VdK übernimmt Aufgabe von SHG

Vakuum bei der Wohnberatung

Dachau - Zur Zeit gibt es im Landkreis keine Wohnberatung. Der Landkreis hat diese wichtige Aufgabe ab Oktober an den VdK übertragen. Bis dahin herrscht ein Vakuum. Jürgen Seidl hält das für „unzumutbar“.

Für jemanden, der sich plötzlich nur noch mit Rollstuhl oder Rollator fortbewegen kann, werden die eignen vier Wände zum Problem. Experten wissen, welche Maßnahmen schnell umsetzbar sind, welche Fördermittel möglich sind. Doch derzeit gibt es keine solche Beratung im Landkreis: Die Selbsthilfegruppe für Menschen mit Handicap (SHG), die bis Ende 2015 zahlreiche Wohnungsumbauprojekte betreut hatte, hatte besonders für sozial Schwache sowie Menschen mit Behinderung auf diesem Gebiet wichtige Arbeit geleistet. Doch seit die SHG die Wohnberatung personell nicht mehr stemmen kann, herrscht ein Vakuum.

Zwar hat der Landkreis beschlossen, diese Aufgabe ab dem 1. Oktober 2016 dem Sozialverband VdK zu übertragen. Doch obwohl der VdK mit rund 1,7 Millionen Mitgliedern der größte Sozialverband Deutschlands ist, ist dort niemand ausgebildet, die Wohnberatung zu leisten. Frühestens im Dezember 2016 kann ein Lehrgang begonnen und im Sommer 2017 abgeschlossen werden.

Diese Vakanz in der Wohnberatung dauert FDP-Kreisrat Jürgen Seidl zu lang: „Die derzeitige Situation ist unzumutbar und nicht länger hinzunehmen.“ Die FDP fordert deshalb eine „angemessene, schnelle Zwischenlösung“ und hat eine entsprechende Anfrage an Landrat Stefan Löwl geschickt.

In einer Stellungnahme hat der Landrat auf die ambulanten Pflegedienste und den Kreisbehindertenbeauftragten im Rahmen derer Möglichkeiten verwiesen. Für schwierige Fälle stehe eine zertifizierte Wohnberaterin zur Verfügung. Aus zeitlichen und fachlichen Gründen sowie wegen der Vielfalt der zu erledigenden Aufgaben stoßen diese laut Seidl jedoch bereits jetzt an die Grenzen ihrer Kapazitäten.

Seidl bemängelt: „Dieser Vorschlag ist nicht ausreichend. Der Landkreis hat zwar die Zuständigkeit der Wohnberatung der VdK übertragen, hat sich jedoch nicht seiner Verantwortung entledigt. Es muss dauerhaft ein fester Ansprechpartner zur Verfügung stehen.“

Doch Wolfgang Gartenlöhner vom Landratsamt erklärt: „Es wird zum 1. Oktober eine entsprechende Fachkraft vom VdK eingestellt. Natürlich übernimmt diese Person nicht ohne jegliches Wissen die Stelle. Es ist allerdings so, dass der- oder diejenige erst einen Fortbildungslehrgang zum zertifizierten Wohnberater absolvieren muss.“ Dieser beginne am 1. Dezember und laufe begleitend bis Juli 2017 – mit insgesamt 110 Stunden an Fortbildungskursen und einem 30-stündigen Praktikum. Mit welchen Hilfestellungen können Betroffene also während dieses Zeitraumes rechnen?

„Generell finden sich für unkompliziertere Anliegen immer Ansprechpartner. Was detailreiche Planung bei konkreten Fragen angeht, bekommen betroffene Menschen selbstverständlich auch Hilfe. Man muss aber eventuell auf Kontakte etwas außerhalb des Landkreises ausweichen, bis das Netzwerk für Dachau und Umgebung ausgearbeitet ist und steht,“ erklärt Gartenlöhner.

Das Landratsamt führe Gespräche mit verschiedenen Handwerksbetrieben, um die Verbindungen herzustellen – „und so in Zukunft eine gut organisierte Wohnberatung gewährleisten zu können“, betont Gartenlöhner.

sj

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