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Auszeichnung für innovatives Unternehmen: Bei Micronova sind mehr Männer als Frauen in Elternzeit

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Für eine vorbildliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf gab es den „Partnerstein“ der Frauenunion. Auf dem Bild von links: Unternehmensgründer und Aufsichtsratschef Josef W. Karl, Landtagspräsidentin Ilse Aigner, Vorstandsvorsitzender Orazio Ragonesi, Vorstand Dr. Klaus Eder, und Gabriele Gerstl, stellvertretende Kreisvorsitzende der Christlich-Sozialen Arbeitnehmer-Union Dachau. © og

„Work-Life-Balance“, Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Die Firma Micronova geht hier beispielhaft voran - dafür gab es  den Partnerstein der CSU-Frauenunion.

Vierkirchen – Seit 2006 verleihen die CSU-Frauen diesen Preis gemeinsam mit der Mittelstandsunion und der Christlich-Sozialen Arbeitnehmerschaft an Unternehmen im Landkreis Dachau, die sich besonders um die Vereinbarkeit von Beruf und Familienleben verdient machen. Und die hat sich das System- und Softwarehaus Micronova mit Hauptsitz in Vierkirchen ganz besonders auf die Fahnen geschrieben.

Eine Zahl verdeutlicht den Anspruch des Unternehmens besonders: Aktuell sind mehr Männer als Frauen in Elternzeit. Das ist im Vergleich mit anderen Firmen ungewöhnlich und ist nicht nur auf den traditionell hohen Männeranteil in einem Technologieunternehmen zurückzuführen. Christine Unzeitig, Kreisvorsitzende der Mittelstandunion, spricht von einem Generationenwechsel. Die „Generation Z“, also die um die Jahrtausendwende Geborenen, würden neue Herausforderungen mit sich bringen. Mehr Zeit für die Familie sei heute auch ein Anliegen vieler Männer, persönliche Wertschätzung sei oft wichtiger als ein hohes Gehalt.

Bei Micronova versucht die Unternehmensleitung auf diese geänderten Prioritäten zu reagieren. Wer Elternzeit nimmt, zumal als Vater, wird hier nicht schräg angeschaut, sondern gefördert. Neben Gleitzeit- und Sonderurlaubsregelungen sind „Home Office“ und „Sabbaticals“, also vorübergehende Auszeiten, keine Fremdwörter. Wer mehr Zeit für Partner, Kinder oder pflegebedürftige Eltern haben will, kann zum Beispiel in Teilzeit wechseln.

So sparten die CSU-Vertreter bei der Verleihung des Partnersteins nicht mit Lob. Micronova sei das innovativste Unternehmen im Landkreis und „beispielgebend“ für andere Firmen, so der CSU-Kreischef und Landtagsabgeordnete Bernhard Seidenath. Wenn junge Männer den gleichen „Makel“ hätten wie Frauen, dass sie nämlich wegen der Kindererziehung eine Zeit lang wegbleiben könnten, dann sei Gleichberechtigung wirklich erreicht. Das sei vor gut 25 Jahren noch anders gewesen. Da habe man die Männer auch bei schlechteren Zeugnisnoten vorgezogen – schließlich könnten Frauen ja wegen einer Babypause ausfallen.

„Hut ab, dass ist mehr als würdigenswert“, befand auch Ilse Aigner. Die jetzige Landtagspräsidentin war jahrelang als bayerische Wirtschaftsministerin mit der Thematik befasst – und das war in ihrer Rede auch zu spüren. Wenn Unternehmen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf förderten, sei das auch ein Stück Eigennutz – schließlich ginge es darum, qualifiziertes Personal an die Firma zu binden. Umso wichtiger sei eine gute Betriebskultur. Das betreffe heute auch mehr Männer als früher. Gleich zwei ihrer Büroleiter hätten eine Babypause eingelegt. Daher wisse sie, dass das nicht immer einfach zu stemmen sei – dennoch hat sie die Entscheidung ihrer Mitarbeiter zur Elternzeit unterstützt.

Für Micronova selbst sind flexiblen Arbeitsmodelle „Schlüsselfaktoren“ für den Unternehmenserfolg. Man sei frei von Fremdfinanzierung und müsse nicht ausschließlich auf die Quartalszahlen achten – das schaffe die wirtschaftliche Grundlage, um den Mitarbeitern eine „Work-Life-Balance“ zu ermöglichen, so Vorstandschef Orazio Ragonesi. Auch wenn es nach wie vor einen vergleichsweise geringen Frauenanteil in technischen Berufen gebe, setze man bei den zentralen Diensten auf Frauen. Dazu gehören unter anderem die Bereiche Personal, Kommunikation oder Finanzen – hier liege der Frauenanteil bei fast 60 Prozent. Von den Führungskräften sind in diesem Sektor gut die Hälfte weiblich. Offenbar ist auch das einer der Gründe, warum das Unternehmen, das 1987 in einem Keller entstand, mittlerweile auf gut 280 Mitarbeiter bundesweit angewachsen ist.

VON OLIVER GIERENS

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