Die kümmerlichen Reste des Holzstapels, der am Samstag eigentlich ein Osterfeuer hätte werden sollen. Leider kamen Unbekannte dem Brauch zuvor.
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Die kümmerlichen Reste des Holzstapels, der am Samstag eigentlich ein Osterfeuer hätte werden sollen. Leider kamen Unbekannte dem Brauch zuvor.

Seit sechs Jahren

Brandgefährlicher Streich: Unbekannte entzünden Osterfeuer schon am Vorabend

  • Stefanie Zipfer
    VonStefanie Zipfer
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Der SC Vierkirchen will seine Tradition, am Karsamstag ein Osterfeuer zu veranstalten, nicht mehr fortführen. Grund: Seit nunmehr sechs Jahren entzünden Unbekannte jeweils schon am Karfreitag den Holzstapel, die Feier am Samstag fällt damit aus. Der Streich hat aber weit schlimmere Folgen als nur traurige Dorfbewohner: Er gefährdet auch die Natur!

Vierkirchen – Alt-Bürgermeister Heinz Eichinger beschreibt die Gefühlslage in Vierkirchen mit nur einem Wort: „Bitter“. Denn gerade die Kinder im Dorf, für die sowie deren Familien der SC Vierkirchen vor 15 Jahren angefangen habe, auf seinem Sportgelände am Karsamstag ein Osterfeuer zu entzünden, „hätten immer so eine Freude gehabt“!

Osterfeuer in Vierkirchen: Seit sechs Jahren entzünden Unbekannter Holz am Vorabend

Doch nachdem in den vergangenen sechs Jahren Unbekannte stets bereits am Karfreitag Abend das Gelände betreten und den Holzstapel entzündet hatten, reicht es den Organisatoren nun: „Wir haben keine Lust mehr“, formuliert es SCV-Vorstandsmitglied Klaus Fottner.

Das ganze Jahr über, berichtet Fottner, sammle der Verein das Schnittgut rund um den Fußballplatz, „ein ganz schöner Haufen“ komme da zusammen. Wie es die vom Landratsamt vorgeschriebenen Regularien vorsehen, hätte der Verein dann die Feuerstelle stets entsprechend gesichert und das Stapelgut kurz vor dem Entzünden noch einmal gewendet. Denn: In dem trockenen Geäst suchen regelmäßig kleine Tiere, vor allem Igel, Schutz. Durch das Wenden des Holzes können die Vierbeiner noch rechtzeitig vor dem Feuer an anderer Stelle Unterschlupf finden.

In den vergangenen Jahren aber fanden die Igel vermutlich den Feuertod im Vierkirchner Holzhaufen. Denn laut Fottner geht das Feuermachen am Vortag rasend schnell: „Die schütten einen Eimer Benzin drüber, schmeißen ein Streichholz rein, dann tut’s einen Schepperer und dann laufen die davon!“

Osterfeuer in Vierkirchen: Veranstalter erwischen Gruppe Burschen in flagranti

Dass Fottner dies so genau weiß, liegt daran, dass er und seine Kollegen vom SCV-Vorstand sich im Vorjahr auf die Lauer gelegt und eine Gruppe Burschen in flagranti erwischt hatten. „Ja ja, machma nimma“, sollen die Ertappten gesagt haben. Die SCV-Mannen um Klaus Fottner glaubten den Beteuerungen. Bis auch in diesem Jahr der – unbewachte – Holzstapel schon wieder einen Tag vor dem eigentlichen Termin niederbrannte.

Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler kann die Frage, ob es sich bei dem vorzeitigen Entzünden eines Osterfeuers um einen Brauch ähnlich dem Maibaumstehlen handelt, nicht eindeutig beantworten. Ja, sagt er, auch schon früher habe man „Wache stehen“ müssen vor den Holzstapeln, „damit den nicht irgendwelche Burschen vorher anzünden“. Fakt aber sei auch, dass „der Grundbrauch“ das Feuer sei, wobei es vor allem um die Pflege der Gemeinschaft und das gemeinsame Herrichten gehe. Mir diesen Argumenten, sagt der Experte, werde man derartige Streiche zwar nicht verhindern können, aber die Burschen „sollten schon auch beachten, was eigentlich die Grundidee hinter einer Veranstaltung ist“.

Osterfeuer in Vierkirchen vorzeitig entzündet: Folgen für die Umwelt

Altbürgermeister Eichinger sieht darüber hinaus auch einen gravierenden Unterschied zwischen dem Karfreitags-Feuer und einem Maibaumklau: Die Folgen seien ja ganz anders. Während eine Maifeier auch nach erfolgreichem Diebstahl stattfinden könne, sei das Holz nun mal unwiederbringlich abgebrannt – von den Folgen für die Umwelt ganz zu schweigen: „Allein wegen der behördlichen Vorgaben müsste das vorzeitige Anzünden eigentlich verboten werden.“

Wer in diesem Jahr schuld war am Ausfall des Osterfeuers wissen die Vierkirchner nicht. Fest steht: Kurz nachdem am Karfreitag beim SCV der Holzstapel mit Benzin übergossen und angezündet wurde, passierte Gleiches in Petershausen.

Andreas Stichlmeyr, Vorsitzender der Pasenbacher Burschen, betont zum einen, dass sein Verein – entgegen anderslautenden Gerüchten – nichts, aber auch gar nichts mit den Streichen in Vierkirchen zu tun habe. Zum anderen hält er das vorzeitige Zündeln auch nicht für Brauchtum: „Des macht ma ned.“

Dass das Osterfeuer seiner Burschen alljährlich stattfinden könne, liege schlicht daran, „dass wir das Holz immer erst am Samstag sammeln“. Auch im nächsten Jahr werde sein Verein so vorgehen; die Vierkirchner, bei denen ja nun vermutlich kein Feuer mehr stattfinden wird, seien daher herzlich nach Pasenbach eingeladen.

Ein weiteres Osterfeuer im Landkreis Dachau sorgte vor kurzem für Aufsehen: Seit 40 Jahren brennen die Arnbacher Burschen das Osterfeuer ab. Heuer untersagen die Behörden diese Tradition. Ein großes Feuer lodert normalerweise jedes Jahr zu Ostern an der Amper bei Schöngeising. Normalerweise – dieses Jahr aber steht ein Verbotsschild an der Stelle.

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