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„Im Gleichschritt Marsch“. Bezirksdirigent Paul Roh bringt Blasmusikern das richtige Marschieren bei.

Blasmusiker lernen richtig zu marschieren

Bloß nicht aus der Reihe tanzen

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Das richtige Marschieren, synchron und schön im Takt, will gelernt sein. Einer, der das den Blasmusikern beibringt, ist Paul Roh. Er hat jetzt einen Kurs in Sulzemoos abgehalten. Auf dem Fußballplatz.

Sulzemoos – „Im Gleichschritt Marsch“. Paul Roh hebt den Dirigierstab. Er macht eine kurze Bewegung des Stabes in der Quere, dann marschieren über 50 Musiker in Fünferreihen los. Roh ist Bezirksdirigent des Amperbezirks im Musikbund Ober- und Niederbayern und führt gerade Blasmusiker aus sechs verschiedenen Kapellen aus den Landkreisen Dachau und Fürstenfeldbruck über den Sulzemooser Sportplatz.

Dort, wo normalerweise die Fußballer trainieren, üben jetzt Holz-, Blechbläser und Schlagzeuger in einem Seminar das richtige Marschieren im Takt. Dazu ist extra Franz Haidu, Marschmusikbeauftragter des Musikbundes, nach Sulzemoos gekommen. „Es ist wichtig für Kapellen, dass sie bei Umzügen ein ordentliches Bild ergeben“, erklärt Haidu den Musikern. „Eine Armlänge Abstand zur Seite und zum Vordermann“, sagt er. „Und immer in einer geraden Reihe bleiben.“

Bevor es nach draußen geht, hat Haidu mit den Seminarteilnehmern bereits in einem Theorieteil besprochen, auf was es beim Marschieren ankommt. Wie hält man die Instrumente während des Gehens? Wie funktioniert es, dass die gesamte Gruppe die Instrumente gleichzeitig zum Spielen aufnimmt? Was genau bedeuten die Zeichen des Dirigier- beziehungsweise Tambourstabs? Und wie meistert man als Gruppe möglichst elegant eine Straßenkurve? All das wurde zuerst in der Theorie besprochen und dann auf dem Sulzemooser Sportplatz gleich in der Praxis umgesetzt.

Losgehen, stehenbleiben, wieder ausrichten, wieder losgehen. Linker Fuß zuerst, dann geht’s im Feldschritt weiter. Immer wieder gibt Dirigent Paul Roh Zeichen mit seinem Stab. Irgendwann kommt nach den Trockenübungen Marschmusik dazu. Dirigent Paul Roh bewegt seinen Stab als Zeichen in vertikaler Richtung – Musikänderung bedeutet das. Die Trommler schlagen zum Übergang einen speziellen Marschrhythmus, eine so genannte Locke, dann erschallt die Musik über den Sportplatz. Spielen und marschieren, stehenbleiben und weiter spielen, weiter marschieren, aber Musikabbruch – es gibt viele Kombinationen.

Die meisten der Teilnehmer sind seit mehreren Jahren in Blaskapellen dabei und haben schon Erfahrungen im Marschieren. Doch es gibt trotzdem immer etwas Neues zu lernen. „Die Übungen helfen wirklich“, sagt zum Beispiel Susi Roh (28) von der Stadtkapelle Fürstenfeldbruck, die seit 18 Jahren Klarinette spielt. Besonders hilfreich findet sie die Übung, bei der die Musiker mit Hilfe einer Schnur trainieren, sich in einer Kurve zu drehen und trotzdem in einer geraden Reihe zu bleiben. „Das ist gar nicht so einfach, aber man braucht es immer wieder“, erzählt Roh.

Und vor allem: „Es sieht einfach viel besser aus, wenn man richtig marschiert“, macht Seminarleiter Franz Haidu den Teilnehmern klar.

Warum das so wichtig ist, weiß Evi Probst, Dirigentin der Edelweißkapelle Einsbach, die das Seminar für den Bezirksverband des Musikbundes organisiert hat: „Wenn man als Kapelle irgendwo auf einer Bühne spielt, sehen einen nur die Veranstaltungsbesucher“, sagt sie. „Beim Umzug durch den Ort sehen einen im Idealfall 1000 Leute. Da kann man sich noch einmal ganz anders präsentieren.“ Wenn es dann „Im Gleichschritt Marsch“ heißt, muss der Marschschritt klappen – ohne dass jemand aus dem Takt oder aus der Reihe tanzt.

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