Benedikt Biller und Opa Xaver Pfeiffer an der Kirchenorgel. 
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Besonderer Unterricht: Benedikt Biller und Opa Xaver Pfeiffer an der Kirchenorgel. 

Die besondere Geschichte der „Pfeiffer-Männer“

Vier Generationen, eine Leidenschaft: Benedikt Biller (15) aus Wiedenzhausen macht es seinen Vorfahren nach und lernt das Orgelspielen

Hurtig steigt er die hölzerne Wendeltreppe hinauf, zieht oben seine Schuhe aus und stellt sie neben die Orgel. Dann nimmt Benedikt Biller, 15 Jahre alt, auf der Orgelbank Platz und öffnet den Rollladen zur Tastatur. Schließlich schaltet er die Orgel ein, drückt ein bestimmtes Register, schlägt sein Notenheft auf und beginnt zu spielen.

Wiedenzhausen ‒ Benedikt ist bereits der Vierte in seiner Familie, der das Orgelspielen lernt. Heute möchte er etwas neu ausprobieren, was ihm beim früheren Unterricht mit seinem Opa Xaver Pfeiffer aufgefallen war. Kurz bespricht er sich mit dem Großvater, schlägt ein paar Takte an, und die Sache ist geritzt. Der junge Mann mit den langen schlanken Fingern bekommt jetzt seit gut zwei Jahren von seinem Großvater, der im Januar seinen 85. Geburtstag gefeiert hat, Orgelunterricht. Die beiden dürfen dazu die Kirchenorgel in St. Florian in Wiedenzhausen nutzen.

Xaver Pfeiffer beherrscht das Instrument Orgel seit seinem 14. Lebensjahr. 1952 wurde er als Organist nach Ebertshausen geholt, und 1956 in die dazugehörige Filialkirche nach Wiedenzhausen, weil Lehrer Albert Dellian damals streikte, nachdem St. Florian eine neue Orgel bekommen hatte und diese so schwer zu spielen war. Bis 1973 war Xaver Pfeiffer in den beiden damals noch selbstständigen Gemeinden Organist und Chorleiter.

Benedikt, der vor der Orgel Klavierunterricht genommen hatte, ist dankbar, dass er jetzt von seinem Opa lernen kann. Und Opa Xaver ist sehr stolz auf seinen Enkel. Was ihm ganz große Freude macht: Benedikt beherrscht das Pedalspiel sehr gut. Deswegen zieht der junge Mann auch vorher immer die Schuhe aus. Viele Orgelspieler machen das so, weil sie dadurch einfach ein besseres Gefühl auf den Pedalen haben. Alternativ könnte man auch feine Tanzschuhe mit dünner, glatter Sohle benützen, doch bei Größe 45 und als Jugendlicher ist strumpfsockig eben cooler.

Schon Benedikts Urgroßvater Xaver Pfeiffer senior, Landwirt aus Fuchsberg, spielte Orgel. Sein Bruder Michael Pfeiffer, Kooperator in der Hl. Geist Kirche in München und danach Pfarrer in der Stadtkirche Erding, hatte es ihm beigebracht. Seinem Sohn Xaverl konnte der Landwirt das Orgelspiel, als es an der Zeit gewesen wäre, allerdings nicht beibringen.

Xaver Peiffer senior war im Krieg. Zuerst in Frankreich, dann in Sibirien. Erst 1949 sollte er als einer der letzten Kriegsgefangenen heimkehren. Da war sein Bub schon fast 14 Jahre alt, und hatte dank der Mutter bereits fünf Jahre Harmonium-Unterricht bei Pfarrer Victor Keller absolviert. Nach der Rückkehr aus Sibirien wurde aus Rottbach sofort angefragt, ob der Senior die Orgel dort spielen wolle – ein Angebot, das er gerne annahm und zeit seines Lebens voller Leidenschaft ausübte.

Nun hatte er auch die Möglichkeit, seinem Xaverl das Orgelspiel beizubringen. Bald konnte der Bub im Beisein seines Vaters die ersten Lieder auf der Orgel spielen, und 1955 bekam er das Abschlusszeugnis für die Kirchenmusik-Prüfung überreicht.

Vater und Sohn harmonierten gut miteinander, jeder wusste, dass er sich auf den anderen verlassen konnte. Das bewiesen die letzten Minuten im Leben des inzwischen 71-jährigen Vaters am 8. April 1983 dramatisch: In Unterlappbach fand eine Beerdigung statt. Organist Xaver Pfeiffer senior hatte sich nicht besonders wohl gefühlt und seinen Sohn gebeten, ihn auf die Beerdigung zu begleiten und zu unterstützen. Sohn Xaver nahm daraufhin für diesen Tag Urlaub, und als der Senior am offenen Grab begann, einen Psalm zu singen, versagte ihm nach wenigen Worten die Stimme. Er deutete seinem Sohn auf dem Liedblatt noch an, wo dieser weitersingen sollte, sank dann zu Boden und starb in den Armen seines Buben. Der sang natürlich nicht weiter, aber nach einer 20-minütigen Pause – den Vater hat man ins nächst gelegene Haus gebracht, und der Pfarrer informierte die Trauergäste über dessen Tod – übernahm der Sohn in der Kirche pflichtbewusst die Aufgabe seines Vaters und spielte das Requiem.

Auch Xaver Pfeiffer junior prägte die Liebe zum musikalischen Kirchenamt, zumal er als Chorleiter der Sänger von Ebertshausen/Wiedenzhausen auch seine Frau Resi kennenlernte, die dort mitsang. Nach dem Ende seines Wirkens 1973 in Wiedenzhausen, Xaver lebte mit Ehefrau Resi und den beiden zwei Kindern Birgit und Stefan dort, war der Orgelspieler dann auswärts in Oberweikertshofen, Aufkirchen und Wenigmünchen tätig.

Später lernte er seinem Sohn Stefan auf der Wiedenzhausener Kirchenorgel das Spielen. Auch sein Sohn begann seine Orgelkarriere wie einst sein Großvater und später sein Vater im gleichen Alter. Mit 14 spielte er schon fest in Rottbach, half auch mal woanders aus. Er machte seine Abschlussprüfungen im Orgelspiel und ist nun an seinem Wohnort neben seinem Job als Biotechniker auch musikalisch aktiv. Vor zehn Jahren legte Xaver Pfeiffer seine Ämter nieder und kümmerte sich mehr um seine Enkel. Er gab zuerst Enkelin Theresa Klavierunterricht, und weil das deren Bruder Benedikt so gefiel, schließlich auch ihm. Fünf Jahre später stieg der begabte Junge mit dem Opa auf Orgel um. Fragt man Benedikt, was seine Schulkameraden zu seiner Freizeitbeschäftigung sagen, strahlt er: „Meine Freunde finden es toll, es ist ja kein typisches Hobby für Jugendliche und deswegen finden sie es interessant.“

Zum gegebenen Zeitpunkt möchte Benedikt Biller eine kirchenmusikalische Ausbildung absolvieren, denn: „Mir macht das Orgelspielen sehr viel Spaß und es stellt einen guten Ausgleich zum Alltag her“, sagt er. Am Ostermontag stellte er sein Können in der Messe in Wenigmünchen unter Beweis, und damit schließt sich der Kreis der vier „Pfeiffer-Männer“ . Marlene Wagner

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