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In der Chorkapelle trafen sich die Nonnen jahrhundertelang zum Stundengebet. Bis Franziskaner-Schwester Gabriele mit der Auflösung des Klosters betreut wurde.

Umbruch in Altomünster

Tapetenwechsel hinter Klostermauern

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Altomünster - Das Konto ist leer, die Bausubstanz marode. Das Erzbistum rechnet nach der Bestandsaufnahme im aufgelösten Kloster Altomünster mit hohen Sanierungskosten. Erste Ideen für die künftige Nutzung gibt es bereits – aber erst müssen noch die letzten Bewohner gehen.

Eine Packung Hustenbonbons liegt noch auf der Bank der Chorkapelle, in der die Nonnen sich jahrhundertelang zum Stundengebet trafen. Die Christrose neben dem Altar hat schon die meisten Blätter verloren. Es ist still geworden im Kloster Altomünster (Kreis Dachau). Noch stiller als zuvor. Als die letzte Nonne des Birgittenordens, Schwester Apollonia, in den Gemäuern des 520 Jahre alten und nun aufgelösten Klosters hauste. Jetzt ist Apollonia in die Oberpfalz gezogen, man könnte auch sagen geflüchtet. Und in ihrer alten Heimat beginnt der Umbruch.

Per Dekret hatte der Vatikan bestimmt, dass das Erzbistum München und Freising nun Hausherr in dem ehemaligen Kloster ist. Und neben der Diskussion, wie die alten Räumlichkeiten künftig mit Leben gefüllt werden sollen, beschäftigt das Ordinariat derzeit vor allem die Frage, wie aufwendig die Sanierung der Gebäude im Herzen der Marktgemeinde sein wird. Bei einem Ortstermin zeigten die Verantwortlichen nun, dass sich das aufgelöste Kloster baulich in einem teilweise sehr heruntergekommenen Zustand befindet.

Am deutlichsten wird das in den ehemaligen Wirtschaftsräumen des Klosters. Die Wände dort sind mehr grün als weiß, so sehr hat sich der Schimmel ausgebreitet. Dass der Zahn der Zeit kräftig an der Bausubstanz genagt hat, ist allerdings in allen Gebäuden auf dem Klostergelände zu sehen. Zentimeterdicke Risse ziehen sich durch die Wände des an den Nonnenkonvent angrenzenden Gästehauses. Die breiten Bodendielen geben bei jedem Schritt nach. In einem Treppenhaus bröckelt der Putz von der Decke, im Kapitelsaal lässt sich die Feuchtigkeit in den Wänden mit bloßem Auge erkennen. „Und es gibt keinerlei Brandschutz“, sagt Ordinariatsdirektorin Gabriele Rüttiger. Nach der ersten Bestandsaufnahme werde das Ordinariat nun ein Gutachten in Auftrag geben. Man rechne mit Sanierungskosten in Höhe eines größeren zweistelligen Millionenbetrags.

Das Geld wird das Erzbistum – und damit auch der Kirchensteuerzahler – beisteuern müssen. Denn auf dem Konto des Klosters ist nach Angaben von Schwester Gabriele Konrad, die vom Vatikan als Apostolische Kommissarin eingesetzt worden war, nicht viel Vermögen übrig geblieben. In den vergangenen Jahren seien Umbaumaßnahmen für mehr als 100 000 Euro angestoßen worden. „Da ging es um EDV-Ausstattung, aber auch um Umbauten und Werbemaßnahmen für das geplante Burnout-Centrum“, sagt Schwester Gabriele. Sie habe alle Arbeiten einstellen lassen, als sie vom Vatikan eingesetzt wurde. In den Räumen des Gästehauses sieht man noch die Spuren der Umbauten. In einem Raum wurde bereits ein modernes Bad gefliest – die Planungsunterlagen zeigten, dass dort ein Wohnbereich für den ehemaligen Klosterdirektor entstehen sollte, sagt Schwester Gabriele.

Die zahlreichen Archivalien sind ebenfalls betroffen. „Die Bücher wurden nach München gebracht und sind von Schimmel, Amöben und Kriechtieren gereinigt worden“, sagt Gabriele Rüttiger. Derzeit laufe die Kategorisierung. Sie betont aber auch, dass Dinge, die „identitätsstiftend“ für den Ort seien, wenn möglich in dem ehemaligen Kloster bleiben sollen. Reliquien und Verehrungsgegenstände wie etwa die Hirnschale des Heiligen Alto oder die Trinkschale der Heiligen Birgitta müssten in Altomünster bleiben – „da gibt es gar keine Diskussion“.

Denkbar für die Zukunft sei etwa ein Ort der Erinnerung. Dafür gibt es mehrere Fürsprecher aus dem Landkreis. Anton Kerle, Bürgermeister von Altomünster, etwa spricht sich für ein Museum in einem Klostertrakt aus. „Es sollte auf jeden Fall auch in Zukunft etwas auf den Birgittenorden hinweisen.“ Diesen Wunsch äußert auch Kreisheimatpflegerin Birgitta Unger-Richter, die sich Anfang März gemeinsam mit der Denkmalschutzbehörde ein Bild vom Zustand des Klosters machen konnte.

Neben einer musealen Nutzung könnte das ehemalige Kloster ein Ort der Stille bleiben. Offenbar gibt es Gedankenspiele, Teile der alten Gemäuer zu einem Exerzitienhaus zu machen – also zu einem Rückzugsort der geistlichen Besinnung. Das würde auch dem Auftrag Roms entsprechen, der besagt, dass das ehemalige Kloster ein geistlicher Ort bleiben solle. Allerdings würde sich dann die Frage stellen, ob das Exerzitienhaus im Schloss Fürstenried im Süden von München weiter genutzt wird. Anders als das beschauliche Kloster in Altomünster liegt Schloss Fürstenried nicht gerade in einer meditativen Umgebung. Dort führt die viel befahrene Garmischer Autobahn vorbei.

Doch bis es so weit kommt, wird noch einige Zeit vergehen. Denn neben der aufwendigen Sanierung muss das Ordinariat noch ein weiteres Problem lösen: Nach wie vor steht das Kloster nicht leer. Nach dem Umzug von Schwester Apollonia leben noch eine frühere Ordensanwärterin, eine „selbst ernannte Postulantin“, wie Schwester Gabriele die Frau nennt, in dem aufgelösten Kloster, sowie der Stellvertreter des ehemaligen Klosterdirektors. Beide wollen offenbar nicht freiwillig gehen. „Aber allein schon aus Brandschutzgründen können sie nicht bleiben“, sagt Ordinariatssprecher Bernhard Kellner.

Die Unterstützer des Klosters geben allerdings nicht auf. Noch immer treffen sie sich jeden Montag nahe dem Kloster zum Gebet für den Erhalt des Konvents. So wie sich die Nonnen jahrhundertelang in der Chorkapelle trafen. Dort ist es nun still.

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