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Kandidatensuche , v.l.: Gemeinderat Gerhard Pechler (Reinhard Scheitler), Bürgermeister Harry Dirlenbach (Johann Zeiner) und „Busch“ (Magdalena Leibhard). 

Derblecken im Sportheim

Ein Schmankerl für die Zuschauer: Beim Vierkirchner Starkbierfest doubeln Theaterer Kommunalpolitiker

Nichts ist in Vierkirchen wie in anderen Gemeinden. Da wohl kein Gegenkandidat gegen Bürgermeister Harald Dirlenbach in den Ring steigen wird, inszenierten die Theaterer beim Starkbierfest eine besondere Show.

Vierkirchen –. Beim traditionellen, wieder ausverkauften Starkbierfest mit Kommunalpolitiker-Derblecken präsentierte deshalb die Theatergruppe Vierkirchen vor 350 begeisterten Besuchern im Sportheim etliche mehr oder weniger geeignete Kandidatinnen und Kandidaten.

Dazu diente ein aufgebauter Boxring mit „roter“ und „schwarzer“ Ecke, in dem eine Vielzahl von Bewerbern parodiert wurden. Dabei wurden in Nockherberg-Manier mit der schwungvoll aufspielenden Blaskapelle Vierkirchen vor allem Gemeinderatsmitglieder gedoubelt. Gestik, Mimik und Outfit der Opfer wurden von 15 Theaterern – teilweise in Doppelrollen – verblüffend ähnlich dargestellt.

Für die Verwandlung der Darsteller leistete Maskenbildnerin Daniela Röhner wieder hervorragende Arbeit. Als Michael Buffer, weltbekannter Box-Ansager, Ringsprecher und Entertainer, fungierte eindrucksvoll Martin Seitz mit dem lautstarken „Ladies and Gentlemen, let’s get ready to rumble“, assistiert von Michael Grimmer, Josy Samstag, Andrea Hendlmeier und Birgit Holzer (alle Beschäftigte in der Gemeindeverwaltung) sowie Alexander Scheitler, Chrissy Bestle und Spielleiter Mario Eichinger.

Hinweis von Michael Grimmer an die Besucher: „Wer Interesse an einem Job in der Gemeinde hat, sollte vorher unbedingt Mitglied in der Theatergruppe werden. Ich weiß, wovon ich spreche.“ Weitere Darsteller sind Jutta Scheitler, Daniela Röhner, Helga Stichlmeyr, Reinhard Scheitler und Rainer Jengkofer.

Gefrotzelt wird gleich zu Beginn über Landrat Stefan Löwl, weil der beim vergangenen Starkbierfest einen hochrangigen Botschaftsangehörigen als Gast dabei hatte. Protagonist, Ideengeber und Autor Mario Eichinger: „Die Sicherheitskräfte und die Spürhunde sorgten für eine unvergessliche Starbierfest-Atmosphäre, danke, lieber Stefan!“

Dem Exbürgermeister Günter Fuchs aus Petershausen wird der Wahlslogan „sei nicht fad (Fath) – wähle Fuchs“ wärmstens empfohlen. Dann könnte es klappen mit „higwählt – abgwählt – wieder gwählt“. In der linken roten Ecke dann der mit Spannung erwartete Auftritt des „ungeschlagenen Schwergewichts-Bürgermeister in der Ü150-Gewichtsklasse“ Harry Dirlenbach (Johann Zeiner köstlich launig, hintersinnig und -fotzig), genannt der „Rote mit dem schwarzen Sakko“, seiner Lieblingsbekleidung. Und wie immer an seiner Seite sein CSU-Freund Josef Göttler, genannt „Busch“ oder auch „Frau Bürgermeisterin“: Magdalena Leibhard stellt gekonnt den stets „zappeligen Busch“ als grüne Topfpflanze mit Gesicht dar.

Beide sind „ziemlich beste Freunde wie Hubert und Staller, Winnetou und Old Shatterhand, Don Camillo und Peppone, Dick und Doof und Bud Spencer und Terence Hill“. Das Café neben dem Rathaus ist ein beliebter, fast täglicher Treffpunkt der Freunde. Dort bestimmen sie im Einvernehmen mit der Verkäuferin Anita die Richtlinien der Kommunalpolitik in Vierkirchen. Das Café mutierte zur „Regierungszentrale“.

Kämpfen würde der Amtsinhaber „am liebsten gegen jemand aus Giebing“. Denn das „vermaledeite Drecksfahrzeug für Giebing“, das neue Feuerwehrfahrzeug, bereitete ihm großen Verdruss.

Außerdem gab es bei der jüngsten Bürgerversammlung im Feuerwehrhaus Giebing zum Ärger der Kommunalpolitiker, Besucher und vor allem des „Roten mit dem schwarzen Sakko“ keine Brotzeit.

Der Kampf gegen die eigenen Gesichtsmuskeln ist anschließend bei den begeisterten Besuchern gefragt, als eine Vielzahl von Kandidaten im Ring lustig jeweils als glänzende Doubles präsentiert werden. Bei allen werden jedoch die Erfolgsaussichten als äußerst gering eingestuft. Nur dem CSU-Gemeinderat und Bauunternehmer Siegfried Nefzger räumt man Chancen ein, „weil er der einzige ist, der eine Ahnung hat“. Aber der könnte mit einem Sieg gar nicht umgehen, „weil er nur Niederlagen gewöhnt ist“ (verlorene Wahlen zum 2. und 3. Bürgermeister). Vom Ring aus fordert Amtsinhaber Harry den im Publikum sitzenden Sigi auf, auf eine Kandidatur zu verzichten. „Wir machen einen Deal, du wirst dann 2. Bürgermeister, wir sind doch in Bayern, oder, CSU-Sigi?“

Zum Ausklang der überaus unterhaltsamen Vorstellung ertönt dann unter Einbeziehung des Publikums das Lied „mia zwoa kehrn zam – ein Leben lang“ nach der Melodie von „Anita“ von Costa Cordales, professionell begleitet am Klavier von Walter Rubenwolf. Am Ende gibt es donnernden Applaus und stehende Ovationen.

Viel zu lachen gab‘s auch beim Starkbierfest der Pipinsrieder Musikanten. 

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