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Gesunde Körpermitte: Mit den sanften Übungen der Pilates- oder Yogakurse lässt sich der Rücken trainieren und der sogenannte Core stärken. Immer mehr Sportvereine bieten diese Gesundheitssportarten daher an. 

Fitness statt Fußball

Vereine entdecken Gesundheitssport

Die Menschen in Deutschland werden immer älter. Gleichzeitig achten sie verstärkt auf ihre Fitness und Gesundheit. Die Folge: Angebote im Bereich des Gesundheits- und Seniorensports boomen. Für die Sportvereine der Region ist das Herausforderung und Chance zugleich.

Landkreis – Bernhard Wetzstein, Vorsitzender des TSV Indersdorf, äußerte auf der jüngsten Jahresversammlung seines Vereins genau einen Wunsch an die Gemeinde: Mehr Räume für den Gesundheitssport. Denn dieser sei die Grundvoraussetzung dafür, auch ältere Mitglieder beim Verein zu halten und so den Angeboten der Fitnessstudios mit ihren ausgefallenen Kursprogrammen entgegentreten zu können.

Denn die Branche boomt und gerade die Fitnesscenter haben mit Senioren und Gesundheitssportlern eine neue lukrative Zielgruppe ausgemacht. Für die Sportvereine des Landkreises stellen sich deshalb die Fragen, wie sie mit dieser Nachfrage umgehen sollen und ob sich daraus nicht neue Entwicklungsmöglichkeiten für sie ergeben könnten.

Der ASV Dachau ist in dieser Hinsicht Vorreiter. Schon seit 1993 bietet der Verein ein breites Angebot an Kursen und Sportprogrammen, das der Verbesserung der Gesundheit dient. Um das Projekt auf den Weg zu bringen, war aber eine gehörige Portion Mut nötig, wie Michaela Luckner, Abteilungsleiterin von Gymnastik und Gesundheitssport erzählt: „Der ASV war damals sehr fortschrittlich und visionär, als er einen Sportlehrer anstellte und wirklich Geld in die Hand nahm, um den Gesundheitssport aufzubauen.“

Seitdem sind das Programm und die Teilnehmerzahl stetig angewachsen. So weit, dass selbst dem großzügig ausgestatteten Sportverein die Räumlichkeiten zum Training ausgehen. „Wir könnten wahrscheinlich noch weiter wachsen, aber wir sind durch das Platzangebot eingeschränkt“, erklärt Luckner. Die Sparte ist dennoch eine echte Erfolgsgeschichte für den ASV, der so zahlreiche Mitglieder gewinnen konnte, „gerade solche, die wir über die anderen Sportarten nicht erreichen würden“, wie Luckner feststellt.

Diese Entwicklung ist den anderen Vereinen im Landkreis auch schon aufgefallen – 20 von ihnen haben bereits solche Kurse. Meistens ist es Aufgabe der Turnabteilungen, ein entsprechendes Angebot auf die Beine zu stellen. So auch beim TSV Indersdorf. Dort bieten die Turner Programme für Senioren an. Wenn es nach Wetzstein ginge, könnte das Angebot auch noch erweitert werden. Aber, wie schon beim ASV Dachau, es fehlen die Räume. Vor allem ein Gymnastikraum wird vom Verein vermisst. „In einer großen Turnhalle üben, wenn daneben noch andere Sportarten laufen, ist schwierig. Gerade bei ruhigen Kursen wie Yoga“, erklärt Wetzstein. Der klassische Sportverein auf dem Land verfügt in der Regel aber nur über Fußball- und Tennisplätze und Stockbahnen. Auf die Anforderungen des Gesundheitssports sind die meisten nicht eingestellt. Wetzstein hofft, dass man in Zusammenarbeit mit der Gemeinde einen solchen Raum schaffen könne.

Bei allen Angeboten im Bereich des Gesundheitssports muss zwischen dem Präventions- und Rehabilitationssport unterscheiden werden. Unter den Präventionssport fallen nahezu alle Kurse, die eine gesundheitsfördernde Zielsetzug haben, sei es nun Yoga, Pilates, oder andere vergleichbare Angebote. Mitmachen kann jeder. An den Rehabilitationskursen kann hingegen nur teilnehmen, wer eine entsprechende ärztliche Verordnung bekommen hat. Sie dienen der Reha nach einer Verletzung, Operation oder im Zuge einer schweren Erkrankung.

Diese werden häufig von der Krankenkasse übernommen, oder zumindest bezuschusst. „Wir wollen aber nicht, dass die Leute einfach nur ihr Rezept einlösen, sondern einen grundsätzlichen Lebenswandel hin zur Bewegung bewirken“, erklärt Luckner. Dazu seien aber speziell zertifizierte Trainer nötig, um die medizinischen Standards der Krankenkassen zu erfüllen.

Im Regelfall werden solche Kurse bisher in Fitnessstudios oder von Physiotherapeuten angeboten. Für die Sportvereine ist dieser Bereich Neuland. Aber sie können etwas bieten, was den professionellen Studios nur selten gelingt: „Wir haben eine enorme Kontinuität bei den Trainern und ein sehr familiäres Umfeld in den Übungsgruppen“, betont Luckner.

Das sehen auch die Sportler in Indersdorf so. „Unsere Mitglieder freuen sich über die Gemeinschaft und so haben sich auch außerhalb der Kurse neue Freundeskreise gebildet.“ Und auch diese soziale Komponente trägt zur Verbesserung der Gesundheit bei.

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