Sonnenanbeter: Drei Schildkröten haben es sich auf einem Baumstamm in der Amper (Bildmitte) gemütlich gemacht.
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Sonnenanbeter: Drei Schildkröten haben es sich auf einem Baumstamm in der Amper (Bildmitte) gemütlich gemacht.

Sie können dort im Winter nicht überleben

Tiere einfach ausgesetzt: Schildkröten in der Amper

  • Anna Schwarz
    VonAnna Schwarz
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Schildkröten in der Amper! Drei Tiere sonnten sich auf einem Baumstamm zwischen Mitterndorf und Neuhimmelreich. Doch wie kommen sie in das heimische Gewässer?

Dachau – Drei Panzertiere, etwa 20 Zentimeter groß, sonnten sich am vergangenen Dienstagvormittag auf einem Baumstamm im Fluss zwischen Mitterndorf und Neuhimmelreich, nahe der Brücke Richtung Günding.

Für den Gebietsbetreuer des Ampertales, Sebastian Böhm (31), sind sie nichts Neues: „Ich sehe Schildkröten eigentlich relativ häufig bei uns“, sagt er. „Meistens sind es kanadische Schmuckschildkröten, also Gelb- oder Rotwangenschildkröten, die von ihren Besitzern ausgesetzt wurden.“ Denn diese Schildkröten-Arten gebe es vor allem im Zoohandel: „Da sind die Kleintiere noch etwa fünf Zentimeter groß. Den meisten Käufern ist anfangs nicht klar, dass die Panzertiere bis zu einem halben Meter groß werden.“ Die Konsequenz: „Sie setzen die Schildkröten in ruhigen Gewässerbereichen aus, wo es zum Beispiel Baumstämme gibt – an der ganzen Amper entlang, unter anderem bei Mitterndorf“, so Böhm, der meint: „Auch in der Glonn bei Indersdorf habe ich schon Schildkröten gesehen.“

Den Spaziergängern entlang der Gewässer fallen die exotischen Panzertiere oft gar nicht auf, denn „die Schildkröten verhalten sich recht unauffällig auf den Baumstämmen. Und wenn sie schwimmen, dann tauchen sie“, so Böhm.

Der Gebietsbetreuer hat in den vergangenen Jahren beobachtet, dass die Reptilien in der freien Natur einigermaßen zurechtkommen: „Sie verhungern in der Amper bestimmt nicht“, erzählt er, „sie ernähren sich zum Beispiel von kleinen Fischen und Krebstierchen – und davon haben wir hier genug.“ Möglicherweise bedrohen sie allerdings die Amphibienbestände. „Und die gehen eh schon sehr zurück“, sagt Böhm. Weil immer mehr Straßen und Kraftwerke gebaut werden, fehlt der Lebensraum für Erdkröten und Gelbbauchunken. Böhm: „Ich könnte mir vorstellen, dass die Schildkröten nach allem schnappen, was sie sehen.“

Zudem kritisiert Forstingenieur Sebastian Böhm, dass die Tierbesitzer beim Kauf einer Schildkröte zu wenig vorausschauen und die Tiere später loswerden wollen: „Sie denken zu wenig ans Tierwohl. Die meisten Schildkröten kommen zwar ein paar Jahre in der Amper klar, aber wenn ein harter Winter kommt, dann gehen sie oft ein – im Fluss können sie einfach nicht dauerhaft leben.“

Aus diesem Grund warnt er davor, Goldfische aus dem Aquarium im heimischen Seen loszuwerden, denn „das ist das Schlimmste, was man machen kann. Die Goldfische fressen die heimischen Kaulquappen einfach auf.“

Übrigens: Schildkröten in der Amper gehörten schon einmal zum natürlichen Landschaftsbild, sagt Böhm: „Früher gab es hier einmal die europäische Sumpfschildkröte, aber die ist vor ein paar Jahrzehnten ausgestorben.“ Grund war auch damals die Zerschneidung des Lebensraumes. Es wurden Straßen und Kraftwerke gebaut, und die Schildkröte fühlte sich in der Amper nicht mehr wohl. 

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