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Verschollenes Kunstwerk entdeckt

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Erwin Borgwardt arbeitet an der Skulptur seiner Familie.  kn
Erwin Borgwardt arbeitet an der Skulptur seiner Familie. kn

Dachau - Jahrzehntelang verschollen, ist sie plötzlich wieder aufgetaucht: die unvollendete Lindenholzskulptur des 1979 verstorbenen Bildhauers Erwin Borgwardt. Sie wurde im Bauhof „entdeckt".

Viele Dachauer haben sich jahrzehntelang nach dem Verbleib der aus Lindenholz geschnitzten Skulptur gefragt, die viele Jahre im Bogenparterre des Wasserturms gestanden hat. Dort, wo der Künstler zuletzt an ihr gearbeitet hatte. Plötzlich war sie weg, keiner wusste, wo sie abgeblieben war. Manche vermuteten sie 3,20 Meter hohe Statue im Speicher der stillgelegten Schlossbergbrauerei, andere im Bauhof.

Und tatsächlich: Dort wurde sie nun aufgefunden, nachdem die Nachkommen des Künstlers jahrelang mühsame und erfolglose Recherche betrieben haben.

Soviel steht fest: In der Freinacht zum Osterfest 1980, haben ein paar Scherzbolde (und es können angesichts des zentnerschweren Objektes nicht wenige gewesen sein) die Borgwardt-Skulptur vor die Flaschenabfüllerei der Schlossbergbrauerei transportiert und, mit Plakaten ausgestattet, vor dem Rollgitter platziert. Da stand zu lesen: „Neueröffnung - Im Zuge des Stadtentwicklungsplanes plant (baut) die Grosse Künstler-Kreis-Stadt Dachau ein Obdachlosenasyl für vernachlässigte Kunstgegenstände in den Katakomben der Schlossberg Brauerei“.

Der Bauhof hat die Figur, die ein Ehepaar und vier Kinder verschiedenen Alters zeigt, zurückgebracht - in den Wasserturm. Doch irgendwann war sie weg. Die Jahreszahlen dazu differieren, und sogar posthume Attacken auf den Künstler, der für manche Bürger ein „Sonderling“ war, wurden nicht ausgeschlossen.

Die Nachfragen der älteren Tochter des Künstlers, Christiane Borgwardt, die sie im Abstand einiger Jahre an den damaligen Kulturreferenten Heinz Rauffer, an den Bauhof sowie den Wasserturm-Verein richtete, blieben ergebnislos und ohne Rückmeldungen. Umso mehr freut sie sich heute, dass mit der wiederaufgefundenen Holzskulptur die Möglichkeit besteht, das Andenken an das Kunstschaffen Erwin Borgwardts zu bewahren. Denn mit seinen Schneeskulpturen und der phantasievollen Gestaltung atemberaubender Wagen beim Dachauer Faschingszug schuf er eigentlich nur kurzlebige und vergängliche Kunst.

Tobias Schneider, Leiter des Kulturamtes, verriet, dass es eine Notiz im Kulturamt gibt, nach der eine Besichtigung der Holzskulptur im Wasserturm von 1998 stattgefunden hat. Per E-Mail wurde im Februar gebeten, die Borgwardt-Skulptur zum Schutz vor der Witterung im Bauhof einzulagern. Dort wurde der Bauhofreferent Helmut Höfelmaier vor kurzem fündig. Gemeinsam mit dem Kulturreferenten Dr. Dominik Härtl hat er beantragt, die Restaurierungskosten für die Borgwardt-Skulptur festzustellen.

In der Kulturausschusssitzung am vergangenen Mittwoch wurde die Kostenschätzung von mindestens 15 000 Euro vorgelegt und der Beschluss gefasst, den Betrag in den Haushaltsentwurf 2014 einzuarbeiten. Weitere Schritte sollen in der Haushaltsberatung überlegt werden. Es gab bereits Vorschläge, die Skulptur als Kunst am Bau in künftigen Neubauprojekten - etwa dem Hallenbad Dachau oder des Kinderhauses - zu berücksichtigen.

Das wäre eine Idee, die den Familienangehörigen sehr zu Pass käme: Immerhin sei „eine Familie abgebildet, und Familie sei das Schönste und Wichigste auf der Welt“, sagt Michaela Borgwardt, die jüngere Tochter des Künstlers. Sie weiß auch, dass ihr Vater zu Lebzeiten damit geliebäugelt hatte, den Wasserturm zu seiner Wohnstatt zu machen.

Weil die Skulptur dort so viele Jahre verbracht hat, macht sich Karin-Renate Oschmann, die Vorsitzende des Wasserturm-Vereins für eine Rückkehr dorthin stark. Sie meint: „Der Wasserturm ist doch irgendwie die Heimat der Holzskulptur.“

Annemarie Donaubauer

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