Mörderischer Hass auf die Justiz

Dachau - Rudolf U. hat sein Schweigen gebrochen. Fünf Tage nach dem Mord an einem Staatsanwalt hat der Dachauer mit seinem Pflichtverteidiger über sein Motiv gesprochen. Reue zeigt er dabei nicht.

 Das Gefühl, permanent ungerecht behandelt worden zu sein, ist nach Zeitungsinformationen wohl das Motiv für die tödlichen Schüsse auf einen Staatsanwalt vergangenen Mittwoch im Dachauer Amtsgericht.

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Der Schütze Rudolf U. hat sich nach fünf Tagen Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim seinem Anwalt Wilfried Eysell anvertraut. Rudolf U. habe sich darüber beschwert, dass er seit sieben Jahren vor Gericht immer verloren habe. Der Dachauer Transportunternehmer sei des öfteren wegen Problemen seiner Fahrer vor Gericht gestanden, bis die Firma 2009 pleite gegangen war. Zur Tat und der Tatwaffe selber habe Rudolf U. aber „keine Einzelheiten verraten“, berichtete Eysell. Stattdessen hat sich Rudolf U. über die Haftbedingungen in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim beschwert. Reue liege bei Rudolf U. nicht vor, berichtete der Anwalt nach Zeitungsangaben: „Entweder kann er nicht bereuen oder er ist noch nicht so weit.“

Von diesen Aussagen weiß Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch, der sich mit dem Fall befasst, nichts. „Wir brauchen die Aussage im Verfahren.“ Derzeit lautet der Haftbefehl auf Mord aus Heimtücke und sonstigen niedrigen Beweggründen. „Heimtücke deshalb, weil niemand damit rechnen konnte, dass ein Angriff stattfindet“, erklärte Steinkraus-Koch. Die Ermittler konzentrieren sich nun darauf, zu erfahren, wie sich Rudolf U. vor der Tat verhalten hat. Die Anwältin, die U. zu der Verhandlung begleitet hat, hat zwar mittlerweile ausgesagt, doch ihre Angaben gingen nur „bis an die Grenze ihres Mandatsverhältnis“, berichtet Steinkraus-Koch. Sie beruft sich bei Fragen, die den Fall betreffen, auf ihre Schweigepflicht. Deshalb wollen die Ermittler den Mann finden, der vor der Verhandlung neben Rudolf U. und seiner Anwältin im Dachauer Schlosscafé gesessen hatte. Bisher hat sich der Zeuge jedoch noch nicht gemeldet. Im Café habe Rudolf U. laut Zeugenaussagen auch Bier getrunken, die Ergebnisse des Alkoholtests liegen jedoch noch nicht vor, sagte Steinkraus-Koch.

In Dachau steht das Gerichtspersonal unter Schock, trauere aber primär um den Kollegen Tilman Turck (31), berichtete Amtsgerichtsdirektor Klaus Jürgen Sonnabend. Für den getöteten Staatsanwalt ist am kommenden Montagvormittag eine Trauerfeier in der Kirche St. Michael in München geplant. Derzeit werden die Mitarbeiter des Dachauer Amtsgerichts vom polizeipsychologischen Dienst betreut. Die bayerischen Polizeiseelsorger haben wegen des Vorfalls nun die Psychosoziale Notfallseelsorge auf die Agenda ihrer Jahrestagung gesetzt, die kommende Woche in Plankstetten veranstaltet wird. Die Verbrechen hätten gezeigt, in welcher Weise Polizeiseelsorger gefordert sein könnten, sagte der bayerische Polizeidekan Andreas Simbeck.

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Am Amtsgericht in Neu-Ulm hat nun ein Jäger für Aufsehen gesorgt: In der Hosentasche des 71-Jährigen, der als Zeuge in einer Zivilverhandlung aussagen sollte, hat ein Justizvollzugsbeamter eine Patrone entdeckt. Als die Beamten das Fahrzeug des Jägers kontrollierten, fanden sie eine ungeladene Bockflinte und drei Schrotpatronen. Bayerns Justizministerin Beate Merk hatte bereits angekündigt, dass alle Gerichtsgebäude in Bayern mit mobilen Metalldetektoren wie auf Flughäfen ausgestattet werden sollen.

Von Nina Praun

Dachau am Tag nach dem schrecklichen Verbrechen

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Rubriklistenbild: © dapd

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