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Sesay Foday „Mutji“ kickt als Stammspieler beim SCV.

Vierkirchner kämpfen gegen die Abschiebung von Sesay Foday

„Mutji ist einer von uns!“

Der Asylbewerber Sesay Foday hat sich in Vierkirchen gut eingelebt. Seit zwei Jahren ist der 22-Jährige schon hier und gilt als Musterbeispiel für Integration. Doch dann – die Wende: Er soll in sein Heimatland abgeschoben werden. Seine Mitmenschen sind empört.

Vierkirchen – Ein Abschiebungsfall erhitzt die Gemüter in Vierkirchen: Der 22-jährige Sesay Foday, der von allen „Mutji“ genannt wird, soll in sein Heimatland Sierra Leone abgeschoben werden. „Er kann als Musterbeispiel für Integrationswilligkeit angesehen werden“, sagt Heinz Eichinger, ehemaliger Bürgermeister von Vierkirchen. Und genau darin würde ihm zufolge auch die Tragik der Situation liegen.

Der 22-Jährige ist laut Eichinger als exzellenter Fußballspieler bei der ersten Mannschaft des SCV integriert. Sesay Foday habe auch bereits schon mehrere Spielangebote von höherklassigen Vereinen bekommen. Er habe diese jedoch abgelehnt, da er eine moralische Verpflichtung zu Vierkirchen habe: Weil er hier so schnell und gut aufgenommen wurde, wolle er den Verein nicht verlassen. „Mutji ist in unserer Mannschaft nicht mehr wegzudenken, er ist ein erstklassiger Kicker und einer von uns“, berichtet Sebastian Hüttner, Trainer der ersten Herrenmannschaft des SCV. „Ich war sehr traurig, als ich gehört habe, dass er die Aufenthaltsgenehmigung nicht erhält,“ so Hüttner.

Fodays Heimat, Sierra Leone, wird als sicheres Herkunftsland eingestuft. Ob das Land sicher ist, bezweifelt der ehemaligen Bürgermeister Eichinger jedoch heftig. Schließlich würden dort Minderheiten wie Homosexuelle gedemütigt und verfolgt werden.

Sesay Foday hat sich jedoch nicht nur im sportlichen Bereich integriert. Auch in die Arbeitswelt wurde er bereits aufgenommen. „Er bildet sich weiter und spricht mehrere Sprachen“, berichtet Eichinger. Trainer Hüttner weiß, dass Foday bereits mehrere Praktika absolvierte und zur Zeit einen Ausbildungsvertrag bei der Softwarefirma „Compusafe Data Systems AG“ in München hat.

„Ich möchte Informatiker werden. Ich interessiere mich sehr für Computer“, erzählt der 22-jährige Asylbewerber. Darüber hinaus besuche er noch Deutschkurse an der Berufsschule. Foday habe sogar eine eigene Wohnung in Vierkirchen, um dort ungestört lernen zu können.

„Wir können nicht das soziale Auffangbecken für die ganze Welt werden“, so Eichinger. „Aber ich verstehe nicht, warum die große Politik die Gesetze nicht ändert, und das vorhandene Potenzial bei den Asylbewerbern nicht ausnutzt.“

Für Landrat Stefan Löwl steht eines ganz klar fest: „Es ist wichtig zu unterscheiden, wer Schutz bei uns sucht und bekommt, und wen wir als Arbeitskraft oder aus wirtschaftlichen Gründen brauchen.“ Der Ansatz ist Löwl zufolge dem Grunde nach nicht richtig, dass Menschen, die als Asylsuchende nach Deutschland kamen, bleiben dürfen, wenn sie der Wirtschaft etwas bringen. Hier würden lebensgefährliche Fehlanreize geschaffen werden. Der Dachauer Landrat sieht die Vermischung von Einwanderungspolitik und Asylrecht deswegen äußerst kritisch. „Wir brauchen sicherlich eine gesteuerte, nach unseren Bedürfnisse angepasst Zuwanderung“, erklärt er. Die Zuwanderungspolitik in Kanada beispielsweise gebe hierfür klare Regeln vor. „Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Deutschland diese in manchen Bereichen übernehmen wird“, meint Löwl.

Im Fall von Sesay Foday haben sich nun der ehemalige Bürgermeister, sein Trainer sowie der Vorstand und der Abteilungsleiter des SCV eingeschaltet, um die Abschiebung zu verhindern. Gemeinsam mit einem Anwalt wollen sie die Optionen prüfen, die dem 22-jährigen Asylbewerber zur Verfügung stehen. Für die Unterstützung auch seitens des Helferkreises ist der Sierra Leoner zutiefst dankbar, denn Mutji will nicht weg. „Ich will sehr gerne in Deutschland bleiben. Es ist ein sicheres Land, und ich kann hier eine gute Zukunft haben.“

Zuwanderung in Kanada: 

Die Zuwanderung in Kanada läuft über ein Punktesystem. Je nach Lage des Arbeitsmarkts wird eine Mindestpunktzahl festgelegt, die ein Einwanderungsinteressierter erreichen muss. Die persönliche Punktzahl setzt sich unter anderem aus Punkten für Bildungsstand, Berufserfahrung und Sprachkenntnisse zusammen. Zusätzliche Integrationshilfen wie Vorbereitungskurse und Brückenkurse sorgen für eine gelungene Integration. Dadurch sind die Zuwanderer nicht nur höher qualifiziert, sondern auch besser auf den Arbeitsmarkt und in das soziale Leben integriert als in anderen Ländern.

Vernena Möckl

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