Temperamentvoll und pünktlich: die Kantinenbetreiber Tobias Kolb, Oscar Alfredo Garcia und Mirta Norma Schelling (v.l.). foto: cla

Temperament trifft auf Pünktlichkeit

Bergkirchen - Argentinien trifft auf Bayern, südamerikanisches Temperament auf deutsche Pünktlichkeit und Schweinsbraten auf Empanadas - in der Kantine der GADA in Bergkirchen geht es international zu. Die Betreiber Oscar Alfredo Garcia, Mirta Norma Schelling und Tobias Kolb sind richtige Globetrotter.

Oscar Alfredo Garcia und Mirta Norma Schelling kommen ursprünglich aus Argentinien. Vor 13 Jahren sind sie nach Spanien ausgewandert, bevor es sie schließlich vor drei Jahren, wegen der starken Inflation dort, nach Deutschland verschlagen hat. Tobias Kolb hingegen ist ein waschechter Bayer, hat aber auch schon einiges von der Welt gesehen. Vergangenes Jahr hat er beim 24-Stunden-Autorennen von Le Mans in Frankreich gekocht, 2011 war er für vier Wochen in China, um den Chinesen die bayerische Küche näher zu bringen. Schließlich sollten beim dortigen Bierfest nicht nur die Zelte und die Musik zumindest annähernd so sein wie auf dem Münchner Oktoberfest, sondern auch das Essen „deutsch“ schmecken. Also zeigte Tobias den Pekingern, dass die Deutschen mit Messer und Gabel und nicht mit Stäbchen essen, erklärte ihnen, was Kümmel ist und kochte Blaukraut, Sauerkraut, Spätzle, Salzkartoffeln und Schweinsbraten für sie.

In Bergkirchen weiht er nun Oscar Alfredo und Mirta Norma in die Geheimnisse der deutschen Küche ein. Im Gegenzug bringen diese ihm zum Beispiel bei, wie man echte argentinische Empanadas zubereitet. In der Kantine sind eben alle ein eingespieltes Team. Ein Team, in dem jeder seine Aufgabe hat. Tobias und Mirta kochen, Oscar ist der König der Teigwaren, von den Nudeln bis zum Brot stellt er alles selbst her. Auch Maria Belen Garcia und Martin Gawriel Carinelli, die Tochter und der Schwiegersohn von Oscar und Mirta, packen kräftig mit an. Die beiden sind erst vor drei Monaten zusammen mit ihrer kleinen Tochter Antonella von Spanien nach Deutschland gekommen und kümmern sich nun um die Desserts und um die Kasse.

Alle sind mit Leidenschaft bei der Sache. Besonders für Oscar und Mirta ist die Kantine eine Herzensangelegenheit, ein Traum, der sich nun endlich erfüllt hat. Mirta arbeitet seit 25 Jahren in der Gastronomie, und auch Oscar hat früher schon öfter gekocht. Den Wunsch nach einem eigenen Restaurant hatten die beiden schon lange. Als sich im Oktober 2012 die Gelegenheit ergab, die Kantine in der GADA zu übernehmen, waren sie sofort Feuer und Flamme. Sie fackelten nicht lange, schlugen sofort zu und gründeten die Firma „cateringms“. Schon einen Monat später war die Eröffnung der Kantine. In dieser Zeit kam auch Tobias mit ins Boot. Mirta und Tobias hatten sich vor drei Jahren bei der Arbeit kennengelernt. Er war damals stellvertretender Küchenchef beim Schottenhamel, sie kochte dort. Von Anfang an haben sich die beiden gut verstanden.

Ehrensache, dass Tobias sofort zusagte, als Mirta ihn fragte, ob er ihr nicht ein bisschen helfen könne. „Im Laufe der Zeit haben sie mich immer mehr eingespannt, und auf einmal war ich jeden Tag da - und bin geblieben“, erinnert sich der 25-Jährige und lächelt. Eine Entscheidung, die er nicht bereut hat - trotz einiger Sprachbarrieren.

Mirta, Oscar, Maria und Martin können nämlich noch nicht gut Deutsch und Tobias fast kein Spanisch. „Im Lauf der Zeit haben wir aber gelernt, uns recht gut zu verstehen. Es gibt manchmal sogar Leute, die können Deutsch und Spanisch und wissen trotzdem nicht, was wir meinen“, lacht Tobias. Die Verständigung klappt bei „cateringms“ eben mit Händen und Füßen, manche Sachen malen sich die fünf auch einfach auf. Außerdem wollen sie die Küchenutensilien künftig zweisprachig beschriften. Alle bemühen sich, die jeweils andere Sprache zu lernen: Nach der Arbeit steht meistens noch ein einstündiger Sprachkurs auf dem Programm: Tobias bringt dann seinen Kollegen Deutsch bei und die wiederum lehren ihm Spanisch.

Dabei sind manche Tage vor allem für Oscar, Mirta und Tobias sehr lang. Oft fangen sie schon um sechs Uhr morgens mit den Vorbereitungen für das Essen an. Wenn es richtig hart auf hart kommt, arbeiten sie bis zwölf Uhr nachts. Zwei oder drei verschiedene Gerichte stehen täglich auf der Speisekarte, alles wird frisch zubereitet. Jeden Tag essen ungefähr 100 Leute in der Kantine, dazu kommt noch das Catering-Geschäft. „Wir bereiten uns aber gut vor, also geht es meistens schon mit dem Stress“, findet Tobias.

Die gute Laune lässt sich sowieso keiner verderben. „Das Wichtigste bei uns ist, gut drauf zu sein“, beteuert er. Südländische Lebensfreude ist eben ansteckend. Tobias ist jedenfalls längst davon infiziert und tanzt sogar Tango und Salsa in seiner Freizeit. Umgekehrt hat sich auch die deutsche Lebensart schon auf die Argentinier übertragen. „Ihr seid deutsch geworden“, hat einmal ein Landsmann zu Mirta gesagt. Das stimmt wohl tatsächlich: „Meine Welt ist schon deutsch“, findet Oscar. Pünktlichkeit und Genauigkeit sind für ihn und seine Familie längst selbstverständlich. Ihr südländisches Temperament werden sie aber sicher trotzdem nie verlieren - und das argentinische Feuer wird wohl immer in ihren Augen leuchten.

(cla)

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