältere Bürger müssen sie überqueren, zum Beispiel, wenn sie zur Kirche gehen“, erklärt Birgit Hutterer. Bürgermeister Gerhard Hainzinger bestätigte ein erhöhtes Risiko. Außerdem unterstützte der Freie-Wähler-Landtagsabgeordnete Benno Zierer die Petition.

Langsam kam Bewegung in die Sache – doch es war unklar, wer die Kosten für eine Ampel übernimmt. „Der Freistaat hat mehrfach eine Kostenübernahme abgelehnt“, so Birgit Hutterer. 2017 fand man einen Kompromiss: Freistaat und Gemeinde teilen sich die 60 000 Euro für den Bau und Betrieb der neuen Ampel zur Hälfte. Der Beitrag, den die Gemeinde leisten muss, wird auf 30 000 Euro gedeckelt. „Ich dachte, wir wären am Ziel“, erinnert sich MdL Zierer. „Aber es dauerte sage und schreibe ein Jahr, bis die schriftliche Vereinbarung stand.“

Auch danach ging es nur schleppend voran. In der vor kurzem stattgefundenen Petitionsausschusssitzung wurde das mit Personalmangel im Staatlichen Bauamt Freising begründet. Inzwischen ist das Petitionsverfahren formal abgeschlossen. Sowohl Zierer als auch Familie Hutterer werden verfolgen, ob die Ampel 2020 auch tatsächlich kommt. „Unsere Tochter war nach dem Beinahe-Unfall richtig traumatisiert und hatte lange Zeit Angst, zur Schule zu gehen“, sagt Birgit Hutterer. „Das soll keinem anderen Kind passieren.“

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