Er setzt sich für ein neues Dachau ein, für ein Dachau, das barrierefrei und zeitgemäß ist: Talip Yüksel. foto: cla

Talip Yüksel ist der neue Behindertenbeauftrage der Stadt Dachau

Dachau - Er ist für behinderte Menschen in der Stadt Dachau da: Talip Yüksel hat als Behindertenbeauftragter die Nachfolge von Peter Niedermeier angetreten, der im Oktober vergangenen Jahres verstorben ist. Mit uns sprach der 53-Jährige über seine Pläne.

Wie sind Sie zu dem Amt gekommen?

- Ich bin in der Türkei geboren und 1972 nach Deutschland gekommen. Inzwischen lebe ich schon viele Jahre in Dachau und bin ein echter Dachauer geworden. Als Behindertenbeauftragter habe ich mich bei der Stadt beworben. Ich musste mich im Familien- und Sozialausschuss vorstellen und wurde dann gewählt.

Warum haben Sie sich beworben?

-Ich bin selbst behindert und pflege seit drei Jahren meine schwerbehinderte 81-jährige Mutter. Sie sitzt im Rollstuhl, deshalb habe ich nicht nur theoretische, sondern auch praktische Erfahrung. Dadurch kann ich die Behinderten besser verstehen.

Ist Dachau behindertenfreundlich?

- Nein, Dachau ist nicht barrierefrei. Momentan ist Dachau noch wie eine Behindertenwüste. Die Bürger sind nicht gut informiert und helfen Behinderten auf der Straße oft nicht. In Dachau sind Behinderte meist abgekapselt. Man muss sie aber ins Leben hinein führen. Wir können Behinderte zum Beispiel nicht von Kultur, Sport und Kunst ausschließen. Es muss sich einiges ändern.

Welche Änderungswünsche haben Sie denn konkret?

- Ich will mich zuerst auf die Orte konzentrieren, wo sich die meisten Menschen treffen. Deshalb werde ich mit der Barrierefreiheit im Zentrum anfangen. Ich möchte zum Beispiel in der Münchner Straße öffentliche Toiletten aufstellen. Ich bin auch dafür, dass es weniger Straßen mit Pflastersteinen gibt. Damit haben Rollstuhlfahrer oft Probleme, und auch andere Leute können sich an den Steinen leicht verletzen.

Verändert sich dadurch nicht das Stadtbild?

- Die Stadt muss sich den Bedürfnissen der Menschen anpassen. Zur Zeit sind in Dachau 3800 Menschen als behindert gemeldet. Dazu kommen noch viele ältere Menschen. Weil wir alle immer älter werden, wird sich die Zahl in Zukunft nochmal enorm erhöhen. Von den Maßnahmen profitieren ja nicht nur Behinderte, sondern zum Beispiel auch Kinder. Es ist wichtig, dass das Altstadtbild zeitgemäß wird.

Was schwebt Ihnen da vor?

- Die Behindertenparkplätze sollen einen blauen Belag bekommen. Dann sind sie eindeutig gekennzeichnet und man sieht sie besser. Das Rathaus selbst ist auch nicht behindertengerecht, weil es keine elektrischen Türen gibt. Die zwei schweren Türen sind für Behinderte fast nicht zu öffnen. Türen sind generell ein heikles Thema. Viele Ämter, Anwälte und Ärzte haben keine elektrischen Türen. Es gibt viele Behinderte, die schwerbehindert sind, aber trotzdem ohne Begleitperson unterwegs sind, für die ist es oft schwierig.

Was könnt noch helfen?

- Es wäre gut, die Behindertenparkplätze auf Privatgelände wie zum Beispiel Supermarktparkplätze, in die öffentliche Straßenverkehrsüberwachung zu überführen, damit man kontrollieren kann, wer dort parkt. Die Ampelanlagen müssen akustische Signale für Blinde haben, und am Bahnhof braucht man Aufzüge zu allen Gleisen. Man sollte die Zebrastreifen so erhöhen, dass sie gleich hoch wie die Fußgängerwege sind. Jeder der mit dem Auto darüber fährt, registriert dann auch im Unterbewusstsein sofort, dass er gerade einen Zebrastreifen überquert.

Was können Sie machen, um die Pläne durchzusetzen?

- Ich habe kein Budget, sondern kann nur als Anwalt der Behinderten verschiedene Projekte überprüfen und die Stadt beraten. Ich bin aber optimistisch, Jetzt werde ich erst einmal eine erste Bestandsaufnahme machen und Firmen, Anwälte und Ärzte anschreiben, um sie für das Thema zu sensibilisieren. Da sind bald viele Briefe unterwegs. Natürlich bin ich auch Ansprechpartner für Behinderte und Interessierte.

Wer kann sich an Sie wenden?

- Eigentlich alle. Ich möchte auf jeden Fall die Augen und Ohren von behinderten und nichtbehinderten Menschen nutzen, um an Informationen zu kommen, was sich ändern sollte. Für Behinderte bin ich die erste Anlaufstelle. Ich kann sie über ihre Rechte informieren und an wichtige andere Ansprechpartner verweisen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

MVV führt 365-Euro-Ticket ein: Zwei Gruppen profitieren - SPD reagiert kritisch
Schüler und Azubis fahren ab Sommer für einen Euro am Tag. Die Gesellschafterversammlung des MVV hat am Freitag einer Finanzierung zugestimmt. Der SPD geht das nicht …
MVV führt 365-Euro-Ticket ein: Zwei Gruppen profitieren - SPD reagiert kritisch
Nur sechs SPD-Kandidaten
Nur sechs Namen stehen auf der Liste der SPD für die Wahl des Weichser Gemeinderats.
Nur sechs SPD-Kandidaten
Mit Blähschiefer gegen Glatteis
Schnee und Glatteis kommen. Doch der  Winterdienst in Stadt und Landkreis Dachau ist gerüstet. Und auch zu nachtschlafender Zeit bereit.
Mit Blähschiefer gegen Glatteis
FDP nominiert Jürgen Junghans
Die FDP Petershausen hat Jürgen Junghans zum Bürgermeisterkandidaten gekürt. Der ehemalige CSU-Mann steht zudem ganz oben auf der Kandidatenliste zur Gemeinderatswahl - …
FDP nominiert Jürgen Junghans

Kommentare