So soll sie aussehen, die Bebauung des so genannten Volksbank-Grundstücks nördlich der Münchner Straße, schräg gegenüber dem Rathaus (rechts unten).

Debatte um die Ortsmitte

An Gebäude 4 scheiden sich die Geister 

Schwabhausen - Dreieinhalb Stunden lang hat der Schwabhauser Gemeinderat über die Pläne für die Bebauung des so genannten Volksbank-Grundstücks in der Ortsmitte diskutiert.

Dabei ging es eigentlich in erster Linie um eines der vier geplanten Gebäude - jenes, das schräg gegenüber dem Rathaus auf der anderen Seite der Münchner Straße errichtet werden soll. So viele Räte, so viele Meinungen schien es zu geben. Am Ende stimmte die Mehrheit dann doch den Plänen des Investors zu.

Die Volksbank Raiffeisenbank hatte die Pläne noch einmal überarbeiten lassen und damit auf einige geäußerte Bedenken reagiert. So hatten die Planer die Baugrenzen zu den nördlichen Nachbarn hin noch einmal um 50 Zentimeter zurückgenommen und damit die geringfügige Überschreitung der Abstandsflächen zu den Privatgrundstücken rückgängig gemacht. Hier hatten einige Anlieger allzu viel Verschattung befürchtet.

Und die Baugrenze zur Staatsstraße hin war vom Planer ebenfalls um einen Meter zurückgesetzt worden, um so einen ordentlichen, insgesamt 2,50 Meter breiten Geh- und Radweg zu ermöglichen. Das war ein weiterer Kritikpunkt gewesen, der im Rahmen der Stellungnahmen im Auslegungsverfahren zum Bebauungsplan „Schwabhausen, am VR-Gelände“ aufgetaucht war. „Wir haben ziemlich viele Einwendungen erhalten“, stöhnte Bürgermeister Josef Baumgartner ein wenig, als er den Behandlungsmarathon eröffnete.

Neben einigen weiteren Aspekten kam die Diskussion dabei immer wieder auf das „Gebäude 4“ zurück. Denn hier gingen die Meinungen weit auseinander. Wie sich später bei der Abstimmung herausstellte, folgte die Mehrheit im Gemeinderat der Argumentation der Planer (Putke, Rabl, Lorenz aus Indersdorf und EGL GmbH aus Landshut). Die Architekten betonten, das umstrittene Gebäude relativ nah an die Münchner Straße heranzurücken, um eine optische Verengung zu erreichen. Damit werde zum einen der Eindruck einer Ortsmitte geschaffen, andererseits auch der Verkehr verlangsamt. Gerade Autos, die vom Bahnhof her kommen, erreichen doch oft aufgrund des Straßengefälle recht hohe Geschwindigkeiten. Mit der neuen „Ortsmitte“ fahren sie dann auf eine Art Pforte zu.

Obwohl das besagte Gebäude parallel zur Münchner Straße stehen soll und Autofahrer dadurch zunächst einmal nur die Stirnseite zu Gesicht bekommen, sprachen einige Gemeinderäte davon, dass hier ein massiver Baukörper viel zu nah an der Straße entstehe. Allen voran Georg Hillreiner, Architekt und CSU-Fraktionssprecher. Er forderte deshalb, dass Gebäude 4 zum einen deutlich von der Staatsstraße abrücken müsse und zum anderen gedreht werden soll.

Sein Vorgänger, der langjährige Gemeinderat Heinrich Loderer, wurde noch eutlicher, sein Urteil zum Entwurf: „Schachtelarchitektur, ohne Stil und ohne ansprechende Merkmale, nur hoch, schmal und lang, eben nur groß, billig und wirtschaftlich“, kritisierte er in seiner Stellungnahme.

Werner Mooseder monierte, dass der Entwurf „eher an eine rückwärtsgewandte Gestaltung als an eine innovative Ortsmittengestaltung erinnert“. Mit der Situierung von Gebäude 4 werde zudem das Alleinstellungsmerkmal des Rathauses aufgehoben. Die Nähe und Ausrichtung im spitzen Winkel zur Hauptstraße diene eben dieser Funktion.

Daneben gab es weitere Beschwerdeführer wie Willi Jais: „Das Gebäude Nummer 4 – direkt an der Münchner Straße – verdeckt die Ortsmitte, anstatt sie zu öffnen und lässt den freien Platz dahinter zu einem ,Hinterhof‘ verkommen.“ Auch Jais unterstellt dem Vorhabenträger, dass „rein kommerzielle Interessen doch sehr eindeutig im Vordergrund“ stünden und der Gemeinderat gefordert sei, einzugreifen.

Kritik kam überwiegend aus den Reihen von CSU und UBV, während die Mehrheit der Fraktion Freie Wähler/Bürgerblock Arnbach keine grundsätzlichen Einwände hatte. So erinnerte Harald Jörg daran, dass „eine optische Verengung von uns doch gewünscht war, die dafür sorgt, dass Autofahrer abbremsen“. Und Georg Sonnenberger sprach von einem „ansprechenden Entwurf“.

Nach rund dreistündiger Debatte und Behandlung aller Pro und Contra (siehe auch Kasten links) rauchte den Gemeinderäten und dem Bürgermeister dermaßen der Kopf, dass Josef Baumgartner eine Sitzungspause vorschlug, in der sich alle noch einmal das von den Planern gefertigte maßstabsgetreue Modell der Bebauung anschauen könnten, bevor die Grundsatzentscheidung getroffen werde. So beäugten Gemeinderäte und Zuhörer die neue Ortsmitte noch einmal kritisch von allen Seiten, bevor das Gremium dann doch mit 11:7 Stimmen für die Situierung von Gebäude 4, so wie von den Architekten geplant, aussprach. Alle weiteren Abstimmungen waren dann eigentlich nur noch Formsache.

tor

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