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Die ganze Habe in einem Zimmer : Nach der Kündigung konnte Rebecca M. mit ihren drei Kindern Aleyna (4), deren Zwillingsbruder Levin und Deniz (7) bei ihrer Oma in Karlsfeld unterkommen – vorübergehend zumindest.

Mutter wollte nur vorübergehend bei der Oma wohnen

Hilfsbereitschaft wird zum Problem

Es ist der Fluch der guten Tat. Rentnerin Katharina F. (88) hat ihre Enkelin Rebecca M. (29) und deren drei Kinder bei sich daheim in Karlsfeld aufgenommen. Deswegen bekommt Rebecca keine neue Wohnung, weil sie ja Unterschlupf hat.

KarlsfeldAusgerechnet Hilfsbereitschaft wird jetzt zum Problem. Die alleinerziehende Mutter Rebecca hat ihre alte Wohnung in der Lerchenau verloren und weiß nicht, wie es weitergehen soll mit ihr und den drei Kindern. Denn jetzt wohnt sie bei der Oma – eigentlich vorübergehend. Doch laut Gesetz ist die Oma dazu verpflichtet, ihrer Enkelin und den Urenkeln eine Unterkunft zu geben. Allerdings wird Rebecca M. nun so schnell keine eigene Wohnung bekommen.

Sie hatte die Kündigung wegen Eigenbedarfs erhalten. Kurz nach ihrem Auszug sei das Appartment allerdings verkauft worden. M. hat ihren alten Vermieter wegen vorgeschobenen Eigenbedarfs verklagt, was ihr aktuell aber nicht weiterhilft. Die gelernte Bäckereifachverkäuferin braucht eine Sozialwohnung, findet aber keine. „Ich hatte schrecklich Angst, dass ich mit den Kindern in ein Obdachlosenasyl muss“, sagt Rebecca M. So war es für sie das größte Glück, als ihre Oma Katharina F. (87) ihr anbot, bei ihr im oberen Stockwerk einzuziehen. Die Seniorin hatte die Zimmer zuvor nur als Abstellbereich genutzt. Im Notunterschlupf stellte Rebecca auch noch ihren Hausrat unter – alles fein säuberlich in Kisten gepackt. Auspacken wollte sie die Kisten eigentlich nicht, denn schon beim Einzug macht die Oma klar, dass das keine Dauerlösung sein könne. „Ich habe bald einen Platz in einem Altenheim. Das Haus werde ich dann vielleicht verkaufen müssen“, sagt die Oma. „Meine Enkelin und die drei Urenkel brauchen eine eigene Wohnung.“

Im nächsten Moment wirbeln Urenkelin Aleyna (4), deren Zwillingsbruder Levin und der Erstklässler Deniz (7) um die alte Dame, bis diese einen Finger auf den Mund legt und „Pssst“ sagt. Man merkt ihr an, dass sie von den Konsequenzen ihrer Hilfsbereitschaft überfordert ist.

Mit drei Ämtern hat Rebecca M. in Sachen Wohnung zu tun, die Dinge sind kompliziert. Zwar hatte die 29-Jährige bereits den unterschriebenen Mietvertrag für eine neue Wohnung ab 1. Dezember in der Lerchenau, doch der Vermieter sagte kurzfristig ab. Das Jobcenter München überwies sogar die Miete. Die Behörde ist für die Leistungen zuständig: Rebecca M. ist derzeit ohne Job, kümmert sich um die Erziehung der Kinder. Ab September will sie wieder zur Arbeit gehen – dann hat sie Kindergartenplätze für die Kleinen. Das Geld vom Amt hat Rebecca M. auf einem eigenen Konto geparkt: „Die werden es ja sicher zurückfordern.“

Beim Jobcenter Dachau ist die Lage ebenfalls kompliziert. Hier nahmen die Beamten an, die Oma wolle ihre Enkelin und die Urenkel in ihrem Haushalt beherbergen. Dann ist die Großmutter nach dem Gesetz dazu verpflichtet, das unentgeltlich zu tun – sofern ihre eigenen finanziellen Mittel ausreichen. So bekommt Katharina F. keine Miete für die Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung. Peter Schadl, Leiter des Dachauer Jobcenters, sicherte nun zu, dass er die Sache noch einmal prüfen werde – denn wenn es sich um eine abgeschlossene Wohnung handelt, dann kann die Oma unter bestimmten Umständen auch Miete beanspruchen.

Rebecca will eigentlich nur endlich eine eigene Wohnung – hat aber so gut wie keine Chance mehr. Früher hatte sie in der Wertung des Münchner Wohnungsamts 111 Punkte und Dringlichkeitsstufe – bis am 3. November ein neuer Bescheid kam: 3 Punkte. Hauptproblem: Voraussetzung für eine Sozialwohnung in München ist ein Wohnsitz in München.

Susanne Sasse

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