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Das beim Orakeln schnell verdiente Geld macht das schlitzohrige Lumpenpärchen Lotti und Lumpi auf Dauer nicht glücklich.

Es kommt immer noch schlimmer

Das "Regenwurm-Orakel"

Jetzendorf – Immer wieder Szenenapplaus und einen donnernden Schlussapplaus haben die Jetzendorfer Theatera mit dem erstmals im Ottilinger-Saal aufgeführten Stück „Regenwurm-Orakel“ geerntet – ein höchst amüsanter ländlicher Schwank von Ralph Wallner.

Es passte einfach alles: Angefangen vom Bühnenbild, über all die dazu passenden Requisiten, bis hin zur Maske. Das Stück spielt nämlich nicht wie, für einen bäuerlichen Schwank üblich, in einer gemütlichen Bauernstube, sondern in einer arg heruntergekommenen Fischerhütte mit viel Schilf umgeben, an einem Weiher. Sogar sehr flinke Ratten umgeben das fidele Lumpenpärchen Lotti und Lumpi Nassauer (Marion Ostermaier und Rupert Leimberger). Beide sind bettelarm, zahnluckert, und kratzen sich lieber als sich zu waschen.

Die beiden wie die größten Penner wirkenden Personen bekommen Besuch von dem Junggesellen Hanser (Mathias Kißlinger), den sie einen „aufgebügelten Kleiderständer“ nennen und zunächst als Kontrolleur von der Fischereibehörde ansehen. Eine Wahrsagerin hat Hanser erzählt, sein unbekannter, leiblicher Vater wäre der hier in Regenwürmer verliebte Fischer Lumpi. Hanser verstrickt sich aber in eine waghalsige Lüge. Er lässt das fidele Lumpenpärchen in dem Glauben, er ließe sich gerne aus dem Lauf eines Regenwurms die Zukunft vorhersagen. So lässt sich Lotti nicht zweimal bitten und orakelt was das Zeug hält.

Sogar der protzige und steinreiche Bauer Schorsch Zasterbauer (Fridolin Endres), die Schank Zenz (Sonja Zeindl), die von Zasterbauer als „hoaßer Feger“ gesehen wird, das mythologisch interessierte Mumien-Reserl (Susanne Breitsameter) und der von seiner resoluten Frau Walli (Gabi Furtmayr) unterdrückte Gickerl Willi (Franz Kargl) suchen mit verschiedensten Anliegen das Orakel auf, und beim Lumpenpärchen klingelt die Kasse.

Auch die Huaberin (Kathrin Steinberger) kommt in die Sprechstunde. So geht es in der Fischerhütte äußerst turbulent zu, und Lumpi hat zu kämpfen, dass er all die Orakelsüchtigen wieder aus der Hütte bringt. Die ausgemusterten Regenwürmer haben Hochkonjunktur. Das geht bis hin zum Geschmackstest. Auch von einem ägyptischen Mistkäfer, der in die Zukunft blicken kann, ist die Rede. Das Regenwurm-Orakel fasziniert auch noch, als schon bekannt wird, dass nur Lug und Trug dahintersteckt.

Natürlich spielt auch die Liebe eine wichtige Rolle. Der Gockerl-Willi gesteht, für Sex zu feige zu sein, und seine Walli entdeckt per Fernrohr eine unmoralische Schmuserei im Boot. Sie hat ein Auge auf den Lumpi geworfen, den wegen des plötzlichen Reichtums seine Lotti zum Auszug aus der geliebten Fischerhütte gezwungen hat. Es dauert aber nicht lange, bis sich Lotti die Walli vorknüpft und mit einem Beil in der Hand durch die Hütte und durchs Schilf jagt. Das Verwirrspiel nimmt aber doch noch ein versöhnliches Ende: Lotti und Lumpi erkennen, dass das schnell verdiente Geld durchs Orakeln nicht glücklich macht, und so beschließen sie, lieber weiterhin in armseligen Verhältnissen in der Hütte leben zu wollen.

Der Hanser, der von der Schank Zenz als „Busslmeister“ entlarvt wird, kommt nach einem unfreiwilligen Bad im eiskalten Weiher splitternackt auf die Bühne, verliebt sich aber schließlich unheimlich in die Zenz. Es kommt noch schlimmer: Der tollpatschige Gickerl Willi verwechselt die Ausdrücke „schnapsln“ und „schlackseln“.

Die Huaberin selbst durchschaut als Letzte das vorgespielte Orakel und kommt zu dem Schluss, „ja mei, wenn de Liab und Lust so bled macht“. Bei diesem grandiosen Auftritt war Souffleuse Christa Endres nahezu arbeitslos. Eine besondere Bereicherung war zweifelsohne auch das vor jedem Akt gesungene Regenwurm-Lied.

ost

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