Polizeieinsatz, Doppelter Kiefer- und Nasenbeinbruch, Staatsanwaltschaft ermittelt

Schlägerei bei Jugendfußballspiel: Jugendliche im Krankenhaus

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Zu ziemlich unschönen Szenen kam es am Freitagabend bei einem Jugendfußballspiel in Sulzemoos. Junge Männer traktierten sich mit Fäusten, es brachen Knochen. Nun ermitteln die Staatsanwaltschaft und der Fußballverband.

Sulzemoos – Das A-Junioren-Spiel der JFG Kicker Dachau Land West gegen Eintracht München plätscherte am Freitagabend vor sich hin. Es stand 0:0, der Schiedsrichter hatte wenig zu tun, spektakuläre Szenen gab es so gut wie keine. Bis zur 60. Spielminute. Dann, so erinnert sich Eintracht-Trainer Stefan Hufnagel, grätschte ein JFG-Kicker einem seiner Spieler „absichtlich von hinten in die Füße. Das war ein mieses Foul“! Der Schiri pfiff sofort. Was dann jedoch passierte, kann sich Hufnagel nicht erklären. „Mein Spieler ließ dem Schiedsrichter gar keine Chance, den JFGler zu bestrafen!“ Stattdessen, so ist es imBericht der Polizei Dachau nachzulesen, schlug der 16-jährige Münchner unvermittelt auf seinen Kontrahenten ein. Die Folge: ein doppelter Kieferbruch bei dem JFG-Spieler sowie, laut Hufnagel, „mehrere Rudelbildungen“. Der Schiedsrichter brach das Spiel daraufhin ab.

Günther Rau, Vorsitzender der JFG Kicker Dachau Land West, gibt zu, dass die Rauferei „wahnsinnig schnell gegangen“ sei, in zwei Minuten sei alles vorbei gewesen. Dennoch schaffte es ein weiterer Münchner noch, einem Landkreis-Kicker einen Nasenbeinbruch zu verpassen. Ein Eintracht-Spieler musste laut Hufnagel am Wochenende ebenfalls in die Klinik – wegen einer aufgeplatzten Lippe.

Bis die Polizei auf dem Gelände des SV Sulzemoos eintraf, waren die Münchner Spieler bereits auf dem Nachhauseweg. Die Namen der Schläger, so bestätigt es Polizeihauptkommissar Günther Findl, „sind uns aber bekannt“. Die Polizei beziehungsweise die Staatsanwaltschaft hat bereits ein Verfahren wegen Körperverletzung gegen die beiden Münchner Jugendlichen eingeleitet; explizit nicht beteiligt an dem Zwischenfall waren, so Findl, Eltern der Spieler.

Parallel zu den strafrechtlichen Ermittlungen geht auch der Bayerische Fußballverband (BFV) dem Fall nach. Sprecher Fabian Frühwirth bestätigt, dass die Meldung des Schiedsrichters an die Gerichtsbarkeit des BFV übergeben werde. Er wolle dem Urteil des Gerichts nicht vorgreifen und grundsätzlich gelte die Unschuldsvermutung, so Frühwirth, dennoch stehe fest: „Ein Spielabbruch zieht immer ein Verfahren mit Sperren nach sich.“ Diese Sperren könnten von einzelnen Spielen bis – im schlimmsten Fall – zu einer lebenslangen Sperre führen.

Letzteres wird im Fall der Eintracht-Spieler wohl nicht der Fall sein. Trainer Hufnagel betont, dass seine Mannschaft in der bisherigen Saison keinerlei Probleme gehabt habe, „nicht eine rote Karte“! Auch der 16-Jährige, der mit seinem Faustschlag die Rauferei erst auslöste, sei nicht als Gewalttäter bekannt, im Gegenteil: „Bevor er bei uns war, hat er in der Bezirksoberliga gespielt!“

Dennoch war es der Trainer selbst, der dem Jugendleiter von Eintracht München vorschlug, die Mannschaft sofort aus dem Spielbetrieb zu entfernen. Günther Rau von der JFG Kicker Dachau Land West zollt diesem Schritt Respekt, sagt aber auch: „Das war eine absolut ernste Angelegenheit, so eine unvermittelt rohe Gewalt!“

Die JFG-Spieler trafen sich gestern Abend, um das Geschehen vom Freitag aufzuarbeiten. Rau zufolge seien die Jugendlichen geschockt gewesen. Der 18-Jährige, der einen doppelten Kieferbruch erlitt, wurde bereits operiert; sein 18-jähriger Mannschaftskamerad muss mit seinem gebrochenen Nasenbein noch in dieser Woche in den OP.

Doch auch in München hinterließ der Vorfall geschockte Jugendliche, wie Hufnagel betont. Mit seinen beiden Schützlingen, gegen die nun offiziell ein Ermittlungsverfahren läuft, hat der Jugend-Coach jedoch kein Mitleid: „Sie müssen nun die Konsequenzen für ihr Verhalten tragen. Ich hoffe, dass sie diesen Schuss vor den Bug hören.“ Doch das Problem seien nicht nur seine beiden Spieler, „sondern das ist gesellschaftliches Thema“. Diese „Jungs“, glaubt Hufnagel, „kennen einfach keine Grenzen mehr“. Und manchmal, wie beim Spiel am Freitagabend, „verlieren sie dann leider auch noch ihren Anstand“.

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