Ein Mann schwimmt im Wasser
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„Das ist unendlich schön!“: Christian Seebauer schwimmt fast täglich in der Amper. Das Schwimmen gibt ihm eine große Kraft und Ruhe.

Er findet das Glück im eiskalten Fluss 

Vierkircher geht jeden Tag schwimmen - sogar im Winter

  • Thomas Zimmerly
    vonThomas Zimmerly
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Der Vierkircher Christian Seebauer bezeichnet sich zwar selber als „Warmduscher“, trotzdem geht er fast jeden Tag schwimmen: Und das im Sommer sowie im Winter.

Vierkirchen – Einfach mal in einen See, Bach oder Fluss hüpfen. Das machen sehr viele Kinder gerne. Auch Christian Seebauer sprang als Bub in seinem Heimatort Prien in den gleichnamigen Fluss. Heute, mit 53 Jahren, schwimmt er fast jeden Tag. Sommer wie Winter. Bei Sonnenschein oder Schneefall.

Mittlerweile lebt Christian Seebauer in Vierkirchen. Sein Lieblingsgewässer ist nun die Amper. Derzeit hat sie um die zwei Grad, wie er gemessen hat. „Das ist schon kalt“, meint er. Trotzdem zieht er nur auf längeren Strecken am Wochenende mal einen „Shorty“ an. Ein Shorty, das ist ein Neoprenanzug mit kurzen Armen und Beinen. Viel lieber schwimmt Christian Seebauer ohne Neopren.

„Ich habe viele Stellen in der Amper, an denen ich schwimme“, sagt er. Oft fährt er mit dem Auto zu seinen Einstiegsstellen – etwa bei Haimhausen oder am Amperwehr bei Großnöbach. Aber Seebauer benutzt auch gerne das Mountainbike. Danach joggt er barfuß stromaufwärts, bevor er in den Fluss steigt. Seebauers Familie, Ehefrau Conny und die beiden Töchter (15 und 17 Jahre alt), haben Verständnis für Christians Leidenschaft. Hund Emma ist sogar so sehr Fan, dass sie mit ins Wasser springt und schwimmt. Ist Seebauer mal im Fluss drin, legt er im Sommer gerne zehn Kilometer zurück, im Winter freilich nur so um die 1,5 Kilometer.

Wenn man das liest, stellen sich einem zwei Fragen: Wie hält Seebauer das aus? Und warum macht er das?

Auch barfuß Joggen gehört zu Christian Seebauers Programm.

Er mache das keineswegs, um Aufmerksamkeit zu erlangen, meint Seebauer vorneweg. Und eigentlich „bin ich ein Weichei und ein Warmduscher – kalt duschen kann ich nicht“. Doch wenn er in diesen Tagen in die Amper hüpft, „dann macht mir das nichts mehr aus“, sagt er. Man gewöhne sich schnell daran, denn der Mensch an sich friere nicht so schnell, er halte was aus, so der „Warmduscher“. „Zum anderen wird es im Laufe der Zeit auch eine sehr meditative Sache“, erklärt er. Und: Er schwimmt mit der Strömung, sodass er für 1,5 Kilometer „nur“ zehn bis 15 Minuten braucht.

Wenn jetzt aber einer auf die Idee kommen sollte, es dem Vierkircher einfach so nachzumachen, der sollte bloß Obacht geben. Seebauer erklärt, warum: „Ein Ungeübter würde schnell nach Luft schnappen, mit der Gefahr, dass er eiskaltes Wasser schluckt. Der Adrenalinspiegel und der Herzschlag könnten bei Ungeübten sprunghaft in die Höhe steigen und alle möglichen Panikreflexe können ebenso schnell lebensgefährlich werden. Besonders im fließenden Wasser sollten Ungeübte auf keinen Fall leichtfertig und niemals allein schwimmen.“

Aber auch für Christian Seeberger gibt es Tage, wo er den Fluss meidet. Jedes Mal, wenn er am Ufer steht, beobachtet er die Amper. Gibt es nach Regenperioden gefährliche Strudel? Führt der Fluss Totholz mit sich? „Dann“, meint er, „gehe ich da nicht rein.“

Bleibt noch die Frage nach dem „Warum“! „Es gibt eine schnelle Antwort: die Natur spüren. Das ist unendlich schön“, sagt er. „Und es gibt noch eine tiefergehende Antwort: Ich bin als Künstler auf die Welt gekommen. Und ich muss mit Depressionen umgehen. Das Schwimmen gibt einem eine große Kraft und Ruhe. Es hilft mir Lösungen zu finden, um auf eine sehr gute Art das Leben zu gestalten. Wenn du aus dem Wasser steigst und dann in die Arbeit gehst, ist das ideal“, sagt der selbstständige Webdesigner. Auch anderen wünscht er „statt großer Fahrten hin- und wieder einmal die nähere Heimat zu erkunden und das Glück direkt vor der Haustür zu finden“.

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