Monokultur-Fichten raus und Laubbäume
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Monokultur-Fichten raus und Laubbäume rein: Bei Altstetten wird der Wald derzeit umgebaut.

Der Sulzemooser Bürgermeister Johannes Kneidl möchte ein umfassendes Programm starten

Tausend Ideen zum Natur- und Artenschutz

Sulzemoos – Die Gemeinde Sulzemoos möchte in den nächsten Jahren schrittweise ein Natur- und Artenschutzprogramm etablieren und dabei auch die Bürger miteinbinden.

Bei Eingriffen in die Natur und Landschaft, beispielsweise durch Baugebiete oder Straßenbau, muss von den Verursachern ein Ausgleich geschaffen werden. Für die Kommunen gehören ökologisch aufgewertete Flächen, sogenannte Ausgleichsflächen, somit zum Pflichtprogramm. „Doch wir können noch weit darüber hinaus gehen“, findet Bürgermeister Johannes Kneidl, der in den kommenden Jahren ein Natur- und Artenschutzprogramm auf die Beine stellen möchte.

Handlungsmöglichkeiten sieht Kneidl zum einen bei der Gemeinde. „Noch in dieser Amtsperiode laufen die Förderungen für unsere Freiflächen-Photovoltaikanlagen aus. Wir müssen uns dann darüber Gedanken machen, was mit dem erzeugten Strom geschieht“, so Kneidl. Zudem könne die Gemeinde die Gestaltung und Pflege der aktuellen und zukünftigen Ausgleichsflächen aktiver angehen und als Vorbild voranschreiten. Im Bereich der Nachhaltigkeit könnte die Gemeinde aus Kneidls Sicht regionale Anbieter unterstützen, die etwas am eigenen Hof verkaufen.

Um die Wälder in Zeiten des Klimawandels fit für die Zukunft zu machen, will der Bürgermeister weg von Monokultur-Fichten und hin zu Mischwäldern. In einem rund sechs Hektar großen Waldstück bei Altstetten läuft bereits ein solcher Waldumbau. „Alte Bäume beziehungsweise die Bäume, die in einen gesunden Mischwald gehören, bleiben natürlich bestehen, und die Aufforstung erfolgt mit geeigneten Pflanzen“, erklärt Kneidl. Alte Wurzelstöcke, die von einem anderen Vorhaben übrig geblieben sind, sollen dort Kleintieren als Unterschlupf dienen.

Zudem möchte der Rathauschef mit den Maßnahmen „mehr in die Breite gehen“. Dazu gab es bereits Experten-Gespräche mit den Bachverbänden über die Gewässerentwicklung, mit dem Vogelschutzbund, dem Bund Naturschutz und der unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt Dachau. Eingeflossen seien auch Ideen aus der Bürgerschaft.

Kneidls Fazit: „Es gibt in der ganzen Gemeinde überall Ecken, in denen man Projekte umsetzen kann.“ Als Beispiele nennt er das Anlegen von Blühstreifen und Sandinseln für Rebhühner in einer Wiese, das Entfernen von Stürzen aus den Bächen – gegebenenfalls mit einem Extrazuschuss der Gemeinde an die Bachverbände – sowie das Pflanzen von Bäumen in einer Lücke an der Verbindungsstraße zwischen Orthofen und Handenzhofen.

Um die Bürger ins Boot zu holen, wird Johannes Kneidl im nächsten Bürgermagazin für das neue Natur- und Artenschutzprogramm werben und dazu aufrufen, Ideen einzubringen oder bei einzelnen Projekten ehrenamtlich mitzuarbeiten, getreu dem Motto „Natur erleben und selber mitmachen“. Auch die Jugend möchte der Rathauschef über die neue Gemeindejugendpflegerin Katja Faig einbinden. Kleinere Maßnahmen könnten dann einfach in Absprache mit der Gemeinde umgesetzt werden.

„Über größere Projekte stimmt natürlich der Gemeinderat ab“, betont Kneidl. Darüber hinaus soll im Gemeinderat regelmäßig über den aktuellen Stand der Maßnahmen berichtet werden. Kneidl: „Wenn sich diese schrittweisen Maßnahmen in den kommenden Jahren kumulieren, wird es das größte Programm, das wir in unserer Gemeinde bisher hatten.“

Christian Stangl

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