Johann Strobl bw

Johann Strobl starb im Alter von 84 Jahren

Vierkirchen trauert um den „Reischl Hans“

Vierkirchen trauert: Johann Strobl, in der Gemeinde eher bekannt als „da Reischl Hans“, ist im Alter von 84 Jahren verstorben.

Vierkirchen – r Mensch und als leidenschaftlicher Landwirt im Ort angesehen. Schon als Baby, geboren am 1. Januar 1936, soll er als Neuankömmling auf sich aufmerksam gemacht haben – mit einem Gewicht von angeblich fünf Kilogramm. Damals meinte der Opa schon: „Des Joahr fangt ja guad o.“

Als einer der Ersten bekam Johann Strobl 1954 vom Bauernverband ein Auslandspraktikum in Finnland. Diese Zeit festigte seine Einstellung, „dass jeder Bauernsohn erst mal eine Fremdlehre machen sollte, bevor er den Hof übernimmt“. Wahrscheinlich entdeckte Strobl damals auch seine Reiselust. In jungen Jahren fuhr er allein mit dem Motorrad, wieder nach Finnland, aber auch nach Italien. Später mit der Familie folgten Reisen nach Island, Irland oder zum Wallfahrtsort Lourdes.

Mit 28 Jahren übernahm er den elterlichen Hof und führte ihn mit seiner Frau Anni, die ihn sein ganzes Leben unterstützte, und den drei Kindern. Strobls Leidenschaft gehörte auch seiner Gemeinde, er war nicht nur 18 Jahre im Gemeinderat tätig, sondern auch 60 Jahre bei der Freiwilligen Feuerwehr Vierkirchen.

Wenn er um Hilfe gebeten wurde, sagte er nie nein, so zum Beispiel beim Spielplatz- oder Sportheimbau, vor allem, wenn sein Traktor benötigt wurde. Für seine Verdienste erhielt Johann Strobl 1999 die Bürgermedaille in Silber.

Vor allen Dingen war Hans Strobl aber Bauer, er machte alles selbst, ackern, säen, mähdreschen. Oft bis spät in die Nacht arbeitete er auf seinen Feldern, legte mitunter auf dem Bulldog ein kurzes Nickerchen ein und machte weiter. Um sich Arbeitserleichterungen zu verschaffen, tüftelte der Landwirt viel herum.

Die Geselligkeit spielte im Leben des „Reischlbauern“ eine große Rolle. Egal, ob es der sonntägliche Erfahrungsaustausch am „Reischlweiher“ war oder der Ratsch auf dem „Millibankerl“. Auch beim monatlichen Seniorennachmittag war er ein gern gesehener Gast. Angeln, Schachspielen und vor allem Schafkopfen gehörten zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Wollten die anderen Kartler um halb drei Uhr nachts mal aufhören, so meinte der Hans nicht selten: „Jetzt rentiert sich’s auch nicht mehr, um halbe fünfe muss i in Stall, solang spuin ma no.“

In letzter Zeit war Strobl krankheitsbedingt weniger unterwegs, er stand aber mit seinem Rollator oft am Gartenzaun oder am Kinderspielplatz, um mit Spaziergängern zu ratschen.

Eine typische Geschichte erzählte Tochter Christine. Mit Familie war der „Reischl Hans“ im Urlaub und wollte seinen Freunden eine Postkarte schicken. Als Adresse gab er Folgendes an: Grüße an das „Milchbankerl unter den Linden“ – die Karte kam auch an.

Wer ihn gekannt hat, der wird dieses Vierkirchner Original sehr vermissen.

BRIGITTE WEBER

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