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Nein, dieses Foto ist nicht uralt. Der Burschenverein Pasenbach hat sich nur im Stil des 120 Jahre alten Originalbilds ablichten lassen.

Verein vor 120 Jahren gegründet

Pasenbacher Burschen feiern drei Tage lang!

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Die Pasenbacher Burschen feiern ihr 120-jähriges Bestehen – gemeinsam mit dem 1200-jährigen Ortsjubiläum. Ein Rückblick auf frühere Zeiten, als der Pfarrer noch zu den Burschentreffen kam.

Schneidig schauen die Burschen auf dem Gründungsbild von 1899 aus, mit Anzug, Weste, Hut und Steinkrug. Zwischen ihnen steht eine Tafel in der Mitte: „1899: Hoch leben die lustigen Burschen von Pasenbach“. Erst ein paar Jahrzehnte zuvor, um 1826, war das erste Foto überhaupt geschossen worden, es war die Zeit der Industrialisierung, König Otto I. regierte Bayern. In diesen Zeiten – vor genau 120 Jahren – gründete sich der Vorläufer des heutigen katholischen Burschenvereins (BV) Pasenbach. Und das wird heuer mit einem dreitägigen Gründungsfest gefeiert.

Heute hat der Verein 35 Mitglieder aus Pasenbach, Vierkirchen und Indersdorf, sagt Burschen-Pressesprecher Christoph Keck (22). Die Zeit im Verein ist begrenzt: „Die Älteren treten bei der standesamtlichen Hochzeit aus“ – derzeit ist der jüngste Bursch 15 Jahre alt, der älteste 32. Was die Burschen von heute und früher verbindet? Der Wunsch nach Gemeinschaft.

1899 haben sich die Pasenbecka Burschen erstmals zusammengeschlossen „aus dem Grundgedanken an die Gemeinschaft und dem geselligen Zusammensein“, sagt Keck. Etwa zehn Jahre danach wurde der BV-Vorläufer dann offiziell gegründet, zunächst als Stopselverein. Zwei Jahre später wurde daraus ein katholischer Burschenverein – mit eigener Fahne. Aber: „Das Hitler-Regime brachte den Verein zum Erliegen, die Fahne musste in der Kirche versteckt werden“, hat Keck in der Vereinschronik recherchiert.

Das Originalbild von 1899: „Hoch leben die lustigen Burschen von Pasenbach“, steht auf der Tafel. 

Als der Zweite Weltkrieg vorbei war, gründete Vierkirchens Pfarrer Andreas Brädl den Verein neu – das war 1947: Georg Schaller wurde damals zum Vorsitzenden gewählt. Die Verbindung zur Kirche blieb eng: In den 50er und 60er Jahren war der Pfarrer sogar bei den Burschenversammlungen dabei, dort erzählten Kriegsheimkehrer, was sie durchgemacht hatten, Burschenlieder wurden gesungen, und der Pfarrer gab Ratschläge zum Eheleben. Heute sei es undenkbar, dass ein Geistlicher bei der Burschenversammlung mit dabei ist, sagt Keck: „Der hat ja einen wahnsinnigen Stress, weil er für Vierkirchen, Weichs und Petershausen zuständig ist.“

Dennoch sei der Verein auch heute noch „katholisch verwurzelt“. In der Vereinssatzung steht zum Beispiel, dass nur katholische Mitglieder aufgenommen werden. Aber in der Realität werden auch Mitglieder anderer Konfessionen Pasenbacher Burschen. Einiges hat sich eben in der Historie der Burschen verändert. Ab 1948 führten die Burschen zum Beispiel jedes Jahr ein Theaterstück auf: „Ein ungeschriebenes Gesetz war, dass nur unverheiratete Männer und Frauen mitspielen durften, die unter 40 Jahren waren.“ Diese Tradition hörte sich allerdings 1997 auf.

Andere werden bis heute gepflegt, zum Beispiel das Maibaumaufstellen, Dorffest organisieren, Faschingswagen bauen oder Osterfeuer zusammenfahren: „Wir stellen zusammen etwas auf die Beine, das verbindet uns einfach“, sagt Keck. 1990 kam ein Projekt mehr für die Burschen dazu: das Pasenbacher Hallenfest. Doch: Fast 30 Jahre danach werde die Party zunehmend zur Herausforderung – wegen der vielen Auflagen des Landratsamtes, so Keck: „Da muss man Brandschutzvorschriften und Fluchtwege beachten, teure Securitys engagieren und das Veterinäramt kommt vorbei, um die Hygienestandards zu überprüfen.“ Und trotzdem lassen es sich die Burschen nicht vermiesen. Und feiern mit der Mädchengruppe Pasenbach bald eine noch größere Party: ihr Gründungsfest!

Und dafür werden sich die Burschen von heute fesch herausputzen, ähnlich wie die Burschen von damals – nur heute mit Lederhose und Trachtenweste. Keck wünscht sich: „Dass es ein friedliches Fest wird, die Stimmung hervorragend ist und unser Verein noch lange bestehen bleibt.“ Sonst würde es mit den Traditionen in Pasenbach wohl schlecht ausschauen, ist er überzeugt.

Das Gründungsfest

des Burschenvereins Pasenbach steht unter dem Motto „Fahnenweihe Pasenbach – Ist sie zu stark, bist du zu schwach“. Feierstart ist am Tag vor Fronleichnam am Mittwoch, 19. Juni, mit dem Hallenfest. Das 1200-jährige Ortsjubiläum wird am Freitag, 21. Juni, gefeiert, mit der Gstanzl-Sängerin Renate Maier und einem Theaterstück mit Einheimischen und Barbetrieb. Höhepunkt ist der Festsonntag am Sonntag, 23. Juni, mit der Band Pitch Black, Gottesdienst und einem Festumzug.

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