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Vater und Sohn bauen Marihuana an

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Dachau - Eine gesunde Vater-Sohn-Beziehung sieht wohl anders aus: Ein 52-jähriger Dachauer hat mit seinem 23-jährigen Sohn in der gemeinsamen Wohnung Marihuana angebaut. Der Vater muss nun zehn Monate ins Gefängnis.

„Wenn der Vater mit dem Sohne...“ - so beginnen meist Geschichten gemeinsamer Unternehmungen eines stolzen Papas mit seinem Sprössling. Etwas schräger wird das Bild, wenn der Satz fortgeführt wird mit „...Drogen anbaut und konsumiert“. Bei einer Wohnungsdurchsuchung in Dachau fand die Polizei vier Marihuanapflanzen und knapp 13 Gramm Marihuana. Verteilt auf zwei Zimmer. Eines davon bewohnt ein 52-jähriger arbeitsloser Lagerarbeiter, das andere sein Sohn, ein 23-jähriger Bäckereifachverkäufer. Künftig wird der Sohn die Wohnung wohl alleine bewohnen, da sein Vater ein eigenes „Apartment“ in der Justizvollzugsanstalt beziehen wird.

Vater und Sohn haben sich nicht nur gemeinsam hin und wieder einen Joint gegönnt, sondern haben die Drogen auch weiterverkauft. Wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz saßen beide auf der Anklagebank des Dachauer Amtsgerichts. Zunächst wollte der 52-Jährige die ganze Schuld auf sich nehmen. Er behauptete, dass die 5,8 Gramm Marihuana und die Marihuanapflanzen im Zimmer des Sohnes ihm selbst gehört haben. Das glaubte ihm Richter Lars Hohlstein allerdings nicht. „Weshalb hätten Sie denn die knapp sechs Gramm bei Ihrem Sohn im Zimmer deponieren sollen, etwa, weil sie in Ihrem Zimmer zu viel Platz wegnehmen?“ Eine rechte Erklärung wollte dem 52-Jährigen darauf nicht einfallen. Nach kurzer Beratung mit seinem Verteidiger gab der Dachauer dann doch zu, dass die Drogen, die im Zimmer seines Sohnes gefunden wurden, auch seinem Sohn gehörten. Zu den gefundenen Marihuanapflanzen, die zwischen 35 und 100 Zentimeter hoch waren, sagte der 23-Jährige dem Richter: „Das sind schöne Pflanzen, also recht schön anzusehen. Nicht mehr und nicht weniger.“ Er gab aber auch zu: „Wenn was rausgekommen wäre, wär’s schön gewesen.“ Außerdem wurden in der Wohnung eine Feinwaage, eine Wasserpfeife, Rauchtöpfe und ein Spritzenbesteck gefunden. „Wie es aussieht, ist Ihnen der Betäubungsmittelmissbrauch in die Wiege gelegt worden“, sagte Richter Hohlstein zum 23-Jährigen, dessen Vater seit über 30 Jahren Drogen konsumiert und deshalb immer wieder straffällig wurde.

Gegen den Sohn verhängte Hohlstein eine Strafe von 80 Tagessätzen zu je 40 Euro. Sein Vater muss wegen unerlaubten Besitzes und Anbaus von Marihuana für zehn Monate ins Gefängnis. „Die Strafe zur Bewährung auszusetzen sehe ich aus meiner Sicht nicht gegeben“, sagte der Richter. „Die Einträge im Bundeszentralregister sind einschlägiger Natur, über 30 Jahre.“ Bisher hat sich der 52-Jährige noch nie um eine Therapie bemüht. „Er zeigt keine Therapiebereitschaft. Ohne Therapie keine Bewährung“, sagte Hohlstein. Und auch der Sohn des Verurteilten zeigte nur wenig Reue und Bereitschaft, sich einer Therapie zu unterziehen: „Ich hab keine Abhängigkeit. Das ist alles nur Kopfsache.“

(cc)

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