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Bierprobe im Indersdorfer Sudhaus

Das Fest der magischen Momente

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Es liegt immer eine besondere Stimmung in der Luft. Dann, wenn das allererste Fass Volksfestbier getestet wird. Zeit, sich alte Geschichten übers Volksfest zu erzählen: von Marathonbesuchen, Abkürzungsmissgeschicken, nächtlichen Landungen im Bach und der Lektion, warum man als Kind mit der Omi auf den Seniorennachmittag gehen sollte.

 

Indersdorf – Bei der Bierprobe dreht es sich um mehr als nur ums Bier. Während sich Veranstalter Josef Schuster junior bei Bierbrauer René Schnotz mit einem Lebkuchenherz für das gute Bier bedankte, erzählten sich die Gäste herzige Geschichten von früher.

Josef Schuster (l.) bedankt sich bei Bierbrauer René Schnotz mit einem Lebkuchenherz.

Benni Adams

Für den Architekten Benni Adams gibt es nur eine liebste Volksfestgeschichte. Es ist die Geschichte, die er noch seinem Sohn erzählen wird, wenn er groß ist. Adams und seine Freunde liebten das Indersdorfer Volksfest. Ein Tisch voll Freunde, ein Lieblingsfest, das waren mit die besten Erlebnisse des Jahres. Und dann, vor zehn Jahren, passierte das Unfassbare: „Mein bester Freund war plötzlich Volkfestveranstalter.“ Adams strahlt heute noch, wenn der die Geschichte erzählt. „Wir waren alle so stolz auf den Josef, konnten einfach nicht fassen, dass jetzt einer von uns ,unser’ Fest ausrichtet.“ Und deshalb gaben sich die Freunde ein Versprechen. „Unter dem Motto drei Tage geh’n wir nicht mehr heim, haben wir im selben Hemd und der selben Lederhose drei Tage auf dem Volksfest verbracht. Durchgehend. Wir waren nur zum Schlafen zuhause. Das war eine unglaubliche Zeit.“

Michi Eberhardt

Für den Indersdorfer Bauhofleiter gab’s als Bub nur eins mit seinen Freunden: „Immer, wenn die Arbeiter kamen, sind wir hingeradelt und haben ihnen beim Volksfestaufbau zugeschaut. Es gab nix Tolleres.“ Doch auch die Boxkämpfe im Zelt haben Eberhardt begeistert. „Immer Sonntagvormittag sind wir zusammen hin und waren ganz fasziniert. Das waren tolle Hightlights.“

Josef Kettl

Josef Kettl vom Indersdorfer Faschingskomitee liebt das Indersdorfer Volksfest. Abkürzungen auf dem Nachhauseweg macht er allerdings keine mehr. „Einmal war ich nachts zu faul, den Weg außen rum ums Zelt zu gehen, also bin ich einfach schnurstracks durch die Schänke. Es war schon stockfinster, und ich konnte nichts mehr sehen. Plötzlich merkte ich etwas warmes um meinen Fuß – da stand ich mit einem Bein im alten Frittierfett.“ Auch ein andermal lief es mit Kettls Abkürzungsversuch hinterhalb des Wehrs nicht gut: „Ich bin einer Spur im Gras gefolgt, dachte, die führt schon wohin. Plötzlich bin ich mitten im Bach gelegen, überall Brennnessel. Die Lederhose brauchte eine Woche zum trocknen und war danach zwei Nummern zu groß.“

Hau ruck! Franz Obesser beim Anzapfen vor dem neuen Volksfestplakat mit Brauer René Schnotz (r.) und Volksfestveranstalter Josef Schuster junior.

Franz Obesser

Der Indersdorfer Bürgermeister ist früher als Bub immer gern mit der Oma aufs Volksfest gegangen. Obesser sagt lachend: „Besonders gut wars immer am Seniorennachmittag, da saß der Geldbeutel immer ein bisserl lockerer. Das Schönste war, als ich beim Autoscooter zum ersten Mal alleine fahren durfte.“

Josef Kreitmeir

Indersdorfs Altbürgermeister verlässt das Volksfest nie, ohne noch einen kleinen Absacker zu trinken. „Früher immer beim Eberl, jetzt beim Sennefelder. Da ergeben sich oft noch die nettesten Gespräche. Außerdem hat man dort hervorragend alles im Blick.“

Hans Lachner

Es gibt einen Tripp, den wird Hans Lachner nicht vergessen. Damals, vor etwa 20 Jahren, als er gerade 2. Bürgermeister wurde. „Damals gab es immer einen offiziellen Volksfestrundgang. Edmund Diebold hatte die Hosentasche voller Marken, wir mussten alles, aber auch wirklich alles fahren.“ Lachners Verhängnis: In diesem Jahr gastierte die „Wilde Maus“ in Indersdorf, eine Miniachterbahn. „Ganz ehrlich, ich hab gedacht, ich sterb’. Ich hab’ meine Frau angeschrien: Maria! Der fährt grad aus weiter!“ Aber der Wagen machte brav eine Kurve, und die Lachners gehen nach wie vor immer gern aufs Volksfest.


Alte Volksfestgeschichten

Wenn Sie, liebe Leser, auch eine alte Volksfestgeschichte erzählen möchten, freuen wir uns über Ihre Zuschriften. Gerne auch mit einem alten Foto. Schicken sie Ihre Geschichte mit ihrem Namen einfach per E-Mail an redaktion@dachauer-nachrichten.de oder per Post an die Dachauer Nachrichten, Richard Wagner Straße 6, in 85221 Dachau. Einsendeschluss ist die Woche vor dem Volksfest.

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