Ab und an war es auch mal hitzig: (von links) Christian Schnorbusch (Julis), Blasius Thätter (CSU, mit Sonnenbrille wegen einer Augen-Operation), Moderator Markus Erhorn (JFW), Florian Hartmann (SPD), Luise Krispenz (Grüne) und Sebastian Leiß (JFW) diskutierten, vor allem mit dem Publikum, im Dachauer Adolf-Hölzl-Haus über die Studiengebühren. Foto: dg

Vier Jungpolitiker und ein alter Haudegen

Dachau - Klartext wollten vier Jungpolitiker und ein alter CSU-Hase aus dem Landkreis zum Thema Studiengebühren reden. Und genau den forderte das Publikum bei der Podiumsdiskussion - und erweckte so eine hitzige Debatte.

Bis zum 30. Januar ist noch Zeit. Dann entscheidet die Zahl der Unterschriften, ob aus dem Volksbegehren zur Abschaffung der Studiengebühren ein Volksentscheid wird. Nun hatten die Jungen Freien Wähler zu einer Podiumsdiskussion ins Adolf-Hölzl-Haus geladen. „Jetzt wird Klartext gesprochen“ lautete das Motto der bunten Gesprächsrunde.

Die Diskussionsteilnehmer: die Jugendreferentin des Dachauer Stadtrats Luise Krispenz (Grüne), SPD-Stadtrat Florian Hartmann, Julis-Bezirksvorsitzender Christian Schnorbusch und Sebastian Leiß für die JFW - allesamt studieren aktuell selbst oder haben den Abschluss seit kurzem in der Tasche. Hinzu kam der langjährige Landtagsabgeordnete für die CSU, Blasius Thätter, der 2005 mit der CSU-Fraktion für die Einführung der Studiengebühren gestimmt hatte.

Die Fronten waren schnell klar: ganz wie im Landtag. Jedenfalls, was Krispenz, Hartmann und Leiß anging. Sie argumentierten für die Abschaffung der Beiträge. „Ich sehe viele Kommilitonen, die wegen der Studiengebühren schwer am Rad drehen“, berichtete Krispenz. „Ohne die Finanzierung durch meine Eltern könnte ich auch das Ehrenamt im Stadtrat nicht wahrnehmen“, fügte die Jugendreferentin hinzu und bemängelte außerdem, dass die Studienzeit wegen notwendiger Nebenjobs hinausgezögert werden müsse.

Florian Hartmann folgte dieser Argumentation und gab zu: „Wenn ich es selbst hätte finanzieren müssen - ich hätte nicht studiert.“ Applaus von den gut 30 Gästen erhielt er außerdem für den SPD-Slogan „Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen“. Sebastian Leiß ging noch weiter: „Die Studiengebühren tragen nicht zur Verbesserung der Studienbedingungen bei“, behauptete der Student. Die bayerischen Universitäten seien auch ohne Studiengebühren gut genug ausgestattet.

Den drei Studienbeitragsgegnern konterte Christian Schnorbusch mit sozialer Gerechtigkeit: „Es ist nicht sozial, dass die Sekretärin durch ihre Steuern das Studium des Chefs bezahlen soll.“ Für den Jungliberalen steht fest: „Dass jemand aus finanziellen Gründen nicht studieren kann, stimmt nicht.“ Das Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög) und Studienbeitragsdarlehen seien Unterstützung genug.

Im Vergleich mit den Bildungskosten im Kindergarten- und Grundschulbereich bezeichnete Schnorbusch die Studiengebühren gar als „Luxusproblem“ - und zog damit den Unmut der Zuhörer auf sich. Genau wie der FW-Vorsitzende Dr. Edgar Forster, der sich in einer Wortmeldung zwar zur Abschaffung der Beiträge bekannte, dem Thema aber gleichzeitig die große Bedeutung absprach: „Die Welt geht davon nicht unter.“ Denn das Publikum, das weniger aus Studenten, sondern mehr aus besorgten Eltern und Großeltern bestand, beteiligte sich rege an dem argumentativen Schlagabtausch.

Und Blasius Thätter? Der erfahrene CSU-Politiker wand sich nicht nur wegen seines Sitzplatzes zwischen Schnorbusch und den Beitragsgegnern zwischen den Fronten hin und her. Aus einem „man kann über die Abschaffung reden“ wurde im Verlauf der Diskussion - und auf Nachfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Martin Güll aus dem Publikum - das Bekenntnis: „Persönlich bin ich für eine Abschaffung.“ Doch das Aber folgte sofort: „Dann gibt es viele Dinge, die noch geändert werden müssen.“ Er wies etwa auf das Missverhältnis zur teuren Meisterausbildung hin.

Wie es mit den Gebühren nun weitergeht, entscheidet zuallererst der Ausgang des Volksbegehrens - und bisher sieht es da nicht so gut aus. „Es gibt noch viel zu tun“, erklärte Güll der Runde. Er ist einer der Initiatoren des Bündnisses gegen die Studiengebühren, und bisher, so Güll, liege die Zahl der Unterschriften vor allem in Dachau und Karlsfeld klar unter den Erwartungen. Aber: Noch ist ja Zeit - ein paar Tage.

(Dominik Göttler)

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