Sie alle flehen um Wasser: (von links) Charie Charitou, Foday Sesay, Tasem Darwish, Alaa Darwish und Majd Almuhammad im Theaterstück im Jugendzentrum Ost. foto: ink

Über die Freude und die Sehnsucht

Dachau - Ohrenbetäubendes Geschrei und heulende Sirenen deuten das dramatische Geschehen an, wie es in den Kriegsgebieten Tag für Tag zur Realität gehört. Im Jugendzentrum Dachau-Ost standen nun junge Laiendarsteller auf der Bühne, die von ihren traumatischen Erlebnissen erzählten und beindruckend gut spielten.

Es handelt sich bei der Aufführung um ein Theaterprojekt, das die Theaterpädagogin Rebecca Molinari und der Schauspieler Nicholas Hohmann zusammen mit den geflüchteten jungen Leuten aus Syrien, Afghanistan, Libyen und Sierra Leone erarbeitet haben. Nicholas Hohmann übernimmt den Part des erkrankten Afghanen Matin Heideri. Wie Nicholas Hohmann eingangs erklärte, handelt es sich um wahre Geschichten aus dem Leben.

Den Geflüchteten fehlen die Geborgenheit in der Familie und die Heimat. Die junge Syrerin drückt es so aus: „Ich vermisse Syrien, meine Schule, meine Freunde, und Syrien bleibt immer schön.“ Alle wollen eines Tages zurückkehren. Sie fühlen sich in Deutschland gut aufgehoben, wissen die ihnen gebotenen Möglichkeiten des Schulbesuchs und der Ausbildung zu schätzen, müssen sich aber erst mit den kulturellen Unterschieden zurechtfinden.

Es kann die irritierende Fahrkartenkontrolle sein, und manchmal ist es die diskriminierende Behandlung, wenn der Verkäufer in der Apotheke sagt, dass er bei so einem Namen auch ein Schmerzmittel bräuchte. Das endlose Warten in den Ämtern bei der Registrierung wird ebenfalls lebhaft geschildert. Ergreifend ist der Auftritt von Foday Sesay, wenn er mit heiserer Stimme und mit letzter Kraft um Wasser bittet und damit auf die Not der Menschen infolge der Wasserknappheit in seinem Land Sierra Leone verweist.

Trotz aller Ängste und der neuen Herausforderungen wollen die jungen Leute „Spaß haben“ und tanzen und singen. Und das zeigen sie mit großer Spielfreude und Temperament.

Herausragend agieren die beiden Schwestern Tasmen Darwish und Alaa Darwisch als strahlende junge Frauen, die sich freuen, „hier leben zu dürfen“ und dabei immer ihre Heimat im Herzen tragen - etwa wenn sie ein patriotisches syrisches Lied anstimmen.

Das Ziel des Kennenlernens ist mit dem Theaterprojekt erreicht: Jeder hilft jedem bei Verständigungsproblemen, oder wie es der Syrer Bahaa Alaryan zum Schluss in seiner Dankesrede in flüssigem Deutsch sagt: „Wir möchten unsere Gefühle zeigen, egal, ob wir die deutsche Spräche können oder nicht“.

Die Zuschauer im komplett besetzten Jugendzentrum bedankten sich mit tosendem Applaus für den Einblick in die Sorgen und Nöte der Asylbewerber beim Einleben in eine fremde Kultur und wie es ihnen gelungen ist, in kurzer Zeit Sprachbarrieren abzubauen.

Es handelte sich um ein Integrationsprojekt der Stadt Dachau, Abteilung Jugend, in Kooperation mit der Staatlichen Berufsschule im Rahmen der „Interkulturellen Wochen“ der Stadt Dachau.

(ink)

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