Eine Ära geht zu Ende: Bürgermeister Michael Kreitmeir (l.) und Leni Schaffer(r.) verabschieden Berta Stepper (Bildmitte) in den Ruhestand, eingerahmt von Tochter Hilde und Sohn Hermann. Foto: khr

Tante-Emma-Laden schließt für immer

Hebertshausen - Viele Tränen sind geflossen. Auf beiden Seiten. 52 Jahre lang hatte Berta Stepper (80) ihren kleinen Gemischtwarenladen in Hebertshausen mit Liebe und Hingabe betrieben. Mit einer Feier hat sie sich jetzt aber von ihren treuen Kunden verabschiedet.

Am Samstag, Schlag 12 Uhr, war Schluss in dem kleinen Gemischtwarenladen in der Adolf-Lieb-Straße in Hebertshausen. Zusammen mit ihrem Mann Josef hatte Berta Stepper 1960 den Laden eröffnet. Nach Josefs Tod 1995 führte die jetzt 80-jährige Berta bis heute den Laden ganz alleine weiter. Sie fuhr bis zuletzt selbst noch mit dem Auto nach München zum Großhändler und schob dabei des Öfteren gleich zwei hochaufgepackte Einkaufswagen gleichzeitig durch die Verkaufshallen.

Sehr zum Leidwesen der vielen treuen Kunden aus der Bahnhofsgegend geht es nun einfach nicht mehr. Vorbei ist es mit einem schnellen Einkauf bei der „Stepperin“. Da konnte man in der Früh doch mal eben mit Hausschlappen vorbeispringen und sich frische Brezen und Semmeln holen. Einmal in der Woche gab es warmen Leberkäs, und auch sonst war der Laden gut sortiert.

Berta Stepper sperrte auch schnell einmal wieder auf, wenn jemand nach Ladenschluss noch dringend etwas brauchte. „Es war halt ein richtiger Tante-Emma-Laden“, meinte deshalb die jahrzehntelange Kundin Leni Schaffer. „Und er ist nicht nur mir ans Herz gewachsen.“

Das zeigte sich auch am letzten Geschäftstag, als Punkt 12 Uhr die vielen treuen Kunden aus der Bahnhofsgegend bei Berta Stepper vorbeikamen. Sie sangen Berta ein eigens von Otto Kanamüller komponiertes Abschiedslied. Er und Toni Hörl sorgten auch für die musikalische Begleitung. Selbst Bürgermeister Michael Kreitmeir war zu der Abschiedsparty gekommen.

„Für Sie, Frau Stepper, geht nach 52 Jahren als Geschäftsfrau und Unternehmerin ein entscheidender Abschnitt zu Ende“, stellte der Gemeindechef fest. Aber auch für ihre vielen Kunden sei dies ein Einschnitt. Alle müssten sich jetzt umorientieren, so Kreitmeier, der befürchtete, dass alles jetzt ein bisschen beschwerlicher werden würde.

Mit Respekt erinnerte er an die vielen Jahrzehnte, die Berta Stepper hinter der Ladentheke stand, um ihre Kunden zu bedienen. „Dabei immer freundlich und hilfsbereit zu sein, ist sicherlich gar nicht so einfach.“ Für ihn selbst selbst habe Berta Stepper Schalen gemacht, die er anlässlich von Geburtstagen verteilen durfte. „Wir sind immer gut ausgekommen“, erinnerte sich Kreitmeir. Mit der Schließung des Ladens gehe ein Stück Hebertshausen verloren. Er bedankte sich für die vergangenen Jahrzehnte im Namen der Kunden und auch im Namen der Gemeinde. Auch Berta Stepper müsse sich umorientieren. „Ab Montag müssen auch Sie zum Einkaufen gehen“, meinte er lachend und überreichte einen Blumenstrauß.

Leni Schaffer, die alle Nachbarn und Kunden zusammengetrommelt hatte, bedankte sich ebenfalls für die vielen Jahre, die Berta Stepper für ihre Kunden da war. Sie überreichte eine große Karte, auf der alle unterschrieben hatten, und ein Geschenk. „Nach der Geschäftsaufgabe wünschen wir Ihnen einen wohlverdienten Ruhestand. Auch wenn es uns leid tut, dass wir nicht mehr bei Ihnen einkaufen können, gönnen wir ihnen diese Ruhe“, betonte Leni Schaffer.

Sichtlich gerührt ließ Berta Stepper die Dankesreden über sich ergehen. Sie selbst fand keine Worte. Das übernahm Sohn Hermann. Im Namen seiner Mutter bedankte er sich bei Leni Schaffer, die die Abschiedsparty so toll organisiert hatte. „Es ist lange nichts von der Schließung durchgesickert. Aber Ihr wisst ja, wie es so in einem Kramerladen ist: Je geheimer, desto schneller macht es die Runde.“ Es sei seiner Mutter nicht leicht gefallen, den Laden zu schließen. In den letzten Wochen und Tagen seien doch einige Tränen geflossen.

Er erinnerte an den Werdegang der Familie Stepper. 1958 kam sie nach Hebertshausen, und da sagten sich sein Vater und seine Mutter: „Da im Bahnhofsviertel gibt es keinen Laden. Da machen wir einen auf.“ 1960 war es dann soweit. 20 Jahre später errichteten seine Eltern sogar noch einen Erweiterungsbau.

Alles sei ganz gut gelaufen, so Hermann Stepper. Nach dem Tod des Vaters habe seine Mutter aber Einiges mitgemacht. „Urlaub war eigentlich fast ein Fremdwort“, meine Hermann Stepper weiter.

Sohn Hermann hofft, dass seine Mutter nach der Schließung nicht in ein großes Loch fällt, dass weiterhin Kontakte bestehen bleiben und dass sich die ehemaligen Kunden auch mal sehen lassen. Bei Sekt und Wursthäppchen erzählten sich die Besucher noch viele Anekdoten aus dem langen Ladenleben der „Stepperin“.

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