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Die Suche nach einer Wohnung oder einem Haus zum Kauf ist für Angelika, Wolfgang und Christoph (7) Witek zermürbend.

Familie auf verzweifelter Suche

Der unerfüllte Traum vom Eigenheim

Dachau - Seit einem Jahr sucht Familie Witek eine Wohnung oder ein Haus zum Kauf. Doch die Suche ist aussichtslos: Es gibt nur wenige Angebote zu hohen Preisen. Eine Besserung der Situation ist nicht in Sicht.

Bis zu 3800 Euro pro Quadratmeter müssen Käufer laut Immobilienverband Deutschland derzeit für eine gebrauchte Wohnung in guter Lage in Dachau hinlegen. Das würden viele auch tun, es lockt das niedrige Zinsniveau. Doch ein Kauf ist schwierig: Das Angebot ist gering, die Preise sind saftig.

Eine der vielen Familien, die händeringend nach mehr Wohnraum suchen, ist Familie Witek aus Dachau. „Ich bin in Dachau geboren und aufgewachsen, Christoph hat hier seine Oma, Opa, Tante. Wir würden gerne bleiben“, sagt Angelika Witek wehmütig. Dennoch sucht die dreiköpfige Familie auch außerhalb des Stadtgebietes nach bezahlbarem Wohnraum - zwangsläufig. „Hier gibt es nichts - oder es ist zu teuer“, erzählt die 44-Jährige. Dachau ist bekanntermaßen ein teures Pflaster, die nahe Landeshauptstadt und der Flughafen machen sich bei den Preisen deutlich bemerkbar.

„Durch die Nähe zu München ist der Immobilienmarkt in Dachau schon fast eins geworden mit dem Münchner“, erklärt der Dachauer Makler Christian Petsch. „Die Preise sind zwar nicht mehr so wie beim Riesenhype im Frühjahr 2013, aber sie sind auf hohem Niveau stabil - und so wird es wohl auf absehbare Zeit bleiben.“ Etwa ein Jahr würden Interessenten derzeit durchschnittlich suchen, bis sie das passende Objekt finden. „Ich höre aber auch immer wieder von bis zu drei Jahren Suche“, berichtet Petsch.

Angelika Witek sucht seit rund einem Jahr zusammen mit ihrem Mann Wolfgang nach einer Vierzimmerwohnung oder einem Haus zum Kauf. Derzeit lebt das Ehepaar mit Sohn Christoph (7) in einer Dreizimmerwohnung. Doch Mutter Angelika, die freiberuflich in einer Steuerberaterkanzlei am Rosenheimer Platz in München arbeitet, benötigt dringend ein Arbeitszimmer, zudem soll die 85-jährige Mutter von Wolfgang Witek bei ihnen wohnen, wenn diese ihren Alltag nicht mehr alleine bewältigen kann. „Wir brauchen einfach mehr Platz. Bei Preisen von etwa 1200 Euro Kaltmiete im Monat haben wir uns überlegt, dass wir Eigentum abbezahlen könnten“, berichtet der 44-Jährige und fügt hinzu: „Auch als Altersvorsorge.“

Etwa 340 000 Euro kann die Familie ausgeben. „Aber wenn wir uns die Immobilien in Dachau anschauen, ist das gerade mal die Hälfte“, sagt der Filmvorführer resigniert. Deswegen ist der Radius, in dem das Objekt liegen darf, immer größer geworden. „Inzwischen schauen wir im S-Bahnbereich nördlich und östlich von München.“

Schauen - das heißt, dass Angelika Witek täglich morgens und abends das Internet durchforstet. Doch bislang hat sie keine guten Erfahrungen gemacht. „Wenn man dort Kontaktformulare ausfüllt, kommt nichts zurück.“ Auch Telefonanrufe und Nachrichten blieben häufig unbeantwortet. „Man bekommt den Eindruck, dass ein gewisses Desinteresse da ist, obwohl das doch der Job von Maklern ist“, ärgert sich Wolfgang Witek.

Zudem haben die Dachauer mehrere Zeitungsanzeigen aufgegeben, betreiben Mundpropaganda und haben die Broschüre „Zwangsversteigerung aktuell“ abonniert. Einmal haben es die Witeks schon bei einer Versteigerung versucht - vergeblich. „Wenn ein Bauträger dabei ist, kann man es vergessen.“

„Die Immobiliensituation in Dachau und im Landkreis ist schwierig“, sagt Christine Goßner, Vorsitzende des Vereins Haus und Grund in Stadt und Landkreis Dachau. „Es gibt einfach nichts, und schon gar nichts Bezahlbares.“ Das Gleiche gelte für den Mietmarkt. „Gestern Abend habe ich eine Mietwohnung ins Internet gestellt: 90 Quadratmeter in Dachau für 1000 Euro. Kurze Zeit später bin ich mit Anfragen bombardiert worden.“ Das fehlende Angebot führe sogar dazu, dass Leute ins Ladenbüro kommen und nach Wohnraum fragen. „Es ist wirklich schlimm. Aber wir haben nichts - nicht mal was Teures.“

Etwa 1000 Wohneinheiten verwaltet der Verein laut Goßner im Landkreis. „Dabei gibt es nicht einen Leerstand. Das gab’s noch nie.“ Noch etwas besser als in Dachau sei der Mietwohnungsmarkt auf dem Hinterland, zum Kaufen jedoch sei es dort inzwischen genauso schlecht.

Und das nicht nur für Käufer, sondern auch für Verkäufer, berichtet Makler Holger Günsch von Zenker und Günsch Immobilien. „Die Verkäufer wissen nicht, was sie mit ihrem Geld aus dem Immobilienverkauf machen sollen. Auf der Bank bekommt man nur ein Prozent Zinsen, das macht keiner mehr. Dann verkaufen sie lieber nicht.“ Ergo: Es gibt kein Angebot.

Auch die Prognosen sind keineswegs rosig. So sieht das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln den größten Zuwachs bei der Nachfrage nach Wohnraum bis 2030 nicht etwa in Berlin oder Hamburg, sondern im Münchner Umland, also Erding, Ebersberg, Freising und eben Dachau. Trotz der schwierigen Situation lässt sich Familie Witek nicht entmutigen - und gibt den Traum von den eigenen vier Wänden in Dachau nicht auf. „Meine insgeheime Hoffnung ist eine ältere Dame, die verkaufen will, aber nicht an einen Bauträger, sondern an eine Familie, die das Haus erhält. Dafür wären wir genau die Richtigen“, so Angelika Witek.

Conny Kirmaier

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