Umsteigen statt Durchfahren: Am Bahnhof in Dachau müssen die Fahrgäste aussteigen, wenn sie weiter nach München wollen – und zwar auch nach der Elektrifizierung. hab

Uralte Züge auf brandneuem Gleis

Dachau - Es liegt ein gewaltiger Schatten über dem Ausbau der Linie A: Denn auf der neuen Strecke sollen alte Züge fahren. Die Bürgermeister sind schockiert. Doch Gerda Hasselfeldt und Bernhard Seidenath wollen sich nicht so einfach abspeisen lassen - und haben dem Wirtschaftsminister einen Brief geschrieben.

Eigentlich sollte jetzt alles gut sein. Eigentlich sollten alle Betroffenen entlang der Linie A nach jahrzehntelangem Warten endlich aufatmen können. Das Eisenbahn-Bundesamt hatte Anfang Februar den Planfeststellungsbeschluss für die Linie A erlassen, die wichtigste Hürde für die Elektrifizierung war genommen. Doch jetzt sind die Kommunal- und Landtagspolitiker schockiert. Weil auf der neuen Strecke alte Fahrzeuge eingesetzt werden, wird es für die Fahrgäste auch weiterhin jede halbe Stunde heißen: Wer vom Hinterland nach München will, steigt in Dachau um. „Ich bin enttäuscht, dass so etwas nicht konsequent geplant wurde“, sagt etwa Eva Rehm, stellvertretende Bürgermeisterin von Erdweg und stellvertretende Landrätin, „und dass deshalb mit einem Provisorium gestartet werden muss.“ Doch genau das wollen Bernhard Seidenath (CSU, MdL) und Gerda Hasselfeldt, CSU-Wahlkreisabgeordnete und Landesgruppenvorsitzende, nicht akzeptieren. Sie haben an das Bayerische Wirtschaftsministerium geschrieben und fordern ganz klar, „dass für die elektrifizierte Linie A moderne Züge der Baureihe ET 430 beschafft werden.“

Denn ET 430 bedeutet in diesem Fall: modern. Diese Züge können problemlos von Altomünster direkt über die Stammstrecke nach München fahren, wie auch das Modell ET 423. Nicht möglich ist die Durchfahrt jedoch mit den Zügen ET 420. Da aber derzeit nicht genügend „Fahrzeuge des Typs ET 423 mit Stammstreckentauglichkeit verfügbar sind, müssen für in der Hauptverkehrszeit zusätzlich andere Fahrzeuge eingesetzt werden“, teilt eine Sprecherin des Bayerischen Witschaftsministeriums mit.

Einer kennt diese alten Züge sehr gut. Josef Mittl aus Petershausen ist Pro-Bahn-Mitglied und als begeisterter Umweltschützer leidenschaftlicher Bahnfahrer. Doch er weiß: „Pendler steigen nur in den Zug, wenn die Anschlussgarantie gewährleistet ist.“ Und die sieht Mittl mit den alten ET-420-Modellen stark gefährdet. „Nicht nur, dass es die Leute sicher aufregt, wenn sie in Dachau schon wieder umsteigen müssen - mit den alten Zügen sind Verspätungen gerade im Winter vorprogrammiert.“ Und wenn neue Zugfahrer zweimal enttäuscht werden, steigen sie sofort wieder aufs Auto um, sagt Mittl. Er versteht die Verärgerung der betroffenen Bürgermeister entlang der Linie A sehr gut. „Das ist sicher ein Schlag für die Betroffenen. So verliert eine neue Strecke schon von Anfang an an Attraktivität.“

Josef Mittel unterstellt jedoch niemandem eine böse Absicht: „Die wollten sicher einfach schnellstmöglich starten und haben deshalb einfach nicht langfristig geplant.“ Auch das Wirtschaftsministerium spricht „zunächst von einem Einstiegskonzept, das im Vergleich zu heute eine deutliche Angebotsverbesserung ist“. Die ET 420 seien gut gepflegt, funktionierten zuverlässig und werden vor einem Einsatz in München runderneuert. Die verärgerte Reaktion der Bürgermeister sei nicht nachvollziehbar.

Hasselfeldt und Seidenath sehen das aber anders. Sie fordern den Wirtschaftsminister auf, auf die Bayerische Eisenbahngesellschaft einzuwirken. Denn: Für ein attraktives Angebot gebe es zur Anschaffung der 430er-Garnituren „keine Alternative“.

(cb)

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