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Praxiskurs im Realverkehr: Dabei soll klar werden, aus welchem Grund man an einer roten Ampel hält.

Verkehrserziehung für junge Flüchtlinge an der Dachauer Berufsschule

Warum hält man an der roten Ampel?

Überall Schilder und Ampeln, und keine Ahnung, was das alles bedeuten soll? So geht es vielen Flüchtlingen. Deshalb gibt die Dachauer Berufsschule ihren Integrationsklassen Verkehrsunterricht. Denn zum Leben in Deutschland gehört das Beachten der Verkehrsregeln dazu.

„In Deutschland stehen einfach überall Schilder in vielen Farben. Keine Ahnung, was die mir sagen sollen“, meinte ein junger Syrer vergangenes Jahr. Die Berufsschule Dachau hatte darauf die Idee, Flüchtlingen Unterricht in Verkehrssicherheit zu geben. Dieses Projekt hat nun in Kooperation mit der Polizei und mit finanzieller Unterstützung der Sparkasse Dachau statt gefunden. Die Aktion „Verkehrssicherheit – ein Projekt für berufsschulpflichtige Asylbewerber und Flüchtlinge“ soll unsicheren jungen Menschen Theorie und Praxis des Straßenverkehrs näher bringen und so für mehr Sicherheit sorgen.

Die Schüler, alles junge Männer, sind jedenfalls begeistert. Sie stammen ursprünglich aus dem Senegal, Eritrea, Mali, Sierra Leone, Pakistan und Uganda – jetzt wohnen sie über den ganzen Landkreis Dachau verteilt. Gemeinsam mit vier Begleitlehrern und Polizeibeamten sind sie bereit für die Radtour in die Stadt, eingekleidet in gelbe Warnwesten. Sie lernen im Gänsemarsch das Linksabbiegen mit Handzeichen und wie das Rad korrekt durch die S-Bahn Unterführung geschoben wird.

Dabei werden die meisten die nun gelernten Regeln erst einmal gar nicht anwenden können: Auf dir Frage, wer überhaupt ein Rad besitzt, antwortet nur einer stolz: „Ich habe eins.“ Alle andern schütteln den Kopf. Sie finden das Projekt aber trotzdem gut, und freunden sich langsam mit der Idee an, Fahrrad zu fahren: „In Deutschland ist Fahrradfahren besser als in Afrika“, sagt einer.

Die Idee zu dem Projekt entstand auf einem Klassenausflug. Vergangenes Jahr gab es schon eine kleine Theorieeinheit im Unterricht. Schnell war jedoch klar, dass es auch Praxisunterricht geben muss. Im Rahmen des Lebenskundeunterrichts entstand schließlich das große Projekt. „Seit Mitte Mai haben unsere Integrationsklassen nun Unterricht zur Verkehrstheorie“, erzählt Isabelle Bichler. Nun hat auch die praktische Ausbildung begonnen. „Hier achten wir besonders darauf, dass die Schüler Gefahren erkennen und auch ein Gefühl dafür entwickeln, wo es welche geben könnte“, so die Projektleiterin. Denn die Flüchtlinge sind oft blutige Anfänger: „Wenn sie überhaupt schon einmal Fahrrad gefahren sind, dann ohne Regeln und Gefahrenbewusstsein“, so Polizeihauptkommissar Richard Wacht. „Zuerst einmal ist die Verkehrserziehung gleichgestellt mit der normalen Jugendverkehrsschule in der vierten Klasse.“

Anschließend folgt die praktische Ausbildung mit einer Einheit am Verkehrsübungsplatz in Dachau-Süd sowie einer einstündigen Einheit Realverkehr in der Stadt. Bewusst wurden auch brenzlige Abschnitte wie die Münchner oder die Bahnhofstraße in die Radroute mit eingebaut. Hier wird vor allem das „Warum“ erklärt: „Es soll klar werden, aus welchem Grund man an einer roten Ampel hält“, sagt Kommissar Wacht.

Daneben steht die motorische Übung im Mittelpunkt. Ein gewisses Risiko müsse dabei eingegangen werden, stellt Wacht klar. Allerdings erziele man eben so den besten Lerneffekt. „Wie in jeder anderen Klasse auch gibt es Stärkere und Schwächere“, berichtet Wacht. „Insgesamt gibt sich aber jeder in der Gruppe Mühe.“ Auch aus der Dachauer Bevölkerung kommen überwiegend positive Rückmeldungen: „Ich kann mich an keine Aktion erinnern, bei der mir auf der Straße mehr erhoben Daumen gezeigt wurden“, schmunzelt der Poizeihauptkommissar.

Das Ziel sei laut Schulleiter Johannes Sommerer, die jungen Menschen nach zwei Jahren als „gut integriert“ in eine Berufsausbildung schicken zu können. Da ist das Projekt einfach eine Hilfestallung, so Sommerer: „Beim Verkehrsprojekt ist die Kommunikation und der Austausch das A und O – und so dient es hier auch als Mittel zum Zweck.“

Susanne Just

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