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Die heilige Nacht von Ludwig Thoma neu vertont hat Heinz Neumaier – wie einst sein Vater Heinrich. 

Uraufführung in Sigmertshausen

Vater, Sohn – und die heilige Nacht

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Einst hat ein Dachauer Musiker die Heilige Nacht vertont: Heinrich Neumaier, bekannt durch den Zitherklub Dachau. Nun tritt sein Sohn in seine Fußstapfen. Im Zitherklub – und in Sachen Vertonung.

Es ist das Jahr 1946. Weihnachten naht, auch im Kriegsgefangenenlager Mulsanne, in Frankreich. Die Inhaftierten wollen das Christfest ehren – vielleicht mit einer Aufführung? Es ist ihnen erlaubt, zu musizieren, kulturelle Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Auch bayerische Soldaten werden dort festgehalten, einer mitsamt einer Ausgabe der Heiligen Nacht von Ludwig Thoma. Und so wächst die Idee: Wie wäre es, die Heilige Nacht zu Weihnachten aufzuführen, nicht nur als Lesung, sondern vertont, mit Gesängen? Keine ganz leichte Aufgabe. Doch die Gefangenen wissen, wer sie schaffen kann: Heinrich Neumaier aus Dachau. Er ist versierter Pianist, eigentlich ein klassischer, beherrscht Chopin, Beethoven, Liszt. Mit Volksmusik hatte er bisher nicht viel am Hut. Aber dort, im Lager in Mulsanne, 1000 Kilometer weit weg von zu Hause, lässt sich Neumaier auf diese Aufgabe ein. Merkt: Volksmusik, das ist doch was. Er schreibt Melodien für Tenor- und Baritonstimmen. Und so erleben die Gefangenen eine Heilige Nacht, wie sie Ludwig Thoma sich eigentlich vorgestellt hatte.

Denn Thoma wollte sein Werk eigentlich mit Max Reger vertonen. Doch der starb zu früh. Und so gab und gibt es keine „offizielle“ Vertonung der Gesänge. Oft wird das Stück einfach als Lesung aufgeführt. Wenn aber Gesang dabei ist, so ist er meist für einen Männerdreigesang gemacht. Doch heuer, 70 Jahre nach der Aufführung im Gefangenenlager von Mulsanne, hat sich wieder ein Dachauer an eine Vertonung gewagt: Diesmal ist es Heinz Neumaier, der Sohn des einstigen Gefangenen.

1947, nach zwei Jahren in Kriegsgefangenschaft, durfte Heinrich Neumaier heim nach Dachau. Dort erwartete ihn seine Frau Barbette, geborene Weiß, zusammen mit Tochter Hedi, die später, verheiratet, als Hedi Heres die bekannte Volksmusik-Moderatorin wird. 1948 wird Heinz Neumaier geboren – ein Kind der Rückkehr. Und wächst auf in einem Haus, in dem die Volksmusik viel Raum einnimmt, ja, auch ein- und ausgeht. Der Vater ist nun beim Zitherklub Dachau, und bringt alles, was Rang und Namen hat, nach Dachau. Der kleine Heinz trifft also auf Werner Biffar, der auch die Heilige-Nacht-Vertonung des Vaters singt; auf den Kien Pauli, einen der größten Volksmusiksammler Oberbayerns; und auf: Tobi Reiser. Als Heinz mit 13 Jahren Reiser und Sohn den „Dorfmusi Marsch“ spielen hört, weiß er sofort: „Das möchte ich auch machen.“ Klavierstunden hat er schon bekommen, aber das perfekte Können des Vaters schreckt ihn ab. Also greift der Pianistensohn zur Gitarre. Er nimmt das Stück, als es im Radio gespielt wird, auf Tonband auf. Hört es immer und immer wieder ab, und spielt es nach.

„Ich bin ein Ohrwaschlmusiker“, sagt Neumaier heute. „Ich hab immer furchtbar ungern mit Noten gearbeitet.“ Geschadet hat das gar nichts. Der Sohn spielt dem Vater bald seinen „Dorfmusi Marsch“ vor, der ist begeistert, besorgt sich ebenfalls eine Gitarre, und beginnt, mit dem Sohn zusammen zu spielen. „Da konnte er noch nicht einmal den Barré-Griff im F-Dur“, erzählt Neumaier heute schmunzelnd.

So landet also auch der Sohn bei der Musik. Doch wie der Vater, der hauptberuflich Berufsschulleiter in Dachau war, wählen Sohn und Tochter Lehrberufe. Heinz Neumaier wird Chemie- und Biologielehrer an einem Ingolstädter Gymnasium. Warum nicht Musiklehrer? „Das habe ich mir schon überlegt. Aber lieber wollte ich die Musik als Hobby behalten.“

Das hat er, in den verschiedensten Kombinationen, bis zum Ruhestand. In dem wurde er dann Dirigent des Zitherklubs, wie einst sein Vater. Und nun wurde er gebeten, die Heilige Nacht zu vertonen – wie einst sein Vater. Allerdings für Frauen. Die Initialzündung dazu kam von einer Sängerin. Neumaier hat schon öfter Stücke in Noten gesetzt, auch Notenhefte veröffentlicht, Partituren gesetzt. Also nahm er die Aufgabe an. Wie das geht? Man nimmt den Text zur Hand, und dann „lässt man ihn in sich klingen“. Schreibt diese Noten auf, und hört sie sich gleich an. Da ist Heinz Neumaier hochmodern: Er arbeitet mit einem Notenprogramm auf dem PC. „Das erleichtert die Arbeit ungemein“, sagt Neumaier. So machen ihm mittlerweile auch Noten Freude.

Nun ist sie fertig, die neue Version der Heiligen Nacht, in Sopran. Uraufgeführt wird sie am Freitag, 9. Dezember, in Sigmertshausen, zusammen mit den Moosdorfegger Sängerinnen. Eine von ihnen war die Dame mit der zündenen Idee: Sissi Taubert. Nun habe sie sich „sehr gefreut“, sagt Neumaier. „Und ich bin sehr zufrieden.“ Die Proben liefen gut, Neumaier sieht dem Abend entspannt entgegen: die Heilige Nacht in einem neuen Licht. „Wir hoffen jedenfalls, dass wir etwas berühren bei den Leuten“, sagt Neumaier. Ganz wie damals, Weihnachten, 1946, in einem Gefangenenlager in Mulsanne.

Nina Praun

Die Heilige Nacht wird am Freitag, 9. Dezember, in der Kirche St. Vitalis in Sigmertshausen urauffgeführt. Es liest: Claus Weber. Es singen und spielen die Moosdorfegger Sängerinnen und die Gröbenbach Musi. Beginn ist um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei, es wird um Spenden gebeten. Der Erlös geht an die renovierungsbedürftige Schönbrunner Kirche Heilig Kreuz.

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