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„Die Freiheit geht Ihnen schon ab“: Marianne Kerle füttert ihre Hühner in Wollomoos.

Stallpflicht wegen Vogelgrippe

Schwere Zeiten fürs Federvieh

  • Anna Schwarz
    vonAnna Schwarz
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Dachau - Die Betreiber von Geflügelhöfen machen schwere Zeiten durch. Das Landratsamt hat vor rund zwei Wochen wegen der Vogelgrippe eine Stallpflicht angeordnet. Doch nicht alle Tiere wollen das mitmachen. Dann kann nur der Tod die Erlösung bringen.

Die Gänse von Maria und Hans Lachner (beide 65) hatten ein Leben wie im Paradies: Sie konnten im Obstgarten der Lachners in Albersbach bei Indersdorf frei herumspazieren. „Manchmal haben sie im Teich gebadet und sind herumgetaucht“, sagt die Bäuerin wehmütig. Denn nur wenige Tage nach Anordnung der Stallpflicht hat sie die Gänse geschlachtet.

Vor rund zwei Wochen hat das Landratsamt wegen der Vogelgrippe in Bayern eine Stallpflicht für Geflügel angeordnet: Tiere von Geflügelhöfen sollten sich dadurch nicht mit Krankheitserregern von frei lebenden Wildtieren infizieren. Denn wenn nur ein Tier die Vogelgrippe bekommt, müssen alle weiteren in der Gruppe getötet werden.

Doch die Gänse von Maria Lachner konnten das Leben im Stall nicht verkraften: „Die haben einfach gar nichts mehr gegessen und nichts mehr getrunken und sind im Stall nur noch auf und abgelaufen“, erzählt Maria Lachner. Zuvor waren sie nur nachts im Stall eingesperrt.

Die Stallpflicht hat das Leben der Gänse um rund vier Wochen verkürzt: Eigentlich wären sie erst kurz vor Heilig Abend geschlachtet worden. Jetzt müssen die Stammkunden die Weihnachtsgänse für ein paar Wochen einfrieren.

Trotzdem zeigt Maria Lachner Verständnis für die Stallpflicht: „Ich bin irgendwie gespalten. Für uns ist es kein Problem, aber für Massenbetriebe sieht es da schon wieder anders aus.“ Die könnten ihre Tiere nicht einfach schlachten, um sie vom Leben im abgeschlossenen Stall zu erlösen.

Die rund 130 Hühner von Maria Lachner reagierten lockerer auf die Stallpflicht: „Die haben damit weniger ein Problem. Sie haben einen großen Stall mit vielen Fenstern und wollen, wenn’s kalt ist, sowieso nicht raus.“ Trotzdem lasse die Legeleistung ein wenig nach: Statt 110 Eiern legen die Hühner ohne Freilauf jetzt nur noch 100 Eier pro Tag, erklärt Lachner.

Auch für die rund 10 000 Puten vom Bio-Geflügelhof Wallner in Goppertshofen bei Hebertshausen war die Stallpflicht eine Umstellung. „In den ersten Tagen haben die Puten schon ein bisschen mehr gegackert und komisch geschaut“, erzählt Landwirt Simon Wallner (52). Inzwischen hätten sich die Tiere aber an das Stallleben gewöhnt – dank ausreichend Spielmöglichkeiten, so Wallner. Der Landwirt hat absolutes Verständnis für die Regelung des Landratsamts: „Ich bin froh darüber. Vor dem Freilandverbot war mir ehrlich gesagt ein bisschen unwohl.“ Doch auch die Arbeiter auf seiner Geflügelfarm mussten sich umstellen: Wenn sie von Stall zu Stall marschieren, müssen sie jetzt jedes Mal ihre Schuhe und Overalls wechseln und die Hände desinfizieren. Eine frühzeitige Schlachtung wie bei den Lachners gab es bei den Wallners bisher nicht.

„Wir tun unser Bestes, aber die Freiheit geht ihnen natürlich schon ab“, sagt Marianne Kerle (47). Gemeinsam mit ihrem Mann Rudolf betreibt sie einen Bio-Bauernhof in Wollomoos. Ihre 3000 Hühner hadern immer noch mit der Stallpflicht: „Sie schauen immer ganz neugierig auf die Luken am Stall und hoffen, dass sie doch noch aufgehen.“ Ihre Hühner sind es eben anders gewohnt. Sonst laufen die Legehennen im Freien herum.

Doch Kerle sorgt für Abwechslung im Stall: mit mehr Strohballen und extra Futter. Die Stallpflicht muss eben sein: „Alle Geflügelzüchter müssen sich daran halten, damit die Vogelgrippe nicht auch in unserer Umgebung ausbricht."

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