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Eine historische Aufnahme: Die Vierkirchner Gmoa-Hex’n im Gründungsjahr 2000.  

Gmoa-Hex‘n Vierkirchen

Auch nach 20 Jahren noch eine wilde Horde

Nicht mehr wegzudenken aus dem kulturellen Leben in der Gemeinde, zumindest was die närrische Zeit betrifft, sind in Vierkirchen die Gmoa-Hex’n. Zum 20. Mal treiben sie heuer am Unsinnigen Donnerstag ihr Unwesen.

Vierkirchen – Auch wenn schon früher einige Frauen als Hexen verkleidet unterwegs waren, offiziell gibt es die aus durchschnittlich zehn bis zwölf Frauen bestehende Gruppe seit 20 Jahren. Von der ursprünglichen achtköpfigen Hexen-Gilde sind immer noch ein paar aktiv. Eine, die als Oberhexe überall bekannt war, war die leider schon verstorbene, aber in ihrer fröhlichen Art unvergessene Anneliese Hang.

Seit vielen Jahren ist Silvia Huber aus Pasenbach mittlerweile nicht nur Organisatorin, sondern auch Oberhexe. Sie übernimmt am Unsinnigen Donnerstag obligatorisch den Rathausschlüssel. Es ist ein besonderes Ereignis, wenn die Hexen am frühen Vormittag „ausrücken“. Unter großen Hüten und mit schwingenden Besen zieht die schwarz-rote Schar unüberhörbar zum Metzger, zur Sparkasse, zu den beiden Kindergärten, zum Bäcker – und auch das Pfarramt bleibt nicht verschont.

Gegen 10.30 Uhr stürmt die wilde Horde dann das Rathaus, wo Bürgermeister Harald Dirlenbach und seine Stellvertreter Josef Schindlbeck und Josef Leichtmann demütig warten. Wie immer werden sie mit originellen, selbst gedichteten Liedern überrascht. Dazu warten einige knifflige sportliche und geistige Herausforderungen auf sie.

Die vergangenen drei Jahre wurden die Hexen bei ihren Auftritten von Altbürgermeister Heinz Eichinger begleitet und auch „kommandiert“, wie sie scherzhaft sagen. Gerne erwähnen sie, dass es in all den Jahren zwischen den Verantwortlichen im Rathaus und den Hexen immer recht harmonisch zuging. Auch wenn sie bei ihren Auftritten manch Begebenheit aus dem Gemeindeleben vorzubringen haben, die Vierkirchner Gmoa- Hex’n sehen sich als recht friedlich an, insbesondere wollen sie bei den Kindern Freude und nicht Angst verbreiten.

Obwohl man schon im Rathaus mit Sekt und Imbiss gut versorgt wird, geht es anschließend in die Sportgaststätte, wo die Kommune ein Mittagessen spendiert. Hier dürfen sich die Hexen alljährlich auch auf den Auftritt der Prinzengarde aus Fahrenzhausen-Kammerberg freuen.

Wenn auch schon etwas „geschlaucht“, werden am Nachmittag verschiedene Geschäfte im Gewerbegebiet heimgesucht. Besonders freuen sich die Bewohner im Seniorenheim, wenn die schaurig-schönen Damen vorbeischauen. Der Hexen-Tag ist dann aber noch lange nicht zu Ende. Zum Abschluss geht es im Sportheim beim Weiberball noch mal rund.

Die Vierkirchner Hexen haben viel zu erzählen aus ihrer 20-jährigen närrischen Tradition. Etwa, dass das Rathaus am Unsinnigen Donnerstag für sie nicht nur schon von außen gut sichtbar in Schriftform in ein „Hexnhäusl“ umgewandelt wird, und dass es drinnen für sie extra einen Hexenbesenparkplatz gibt.

Auf die Frage, ob es nie einen Vorfall gegeben habe, der ihnen nicht gefallen hat, kam schnell die Antwort: „Unser selbst angefertigter Hexenzebrastreifen samt Hinweisschild für den gefährlichen Straßenübergang beim Grieser ist uns vor etlicher Zeit abhandengekommen.“ Und das Wetter: „Mei, wir waren schon bei Schneetreiben, Starkregen und fast sommerlichen Temperaturen unterwegs, da sind wir flexibel.“

Die Vierkirchner Gmoa-Hex’n bestehen aktuell aus Silvia Huber, Marion Göttler, Manuela Fröhlich, Geli Mayer, Birgit Schreiber, Manuela Grimm, Uschi Raucheisen, Claudia Berger, Ingrid Meyerhofer, Helga Stichlmeyr und Petra Lauterbach.

Wer die Hexen-Power am Unsinnigen Donnerstag nicht sehen kann, ein Tipp: Selbstverständlich sind sie auch beim Faschingsumzug am Samstag dabei – unüberseh- und -hörbar stets gleich hinter der Gemeinderatsgruppe.

Und wenn das aktuelle Hexentreiben vorbei ist, freuen sie sich schon auf den November, denn da beginnt immer die Vorbereitung auf die neue „Hexensaison“. Schon bei den Vorbereitungstreffen und Proben, wo das obligatorische „Hexenwasser“ in Sektform nicht fehlen darf, geht es meist recht lustig zu, die Vorfreude auf den nächsten Unsinnigen Donnerstag steigt Woche für Woche.

Auch wenn man stets neue Lieder textet, der Schlachtruf ist immer der gleiche: „Mia Hex’n sauffa ex!. Olles, was ma sauffa kenna, soi durch unsa Gurgl rinna! Hex, Hex, Hex.“

Heinz Nefzger

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