„Schule braucht immer neuen Input“

Thomas Frey spricht über seine Zeit an der Indersdorfer Mittelschule

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Nun ist es amtlich: Thomas Frey wird ab heute ans Schulamt nach Fürstenfeldbruck wechseln. Im Interview spricht Frey über seine neue Aufgabe, darüber, was er am meisten in Indersdorf vermissen wird und warum es Zeit war, jetzt aufzuhören.

Mehr als 18 Jahre lang war Thomas Frey an der Indersdorfer Mittelschule. Erst als Lehrer, dann als Konrektor und seit 2008 als Schulleiter. Er war der Typ Rektor, der nicht bereits mittags das Schulhaus verlassen hat. Kollegen beschreiben ihn als Teamplayer, als einen, der anpackt. Jetzt wechselt Thomas Frey ans Schulamt.

Was werden Sie an Ihrer Arbeit als Rektor am meisten vermissen?

Den unmittelbaren Kontakt und die Nähe zu Schülern. Den Austausch mit dem Kollegium und die Möglichkeit, etwas unmittelbar umzusetzen. Sei es ein pädagogisches Konzept oder ein praktisches Projekt. Es ist schön, zu sehen, was aus einer Idee wird und wie sie sich entwickelt.

-Welche Projekte lagen Ihnen besonders am Herzen?

Schule lebt nicht nur von den großen, besonderen Projekten. Man muss dafür sorgen, dass es ständig ein interessantes Angebot gibt. Aber meine liebsten Projekte sind all die, bei denen etwas Praktisches entstanden ist. Bei einem Projekt haben zum Beispiel unsere Schüler mit Unterstützung die komplette Umgestaltung unseres Außengeländes übernommen.

-Was wird Ihnen so gar nicht fehlen?

Das, was ich jetzt als müßig empfinde, wird mir bei meiner neuen Arbeit auch begegnen. Das ist die Arbeit mit der Art von Eltern, die einfach aus Prinzip immer dagegen sind. Das sind zwar nur ganz, ganz wenige, aber das ist eben sehr unerquicklich. Ich würde die Thematik weiter fassen wollen: Eigentlich sind es die Eltern, die wir im System Schule nicht mehr erreichen, weil sie ihre Kinder auf vielfältige Weise alleine lassen: Wie einerseits die, die ihre Kinder mit Statussymbolen abspeisen und sich von ihrer Erziehungsverantwortung meinen freikaufen zu können; andere, die so mit sich selbst beschäftigt sind, dass sie nicht erkennen, dass auch ihre Kinder Bedürfnisse haben; wieder anderen fehlt komplett das Vertrauen in ihr Kind, für alles wird gesorgt, alles wird ihm/ihr abgenommen. Zum Beispiel für einen 14-jährigen wird die Tasche für einen dreitägigen Schullandheimaufenthalt gepackt.

-Wie merkt man, dass es Zeit ist, aufzuhören?

Das ist ein persönlicher Rhythmus, den ich mir gegeben habe. Nach dieser Zeit habe ich immer etwas anderes gemacht. Erst habe ich studiert, dann war ich hier Lehrer, dann war ich Konrektor und bis jetzt eben Schulleiter. Ich denke, das ist man sich selbst als Menschen schuldig, sich immer wieder neue Impulse zu geben. Und gerade in der Funktion als Schulleiter ist es für die Schule wichtig, dass man die Möglichkeit schafft, dass neue Impulse einfließen können, indem man zur Seite geht.

-Es war also nicht so, dass Sie Ihren Job nicht mehr gemocht haben?

Ganz und gar nicht. Es ist wichtig, dass man zum richtigen Zeitpunkt aufhört. Wenn ich gehört hätte, dass jemand sagt: Gottseidank geht er endlich, dann hätte ich einen wichtigen Zeitpunkt verpasst.

Alexander Amorth wird ab sofort kommissarisch die Schulleitung übernehmen.

-Wie geht es hier weiter, wenn Sie in Fürstenfeldbruck sind?

Nach den Osterferien übernimmt mein Kollege und höchst kompetenter Stellvertreter Alexander Amorth kommissarisch die Schulleitung. Ihm werden Kollegen zur Seite stehen, die auch bisher bereits in Leitungsaufgaben eingebunden waren. Das Entscheidende, die Lehrer, die unmittelbar mit den Schülern arbeiten und ihnen etwas beibringen, bleibt ja. Da sollte man seine Position nicht überschätzen.

-Als Sie 2008 Rektor wurden, sagten Sie: Schulleitung geht nur als Teamwork. Sind sie dieser Philosophie treu geblieben?

Ja. Das war damals meine Bedingung. Ein Stellvertreter muss in alle wichtigen Dinge eingeweiht sein. Wir haben eigentlich alle Entscheidungen gemeinsam getroffen. Nur wenn man an einem Strang zieht, kann man sein Kollegium, die Eltern und die Schüler und auch wichtige Kooperationspartner z.B. beim Thema berufliche Orientierung erreichen.

-Das heißt, nach Ihrem Weggang wird es keinen gravierenden Kurswechsel geben?

Ich denke, wenn man ein solches Amt übernimmt, ist man froh, wenn es Strukturen gibt, die man beibehalten kann. Wir haben hier immer versucht aufeinander zu hören – auch im Kollegium. Ich denke, das war ein guter Kurs.

-Wie sehr hat sich die Aufgabe eines Schulleiters gewandelt?

Es ist sehr administrativlastig. Gerade weil wir hier die größte Ganztagsschule in Oberbayern sind. Früher musste man nicht so viel planen, längst nicht so viel mit Netzwerkpartnern arbeiten. Zudem müssen wir auch die Lehrkräfte bewerten.

-Wie sehen Ihre neuen Aufgaben aus?

Sehr vielschichtig. Ich werde für mehrere Schulen zuständig sein. Unter anderem für Personalplanung und -betreuung, Förderung der Schulentwicklung und Qualitätssicherung, Vermittlung bei schulischen Konflikten und Beschwerden, Zusammenarbeit mit außerschulischen Institutionen, Lehrerfortbildung; Dienstaufsicht. Mein Wunsch ist es, an den Schulen als beratender Mensch und als menschlicher Berater wahr- und angenommen zu werden.

- Was wünschen Sie Ihren Kollegen?

Jeder für sich ist gut aufgestellt – doch die Zeiten, in denen jeder nur für sich steht, sind vorbei. Sie sollen sich darauf besinnen, dass man nur gemeinsam weiterkommt. Jeder hat verschiedene Stärken, die man für das Team nutzen kann. So bleibt niemand zurück. Konstruktive Dialoge führen, zusammenarbeiten.

-Was geben Sie Ihren Schülern mit auf den Weg?

Jeder soll in den Spiegel schauen – und sich selbst für sich verantwortlich zeigen. Jeder soll sich fragen: Kann ich, wenn ich in den Spiegel schaue, guten Gewissens sagen, dass ich mich nicht selbst angelogen habe – in punkto: Ehrlichkeit, Leistungsbereitschaft, Fairness und Erfüllung meiner Pflichten.

Das Interview führte

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